Die Schönheit der Blinden

zaproszenie2 Karsten Hein
Modenschau und Ausstellung

Hände tasten über einen schimmernden Stoff, dann über einen flauschigen, dann über feine und glatte und grobe und rauhe; staunende und konzentrierte Gesichter, rätselhafte Blicke.
Fotografien einer Modenschau von Blinden für Blinde. Blinde Models und ein blindes Publikum, eine Modenschau zum Anfassen.

Ausgangssituation

Es gibt heute viele selbstbewußte Blinde, die im Berufsleben stehen und eine Rolle in der Gesellschaft spielen, denen es wichtig ist, dem allgemeinen Bild der Blinden eine selbstbewußte Wendung zu geben. Die Welt der Blinden ist anders als die der Sehenden – sie ist nicht per se schlechter, geschweige denn bemitleidenswert.
Unser Projekt zielt auf ein postives Bild von Blindheit – die Schönheit der Blinden.

zaproszenie2str2Die Modenschau

Zur gleichen Zeit, als ich vor drei Jahren Blinde für meine Fotografie entdeckte, taten sich mehrere blinde Frauen zusammen, um in zwei Büchern über das Thema „Blindheit und Schönheit“ zu reflektieren und aus ihrer Perspektive über ihre Wahrnehmung des Gesehenwerdens, über ihr Bedürfnis nach Wahrgenommensein zu schreiben.

Gemeinsam möchten wir dieses Projekt realisieren.

Veranstaltungsort wird die Aula des BfW Halle sein. Die Kleider werden von drei bis vier Modedesignern stammen, teilweise von Modestudenten der Kunsthochschule Halle.
Besonders wichtig ist die Vielfalt der Oberflächenstruktur der benutzten Stoffe und sonstigen Materialien; dessen was die Blinden mit ihren Händen „sehen” können.

Die Bilder

Die Veranstaltung wird nicht vor sehendem Publikum stattfinden. Sie wird nur in Gestalt ihrer fotografischen Dokumentation, in einer Ausstellung und einer Website und ggfs einem Katalog veröffentlicht werden.

Die Fotografien bieten sozusagen einen Blick in eine geschlossene Gesellschaft: Blinde haben etwas, das Ihr Sehenden nicht habt! Die Blinden sind schön und ihre Welt, in die die tastenden Hände hineinführen, ist es ebenfalls.

Meine Entdeckung beim Fotografieren war, daß viele Blinde sich nicht nur sehr gut fotografieren lassen, sondern unter den richtigen Voraussetzungen dabei sogar zu ganz besonderem Ausdruck fähig sind. Ich muß nur mein Vorgehen ein wenig anpassen. Das Fotografieren mit Blinden ist ein langes ruhiges Gespräch, untermalt von sporadischem Klicken. Dies vorausgesetzt läßt sich bei manchen Blinden ein reinerer Ausdruck, eine unverstelltere Mimik finden als bei vielen Sehenden.

Fast ebenso wichtig wie die Gesichter sind bei unserem Projekt die Hände der Abgebildeten.

Ohnehin sind Hände ein wertvoller Bestandteil bei Portraits, da sie viel über den Portraitierten erzählen. Zudem können sie Bildern sowohl Intimität als auch Dynamik verleihen. Jede Handbewegung zum Körper hin ist ein Zeigen – es schafft Beziehungen.

Das gilt umso mehr für die Hände von Blinden beim Tasten. Wenn Blinde etwas ertasten, sieht es ganz anders aus, als wenn Sehende das versuchen.

Eben als ob – was ja der Fall ist – jede ihrer Bewegungen einen Sinn hätte. Es wirkt auch viel eleganter als die Bewegungen Sehender, gerade auch auf Fotos.

Damit die tastenden Hände in der Ausstellung sozusagen ein Ziel haben, werden die Kleider mit Texten in Punktschrift versehen sein. Wir haben eine Kunststickerin gefunden, die die unseres Wissens erste Technik entwickelt hat, mit der Kleidung wirklich gut tastbar mit Punktschrift bestickt werden kann. (Das könnte übrigens auch einen praktischen Nutzen haben: Man könnte damit zB die Farbe des Kleidungsstücks und die Waschanweisungen auf den Saum sticken.)

Die Ausstellung

In der Ausstellung werden dann parallel zu den Bildern die Erlebnisberichte und Reflexionen der Blinden hörbar gemacht. Die Models und die Besucher werden aus ihrer Perspektive die Veranstaltung und die Kleider beschreiben.

Die Texte und einige O-Töne werden aufgenommen werden, so daß sie in der Ausstellung auf verschiedene Weise wiedergegeben werden können. Teils zum Hören, teils auf Tafeln gedruckt, in Punkt- und in „Schwarz”-Schrift.

Für blinde Ausstellungsbesucher wiederum werden die Fotos von unseren Bildbeschreibern  beschrieben. Auf diesem Feld haben wir durch unseren Bildbeschreibungsblog „Bilder für die Blinden“ bereits Erfahrung. Es ist übrigens das erste Projekt seiner Art und kommt in der Blindenszene sehr gut an. Gegründet habe ich den Blog als Grundlage für meine Arbeit mit blinden Darstellern, um mich mit ihnen über unsere gemeinsame Arbeit austauschen zu können.

Informacje o ewamaria2013

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