Meine sozrealistische Kindheit

Viktoria Korb

Meine sozrealistische Kindheit: Sex-Missbrauch

Der Vater

Ich wurde seit meiner frühesten soz-realistischen Kindheit missbraucht. Mein Vater badete mich nackt schon als Säugling, einmal bin ich ihm eingeseift aus der Hand gerutscht und bin fast in der Schüssel ertrunken. Darüberhinaus setzte er mich oft auf seinen Schoß, und küsste ab und zu. Mehr noch, er legte mich oft auf seine Handfläche, meine Schwester auf die andere, hob uns in die Luft und sagte: „Meine Kruppen”. Oder er trug mich auf seinem Rücken, wobei ich ihn mit meinen Beinen umarmen musste, um nicht zu fallen.  Manchmal schliefen wir sogar zusammen  in seinem Bett, vor allem wenn ich krank war, oder  im Urlaub, beziehungsweise im Schlafwagen im Zug.

Im Kindergarten

Andere Missbrauchspartner folgten auch bald. Im Kindergarten mussten wir den „Krakowiak” tanzen und ein Junge in meinem Alter wählte mich hartnäckig als Partnerin. Jacek  war äußerst attraktiv mit seinen blonden Locken und seiner Volkstracht – der bestickten Jacke, gestreiften Hosen und dem roten, quadratischen Hut mit einer Pfaufeder. Eigentlich waren wir schon ein festes Tanzpaar, und so ermutigt wagte er sich einmal zu versuchen, mich im Tanz an die Wange zu küssen! Die Erzieherin hat es jedoch leider mitgekriegt und stoppte mit Empörung seine Belästigungsversuche.

In den Ferien

Nach dem Kindergarten kam bald der nächste Versuch. Im Urlaub auf den Masuren hat sich meine Mutter mit einer anderen Mutter angefreundet, die einen Sohn hatte. Mit diesem Muttersöhnchen sollte ich spielen, damit unsere Mütter in Ruhe den grünen Curacao- Liquer trinken könnten (etwas anderes gab es im Getränkekiosk auf den Masuren nicht).  Wir spielten gerne im Gebüsch, am liebsten stellten  wir einen Zelt aus einer Militärpelerine auf, den Antoni von zu Hause mitgebracht hatte. Bis der Tag kam, an dem er versuchte, mich auf den Mund zu küssen. Wütend riss ich einen langen Distelzweig  aus dem Boden und verprügelte ihn so stark, dass die Blumen fast fotografisch genaue, dunkelblaue Flecken auf seinen nackten Oberkörper bildeten. Dann lief ich erschrocken zu unseren Mammis.

Antoni rannte mir rachsüchtig nach. Unsere Mütter verstanden sofort, dass es zwischen uns Krach gegeben hat, wollten aber die Details nicht wissen. Sie lächelten verständnisvoll, meinten dass ein kleiner Streit jedem passieren kann und verlangten, dass wir uns zu Versöhnung küssen …

Und so wurde ich trotz meines Widerstandes gezwungen, von Antoni geküsst zu werden.

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Quelle: Fotopolska.eu (mit bestem Dank) – © Copyright 2012 Neo & Siloy – Fotos  Piotr Żochowski

Der Nachbar

In unserem Mietshaus in Warschau, im neuen Wola-Viertel, der sich mitten in den Nachkriegsruinen und unbebauter, von Bomben zerstörten Ghetto-Landschaft in Warschau erstreckte, ging es mir auch nicht besser.

Ich spielte oft mit dem Sohn unserer Nachbarn Zygmunt in seiner oder meiner Wohnung, bis er mir eines Tages beim Spiel „Kleiner Ingenieur” eine Liebeserklärung machte. Ich kannte ihn aber recht gut und konnte ihn nicht einfach verprügeln, wie den Antoni. Außerdem hatte ich keine Distel oder andere Waffen zur Hand. Oder vielleicht war ich schon schlauer geworden und ahnte, dass man von dem Verliebten etwas verlangen und ihn auf Probe stellen kann?  Aber wie? Ich schaute herum  und sah die Schienen und Schrauben vom „Kleinen Ingenieur” herumliegen, an denen wir gerade zusammen bastelten.

Ich fragte also: „Liebst du mich sehr?”

„Ja, sehr” bestätigte Zygmunt”

„Kannst Du es mir beweisen? Was würdest du für mich tun?”

„‚Alles was du willst!” brüllte Zygmunt mit Begeisterung.

„Dann schlucke die Schrauben vom ‚Kleinen Ingenieur’!”

Zygmunt hat mich nicht enttäuscht und schluckte die erste Schraube. Ich war jedoch noch nicht ganz  von der Tiefe seiner Gefühle überzeugt und verlangte weiteres Schlucken. Zygmunt setzte es also mit einer etwas sauren Miene fort, bis sich auf einmal die Tür zu seinem Zimmer öffnete und seine Mutter  vor uns stand.

„Was macht ihr denn? Es herrscht bei euch eine so merkwürdige Stille, dass ich schon beunruhigt wurde”.

„Wir, hm…. das heißt Zygmunt, verschluckt einige Schrauben aus ‚kleinem Ingenieur’“, stotterte ich.

Seine Mama holte sofort den Vater zur Beratung. Der rief sobald einen befreundeten Arzt, um ihn nach seinem Rat zu fragen. Der Arzt empfahl ihm, Zygmunt ein Abführmittel zu geben, in der Hoffnung, dass er die Schrauben mit dem Stuhl loswird. Gott sein Dank, waren sie nicht allzu scharf.  Ich wurde nach Hause rausgeschmissen, bekam jedoch kein Hausverbot, schließlich waren unsere Eltern gute Freunde.

Am nächsten Tag besuchten wir alle die Nachbarn und erfuhren mit Erleichterung, dass das Abführmittel das seine getan hat und das Problem  erledigt war.

Auf dem Lande

Bald tauchte ein neuer Missbraucher auf. Stefan war der Sohn von früheren Arbeitgebern unserer Hausangestellten Genowefa, einem Kunstmaler und seiner Frau. Sie lebten in Wilanow, einem kleinen Dorf neben dem könliglichen Sommerschloss in der Nähe von Warschau. Genowefa stammte auch aus diesem Dörflein und hatte dort ein Häuschen mit Garten, wo sie oft einen Teil des Sommers mit mir und meiner Schwester als Gästen verbrachte. Zwischen der Herrschaft und Dienerschaft herrschten nämlich familiär-patriarchalische Verhältnisse, die sich beide Seiten des sonst üblichen  Klassenkampfes hochlobten. Wir besuchten auch oft die Familie von Stefan in ihrer schönen Villa und schauten uns die Bilder seines Vaters an, vor allem die obligatorischen Porträt von Stalin, den damals jeder Maler demonstrativ in seinem Atelierzimmer aufstellen musste.

Aber eines Tages, als ich dabei war, das Hauses von Genowefa zu verlassen, um im naheliegenden kleinen See zu schwimmen, bemerkte ich auf dem Gehweg vor unserem Gartenzaun eine auf der Erde gekritzelte Anschrift: „Stefan liebt Viki”.

Ich begann gerade die Schule und lernte erst zu lesen, aber Stefan konnte ganz gut schreiben, denn er war schon ganze zehn Jahre alt.

Als ich den Satz bestaunte, tauchte er auf und versuchte mich zu küssen. Ich wimmelte aber diesen alten, geilen Bock empört ab. Er hat sich trotzdem von mir nicht für immer abgewandt – er besuchte  öfters Genowefa und mich in Warschau. Er war nicht nur charmant, sondern  machte sich auch bei der Pflege meines Rollerscaters verdient, vor allem konnte er ihn immer vom Springseil befreien, das  sich oft zwischen seine Räder verwickelte. Trotzdem verlangte er nicht nach erotischen  Äquivalenten, vielleicht, weil meine Eltern auch zu Hause waren.

Doch nach einigen Jahren, als ich gerade elf wurde, erschien er mal bei uns mittags, als meine Eltern in der Arbeit verweilten. Er erklärte stolz, dass er zum benachbarten Kino ging, mich aber nicht einladen konnte, weil der Film erst ab dem Alter von zwölf Jahren erlaubt war. Ich schaute ihn wegen dieser arroganten Bemerkung hassvoll an, er warf aber auf mich geile Blicke (ich trug ein sehr ausgefallenes amerikanisches Kleid vom Second-Hand!) Dann drängte er mich in eine Ecke, die er mit der Tür dicht machte und küsste mich leidenschaftlich auf den Kopf. Ich war ratlos. Bald verschwand er zu seiner Kinoseance, denn er war dort mit einem Freund verabredet. Und noch als ich schon studierte, rief er mich gelegentlich an. Rührende Treue.

Dziś 70 rocznica powstania w Gettcie Warszawskim.
Nie umiem o tym pisać. Proszę Czytelników, żeby przeczytali „Campo di Fiori” Miłosza.
http://www.poezjaa.info/index.php?p=2&a=6&u=101
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Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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