Jambo, jambo, Afrika yeti, Akuna Matata

Persische Gattin ist in Afrika gewesen. Jetzt kommen also ein paar Wochen lang ihre Geschichten über Kenia.

Jambo, jambo, Afrika yeti, Akuna Matata

Es war immer mein Traum nach Afrika zu reisen. Zugegeben, ich hatte  ein romantisches Bild von dem „Schwarzen Kontinent”, das durch das Buch „Out of Africa” von Karen Blixen (in Deutschland unter dem Pseudonym Tania Blixen bekannt),  geprägt war. Nun sollte der Traum in Erfüllung gehen und wir, mein Ehemann und ich, fahren nach Kenia. Nach einem 7-stündigen Flug landen wir in Mombasa, und ich brenne danach, endlich das erträumte Land zu sehen.

Im Flughafen von Mombasa schlägt mir eine tropische Hitze entgegen. Die Ventilatoren an der niedrigen Decke des sehr sauberen Flughafengebäudes mahlen die heiße Luft. Meine Füße in den gefutterten Halbstiefel brennen wie Feuer, meine Kleidung – Jeans und ein Pulli – werden in paar Minuten nass vom Schweiß, und hier ist nicht mal Sommer, sondern später Herbst. Die Lufttemperatur beträgt etwa 30 Grad, die Luft ist feucht. Die Passagierkontrolle scheint mir dürftig zu sein. Es werden zwar an einem modernen, elektronischen Gerät unsere Fingerabdrücke genommen, aber nach der Zahlung – 40 Euro für jeden für ein Visum, werden wir rasch von einer ungeduldigen Beamtin durchgewinkt.

Draußen sehe ich Palmen, für mich immer das erste Zeichen dafür, dass ich mich in einem exotischen, faszinierenden Land befinde. Wir suchen den Bus unseres Reiseveranstalters. Andere Touristen, überwiegend Deutsche, sind schon da. Ein stämmiger Kenianer steigt auf das Dach des Busses und befestigt unsere Koffer.

Strasse 3a Während der  Fahrt ins Hotel schaue ich neugierig aus dem Fenster. Es ist ein buntes Durcheinander – das Leben spielt sich an der Straße ab. Vor den kleinen und plumpen Häuschen stehen kleine Stände, aus Zweigen und Brettern dürftig zusammengeschustert, alle mit kleiner Dächer aus Pappe und alten Plastiktüten. Es werden Kokosnüsse, Bananen, die schon braun sind, Mangos, aber auch Second- Hand Kleidung und alte Reifen angeboten. Frauen marschieren Stolz und gerade mit Säcken oder Korbs auf dem Kopf.
Strasse-aDer Bus passiert das Tor der bewachten Ferienanlage und nun sehen wir die Welt, die für uns, weiße Touristen, eingerichtet wurde: eine großzügige Empfangshalle mit einem Dach aus Schilfrohr, eine nette und zuvorkommende Hotelangestellte verteilt feuchte, kalte Tücher, die nach Minze duften, und Softdrinks. Ich muss sofort die Schuhe ausziehen, und sie gegen Flip-Flops austauschen. Unsere Koffer werden in die Bungalows getragen, die Angestellten sind hilfsbereit und eifrig, später erfahren wir, dass das Trinkgeld, welches sie für diese Gefälligkeit bekommen, sehr oft mehr ist, als sie am Tag verdienen.

Der uns zugewiesener, sehr saubere Bungalow verfügt über ein Bad und einen riesigen Flachbildschirm-Fernseher, überm Bett hängt ein Moskitonetz. Wir ziehen schnell unsere Badeanzüge an und laufen zum Ozean. Der Ausblick ist überwältigend. Ich will sofort zu dem türkischen Wasser durch den schmalen, feinen Sand laufen, doch ich werde prompt angehalten.

Strand (2)-aAm Strand lauern auf die Touristen Beach Boys und Händler. Sie  versuchen uns etwas einzudrehen, bunte Tücher, Massai-Figuren aus Holz, aber auch eine Safari, oder einfach betteln. Die Kenianer entpuppen sich dabei als echte Polyglotten. Die Amtssprache in Kenia ist Kisuaheli, doch alle am Strand sprechen Englisch, viele auch Französisch und Deutsch. Als sie erfahren, dass ich eine Polin bin, haben sie auch ein paar Worte auf Polnisch parat. Nun ja, ohne Sprachkenntnisse – kein Business.

Im Hotel haben wir für solche Fälle ein paar Ratschläge bekommen, vor allem entschieden zu danken und schnell weiter gehen. Die Betonung auf schnell, denn in Afrika gilt der berühmte Afrika-Speed, die Beach Boys sind langsam, haben keine Lust in der Hitze zu laufen und meistens folgen sie einem nicht,  sondern aufgeben. Als meinen Mann eine schöne junge Frau, die wie eine Gazelle ausschaut, ungeachtet meiner Abwesenheit anspricht und ihn zu einer Ganzkörpermassage, mit „Allem”, überreden will, habe ich endlich genug. Wir springen ins Wasser, die Händler, Beach-Boys und die junge „Masseurin” schauen uns enttäuscht noch lange nach, doch ins Wasser folgen sie uns nicht.

Wir schwimmen in dem wie eine salzige Suppe heißem Indischen Ozean, ich bin überglücklich, denn es ist das erste Mal, dass ich in einem warmen See schwimme, kein Vergleich mit dem frostigen Wasser der Ostsee. Wir haben Glück, es gibt Flut. In ein paar Stunden kommt Ebbe. Das dursichtige, blaue Wasser wird verschwinden, Sandbänke mit Meeresgras werden bloßgelegt, und das Wasser wird  nur knapp über die Knöchel reichen.

Kapitan Ali 1aAls wir von einem Mann mit Strohhut angesprochen werden, entscheiden wir uns kurzerhand  für eine Schiffsfahrt.  Der Mann stellt sich als  Kapitän Ali  vor, sein Schiff ist ein Holz-Boot mit Segel, was er lachend und selbstironisch Afrika-High-Technology  nennt.  Man muss nur für die Fahrt zahlen, die Musik ist umsonst – lockt er. Er ist mir auf Anhieb sehr sympathisch.  Wir fahren durch das blaue Wasser, die Sonne scheint, es ist herrlich in das Ozean zu stechen. Ali ist ein Moslem. In Kenia gibt es nur 20 % Moslems, der Rest sind Christen, aber alle Moslems Kenias scheinen in der Region um Mombasa zu leben. Ali zeigt uns, wo Mekka liegt und um meinen persischen Mann zu überzeugen, dass er ein echter Moslem ist, zitiert er die Suren (was mein Mann allerdings nicht kann). Kapitän Ali freut sich, eine Arbeit zu haben, denn in Kenia sind 40 % der erwerbstätigen Menschen arbeitslos. Das 7 Jahre alte Boot gehört ihm nicht, er muss über die Hälfte seines Gewinns abgeben, aber bei einem guten Tag verdient er etwa 30 Euro, so lässt es sich leben. Seinen zwei Söhnen wird er zwar nie ein Studium bezahlen können, es ist in Kenia sehr teuer, doch sie haben genug zum Essen. – Ein voller Bauch, das ist das wichtigste, lacht er. Ich möchte wissen, für wenn er bei den Präsidentenwahlen, die gerade stattgefunden haben, gestimmt hat? Für den Uhuru (was auf Kisuaheli „Freiheit” bedeutet) Kenyatta, der gewonnen hat oder für seinen Gegner Raila Odinga? Nach einem kurzen Zögern sagt uns Ali, dass er den Kenyatta nicht gewählt hat. Kenyatta gehört dem Stamm der Kikuyu an, und er, Ali, stammt aus dem Volk der Luo. In Kenia ist es so, dass die Machthaber zuerst die eigene Familie, eigene Freunde und das Stammesvolk versorgen, es herrscht eine große Korruption. Doch Kapitän Ali ist froh, dass dieses Mal die Wahlen friedlich verlaufen sind, und nicht wie 2007. –  Wir haben alle geweint, so schlimm war es, erinnert sich Ali, denn wegen der Unruhen sind die Touristen weggeblieben, und die Touristen sind gut, die geben Arbeit und bringen Geld.

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Wir schauen nachdenklich zur Küste, zu den luxuriösen Ferienanlagen und Hotels. Das Leben der Menschen, die da ihre Ferien verbringen, unterscheidet sich sehr von dem der Kenianer. Die Hotels gehören dem Kenianer nicht, sondern den Engländer oder den Deutschen. Nur ein Hotel an der Nordküste wird von einem Kenianer und einem Somalier geführt. – Die Somalier sind sehr kluge Leute, sagt Ali. – Sie haben ein Köpfchen für Geschäfte. Viele fliehen aus dem vom Hunger und Bürgerkrieg geplagten Somalia. Und diejenigen, den es gelingt nach Mombasa zu kommen, eröffnen sofort ein Geschäft. Zuerst sind es ein paar Kokosnüsse auf einem auf dem Bürgersteig ausgebreiteten Tuch sind, dann  ein Stand und irgendwann ein Laden.

Das  Gesicht von Ali erhellt sich, als er erfährt, dass ich eine Polin bin. – Oh, die Polen, die sind gut! Wir haben mit ihnen einen Picknick gemacht, frische Fische und Meeresfrüchte gegrillt, denn, was man in den Hotels zum Essen kriegt, liegt meistens monatelang in den Kühlschränken. Kostenpunkt – 25 Euro pro Person. Wir versprechen über dieses Angebot nachzudenken.

Nun nähern wir uns der Küste, und Kapitän Ali bietet uns die versprochene, kostenfreie Musik an. Er singt ein rhythmisches, fröhliches, und in Kenia sehr beliebtes Lied: Jambo, jambo, Afrika yeti , Akuna Matata (Hallo, Hallo, Afrika, kein Problem!)

Das Essen im Hotel, obwohl sicherlich aus tiefgefrorenen Produkten zubereitet, ist schmackhaft und üppig. Die Kellner sind sehr hilfsbereit, erfüllen jeden Wunsch. Wir merken schnell, dass auch sie sehr aufs Trinkgeld bedacht sind. Ich spüre – die schauen uns an mit einer Mischung aus Unterwürfigkeit, weil sie unser Geld wollen und Verachtung, und ich denke, dass dieser Blick das Erbe der Kolonialzeit sein muss. Kenia ist vom 1895 bis 1920 ein britisches Protektorat gewesen, dann Kronkolonie. Die Unabhängigkeit folgte erst am 12. Dezember 1963 und am 12. Dezember 1964 wurde Kenia eine Republik. Der erste Staatspräsident wurde Jomo Kenyatta, Vater der jetzigen Präsidenten Uhuru Kenyatta. Uhuru ist sein ältester Sohn.

Fortsetzung folgt in einer Woche…

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2 odpowiedzi na „Jambo, jambo, Afrika yeti, Akuna Matata

  1. Anne Schmidt pisze:

    Was die Vertauschung eines einzigen Buchstabens bewirken kann: da wird aus duftender Minze klingende Münze, die als Gegenwert auch für ein nasses Tuch wahrscheinlich erwartet wird.

  2. ewamaria2013 pisze:

    Danke, Anne! Minze!

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