Lügenmuseum

Heute ist der Jahrestag der Bücherverbrennung. Ich schrieb schon darüber in diesem Blog und nicht nur hier: https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2013/01/07/gleis-17/. Mehr darüber morgen und heute ein anderes Thema: Lüge…

LeafInsectFür uns, Menschen erzogen in der idealistischen katholischen Kommunismus, war eine Lüge etwas Unerhörtes und zugleich Unvermeidliches. Im privaten Leben war es schlichtweg eine Sünde. Man lügte nicht. Bis heute wundere ich mich, wenn ich sehe, dass jemand lügt. Im offiziellen Leben, wo man gezwungen war, sich mit dem Staat und seinen Institutionen zu konfrontieren, war eine Lüge eine Notwendigkeit, von der wir wussten, Gott denke genauso wie wir, und sie ist gar keine Sünde.

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Andersrum aber Augentäuschung, Verspielen, Illusion, Luftperspektive und geometrische Perspektive, Bildnisse der Personen, deren Augen uns anschauen, egal wo wir stehen… Orgel mit den Sturm- und Engelpfeifen, Schauspieler, die tatsächlich wie Richard III aussehen und wirken… Ja, die Kunst, eine große Lüge, nichts als Lüge, göttliche Lüge, die uns zu Menschen machte. Und dann erst die Natur – die Tiere, die wie Blumen aussehen, Seegurke, Seelilie und Seeanemone. Mimikry, Nachahmung. Tarnung, Anpassung. Mimese. Camouflage. Laute Lügen überall.

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Passende Literatur dazu gewünscht? Bitte sehr, „Der Augentäuscher” von Mathias Gatza – ein wunderbares, skurilles, lustiges Buch, das ich jedem angehenden Doktor in der deutschen Wissenschaftlandschaft stark empfehle.

Super Bild, nicht wahr? Mehr in einem Album von Dariusz Kacprzak: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.399531373391859.102442.100000050002703&type=1

Phantastische Nacht im Lügenmuseum zum internationalen Museumstag

Museen haben normalerweise einen Zweck. Man füttert sie mit sinnvollen Sammlungen und darf auf Zuschauer hoffen. Hier nicht! Im Lügenmuseum ist ja sowieso alles anders. Künstler konstruieren natürlich andere Museen: „Maschinen zur Belustigung und anarchische Apparate im ironischen Leerlauf. Die Besucher erwartet ein geheimnisvoll blinkendes, ja exotisch kühnes Rampenwerk, das sogar Marsianer und Extraterrestrische fasziniert und ins Land geholt haben muss – denn wie hätte es sonst …“ schreibt Christoph Tannert Leiter des Künstlerhauses Bethanien Berlin.

Wenn das Tageslicht nicht mehr durch die Fenster scheint, dann fangen die Lichtinstallationen an, die Räume zu verzaubern. In vergessenen Koffern sind Habseligkeiten und Überraschungen als kleine Welten mit großer Zärtlichkeit inszeniert. Augenweiden die daran erinnern, dass das Leben eine Reise ist. Die Koffer sind gepackt, künstlerisch beladene Wagen stehen zur Abfahrt bereit. Ist es eine Reise ins Nirgendwo? Ausgangspunkt für die neue Ausstellung im Lügenmuseum war ein Traum: Während eines Interviews fuhr der Künstler mit einer Journalistin in einer Straßenbahn.
Ein Kommentar regte ihn auf: „Eine Lücke in der Geschichte“. Meinte sie die Lücke der Bildenden Künstler aus dem Untergrund Ostdeutschlands in den Museen der Bundesrepublik, die in der heutigen Kunstgeschichte einen Sonderstatus beanspruchen oder…? Das war zu eng. Wenn schon, dann: „Eine Lücke im Universum, durch die Seele schlüpfen kann, um in andere Welten zu reisen.“
Nach diesem Traum entstanden Installationen in Koffern, eine Forschungsreisen durch den Souvenirhandel exotischer Länder. Über Stock und Stein, mit Licht und Klang führt der Weg über Himmelsleitern in andere Welten. Heute noch leben Geister in weit gereisten Geisterhäusern, die sich als Reiseführer anbieten. Auf dem fliegenden Teppich können Traumziele erreicht werden. Das Labyrinth der Erinnerungen führt auf seinen verschlungenen Pfaden über tiefe Abgründe. Die Psychedelic Maschinka, ja das ganze Museum dient der Bewusstseinserweiterung.

Ist das Lügenmuseum eine Beleidigung des „guten“ bürgerlichen Geschmacks oder ist es ein Pilgerort ewiger Glückssucher, weil Schönheit, wo sie nicht zu finden, wenigstens erfunden wurde? Vertraut es dem Stocken des Atems und der Autonomie der Betrachters als ein Freiflugschein für die Phantasie? Verdanken die Besucher ihr Betrachterglück der Fähigkeit, das Museum so mit Leichtigkeit aufzuladen, dass es magisch glüht?

Zur Phantastischen Nacht des Lügenmuseums können sich die Besucher ein eigenes Urteil bilden.

11. Mai 

21 Uhr musikalische Taschenlampenführung
Fünf nach zwölf Mitternachtsführung

12. Mai

15 Uhr musikalische Taschenlampenführung
Lügentee und orientalisches Gebäck

Historischer Gasthof Serkowitz, Kötzschenbrodaer Str. 39, 01445 Radebeul

Geöffnet: Ferien & Feiertage, Sa & So 13 – 18 Uhr
Richard v. Gigantikow Tel. 0176 – 99 02 56 52

www.luegenmuseum.de info@luegenmuseum.de

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Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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