Kenia III – Mombasa

Persische Gattin

Mombasa

Am nächsten Tag „wagen” wir, mein Mann und ich, die Hotelanlage zu verlassen und nach Mombasa zu fahren, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Für uns ist es ganz normal, dass wir die Umgebung zu Zweit besichtigen wollen, nicht aber für die anderen Gäste des Hotels. Ein deutsches Ehepaar schüttelt fast synchron den Kopf: „alleine in die Stadt fahren, mit den stinkenden Bussen, das wäre nichts für uns”. Sie entscheiden sich paar Tage später doch Mombasa mit einer organisierten Gruppe und einem von dem Hotel eingestellten Reiseführer zu besichtigen, bricht aber den Ausflug schnell ab. „Die Gassen so schmal und schmutzig, und alles so stinkend – das muss man im Urlaub nun wirklich nicht haben“, erklären sie uns beim Abendessen.

Mombasa4 Nun fahren wir mit einem der einheimischen Buse Richtung Mombasa. Immer wieder steigt jemand zu, der Bus ist  fast voll. Wenn man aussteigen möchte, klopft man an die Blechwand des Busses und der Fahrer hält abrupt am Straßenrand an.  Gerade ist ein Ehepaar eingestiegen: eine Frau mit zwei Kinder, die aus den um den Körper der jungen Mutter gewickelten Tüchern hängen, und ihr Mann. Der Kassierer – ein flotter und frecher, junger Kenianer, der an jedem Zwischenstopp neue Passagiere anwirbt, hat nun keinen Sitzplatz und muss in gebückter Haltung in dem fahrendem Bus stehen. Später erfahren wir, dass die „Bus-Kassierer” genau wissen, wo Polizeikontrollen stattfinden und sich vor so einem Kontrollpunkt  zusätzlicher Passagiere, für welche es keinen Sitzplatz gibt „entledigen” . Die rausgeschmissene Kenianer nehmen das aber mit einer stoischen Ruhe und warten einfach auf den nächsten Bus.

Mombasa6Der „Bus-Kassierer” gibt uns das Restgeld aus. Er hält die Scheine zusammengefaltet zwischen allen fünf Finger der rechten Hand, so hat er beim Wechseln einen besseren Überblick. Ich gebe der Mutter der Kinder Süßigkeiten für die Kleinen, obwohl ich weiß, dass UNICEF, UNO und andere „Heiligen” es nicht empfehlen, es sei schlecht für die Zähne der Afrikaner. Aber nachdem ich gestern gesehen habe, dass die kenianischen Kinder mit dem erbettelten Geld sofort in den Supermarkt laufen, um sich etwas Süßes zu kaufen, sind mir diese Empfehlungen egal, denn die Herren in den hohen Institutionen kennen Kenia anscheinend nur aus den Statistiken.
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Seit gestern streiten wir uns mit meinem Mann, da ich so sehr mit den Menschen in Kenia Mitleid habe, dass ich am liebsten jedem Geld in die Hand drücken würde. Mein Mann sagt aber, die Leute, die mit Touristen arbeiten, haben hier genug zum Leben. Wenn schon helfen, dann  denen, die wirklich arm sind. Aber mir scheinen fast alle hier sehr arm zu sein.

Mombasa2In dem Bazar von Mombasa vergesse ich die Meinungsverschiedenheiten. Es gibt so viele Farben, so viele Gerüche, so viele Speisen und unzähligen Gewürze – Mombasa war schon vor paar Jahrhunderten ein Potentat in Gewürzhandel. Ich zucke mein Fotoapparat und möchte ein Bild machen… Plötzlich ein Lärm, ein Getümmel – mehrere Frauen schreien, ich merke, dass der Ärger mir gilt.

Mein persischer Mann kapiert als erster, dass die Frauen Moslem sind und nicht wünschen, fotografiert zu werden. Ich stecke das Fotoapparat weg und sage in Suaheli: Pole –  was so viel wie „Entschuldigung” bedeutet, und Saua – was „ok”  bedeutet und deute daraufhin, dass ich  keine Absichten mehr habe, Fotos zu knipsen: Akuna Matata – Kein Problem! Die Gesichter der Frauen erhellen sich: diese Weiße – diese Mzungu – spricht Suaheli!  (was natürlich nicht stimmt). Aber diese paar aufgeschnappten Worte reichen, um die Furien zu besänftigen.  Jede möchte mich in ihr Laden einladen, ihre Stoffe, Töpfe, oder was sie da zu verkaufen hat, präsentieren.

Nach dieser Erfahrung merke ich, dass das Lernen der Sprache ein Mittel ist, um an die Kenianer ranzukommen, und nicht mehr als weißes Fleisch behandelt zu werden.

Mombasa5Wir spazieren durch die Straßen in Mombasa, viel an Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht, obwohl die Stadt mindestens seit 2000 Jahren existiert. An dem Ort, wo sich früher der Sklavenmarkt befand, gibt es nicht Mal eine Infotafel. Außer Fort Jesus – einer Festung, die die Portugiesen gebaut haben, und den Tusk – vier riesigen Elefantenstoßzähnen die die Straße überspannen, ist in der Stadt nicht viel zu sehen. Aber trotzdem macht es Spaß, durch die lebendigen Straßen zu schlendern, die Kenianer bei den Nachmittagsschlaf im Park zu beobachten, die kleinen Läden mit den laut arbeitenden Stromerzeuger zu besuchen, die Jungs in den Schuluniformen, die an den Lianen baumeln, anzufeuern.

Mombasa7Wir gehen in ein Cafe und bestellen zwei Flaschen Cola. In der Ecke brummt ein Fernseher, die Ventilatoren summen an der Decke. Die Ware steht an dem improvisierten Tresen. Die Kellnerin mit einer Netzhaube auf ihrem glatten, schwarzen Haar nähert sich uns langsam mit faulen Katzenschritten. Die Cola ist warm, die drei riesigen Kühlschränke, die an der Wand stehen, funktionieren nicht. Nach ein paar Minuten verlassen die letzten Gäste das Cafe, eine der Kellnerinnen sammelt Zuckerdosen von den Tischen, die zweite gesellt sich zu ihr. Sie schütteln den Zucker auf die Handflächen und lecken es kichernd ab, sie tuscheln und wieder wird der Zucker geschüttelt und abgeleckt. Wir fragen wie viel sie in dem Cafe verdienen – 300 Schilling (etwa 3 Euro) am Tag. Obwohl die Mädels ständig mit Touristen in Berührung kommen, gibt mein Mann ihnen, trotz seiner Vorsätze,  ein gutes Trinkgeld.

Mombasa3Wir gehen in die Altstadt, an den kleinen Gassen gibt es Läden mit alten Möbel, Antiquitäten, Handwerk: Sandalen, Holzschnitzerei und Fischläden – in welche Katzen rein und raus spazieren, Fischköpfe und Innereien essen, oder einfach auf dem Betonboden schlafen, und niemand vertreibt sie. Die Verkäufer sind  nicht darauf bedacht „den weißen Mann” zum Kaufen zu zwingen, wie die Beach Boys, die Preise sind für uns genauso hoch (oder besser niedrig) wie für die Einheimischen. Wir gehen in einen Schuhladen, um Sandaletten zu kaufen. Der Verkäufer lächelt uns an, und als er merkt, dass wir handeln wollen, reibt er die Hände und feilscht mit meinem Mann mit großen Vergnügen. Ich beobachte, wie mein persischer Mann und der Sandalenhändler aufgeregt und sichtlich vergnügt sich miteinander unterhalten, und denke, dass man dieses Kenia aus der Perspektive der Hotelanlage nicht zu sehen bekommt.

Es ist später Nachmittag und wir müssen aber in die Hotelanlage zurück.

Affe

Angekommen  mache ich die Balkontür auf und sehe das erste Mal die Affen.  Die Hotelangestellten  haben uns vor ihnen gewarnt, dass sie in die Zimmer kommen und auf der Suche nach Essbarem, alles verwüsten, und dass man sie nicht futtern soll. In diesem Moment ist es mir aber egal und ich futtere die Äffchen. Die stärkeren und größeren Exemplare nehmen den Kleinen oder den Mütter mit Kleinkinder die Bananen weg, schlagen sie und jagen weg. Das holt mich wieder an den Boden der Tatsachen – wir sind in Kenia – Kenia ist kein Zuckerschlecken. Hier kämpft man ums pure Überleben.

Fortsetzung folgt in einer Woche…

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