Kenia IV – Safari und die Massai

Persische Gattin

JeepKHeute fahren wir auf Safari, zu einem von unserem Hotel 150 Kilometer entferntem Safari Camp in dem Tsavo Park. Schon um 6 Uhr morgen treffen wir, zusammen mit etwa 10 weiteren Teilnehmer den Reiseführer. Wir fahren mit einem klimatisierten Bus, jedem wird zur Begrüßung eine Flasche Wasser ausgehändigt.

Der Reiseführer, ein etwa 40-jähriger Kenianer, spricht natürlich ein paar Fremdsprachen, drunter selbstverständlich auch Deutsch. Mit viel Humor und einer unglaublichen Leichtigkeit erzählt er Geschichten über die „Big Five”: den Elefanten, den Nashorn, den Leopard, den Büffel und den Löwen. Diese Klassifizierung hat mit der Größe der Tiere nicht zu tun, sondern wurde von den Jäger festgelegt – ausschlaggebend waren die Schwierigkeiten bei der Jagd. Der Reiseführer warnt von unbekümmerten Verhalten während des Safaris. Man darf den Jeep nicht verlassen, in der Savanne leben wilde Raubtiere, es sind keine Hauskatzen. Um diese Warnung zu unterstützen, erzählt er die Geschichte der Menschenfressers. Im Jahre 1898, als die Briten die Uganda-Bahn gebaut haben, die von Mombasa über Nairobi bis zu der kenianischen Grenze führt, wurden 28 indische Arbeiter von nur zwei Löwen gefressen. Die Briten haben Arbeiter aus Indien geholt, da sie schon Erfahrung bei dem Bau der indischen Bahn hatten. Die Geschichte der armen, von Löwen verspeisten Inder wurde sogar in Hollywood verfilmt, der Film heißt: „Der Geist und die Dunkelheit”.

Vor dem Tor des Tsavo-Parks verlassen wir den klimatisierten Bus und werden den Jeep´s zugeordnet, in jeden solchen Geländewagen mit offenem Dach passen 6 Leute, der Beifahrer und der Fahrer, der gleichzeitig auch die Rolle eines Safari-Guides übernimmt.

Bevor wir losfahren, platzt in den Wagen ein junger Kenianer und mit viel Witz preist er Safari Hute an. Die Hute sind schlecht genäht, und sehr kitschig – mit den Giraffen-, oder Nashorn-Prints, aber schon nach ein paar Sätzen verspüre ich das Bedürfnis den Hut zu besitzen. Ein Hut kostet 15 Euro, was sogar in Deutschland überteuert wäre. Ich muss aber zugeben, dass der Junge die Hute so geschickt vermarktet, dass er in jedem europäischen Land bestimmt Karriere in Marketing gemacht hätte. Ich kaufe den Hut, und rede mir ein, dass ich auf diese Weise den armen Kenianer helfe. Es ist nur eine Ausrede, um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, denn ich spüre, dass ich mich wieder wie das „weiße Fleisch”, welches man austricksen kann, behandeln lasse.

Mein persischer Mann geht mit dem Problem viel natürlicher um. Er kauft nur etwas ab, wenn es ihm wirklich gefällt, dafür spricht er aber mit den Menschen, erfährt etwas über ihre Probleme, sie fühlen sich dadurch wertvoller, und er erntet viel Respekt, an welchem ich auch teilnehme. Sogar die Beach-Boys am Strand lassen mich in Ruhe, wenn ich ihnen mitteile, dass ich „Mama Mohammad” bin. Es ist mir auch klar, dass nur eine kleine Gruppe Kenianer Profite macht, und zwar die, die Zugang zu den weißen Touristen hat. Das Land ist korrumpiert, und es herrscht Klan-Denken. Zuerst werden die Leute aus dem eigenen Klan versorgt. Mit den selben Gedanken schlagen sich bestimmt die Hilfsorganisationen rum: wie kann man Afrika am besten helfen? Welcher Art soll die Hilfe sein? Dieses Problem löse ich bestimmt nicht. Dafür beschließe ich weiter, Suaheli zu lernen, da ich sehe, dass es mir nicht nur Spaß macht, es bringt mich auch den Kenianer näher.

Im Camp habe ich gleich Gelegenheit dazu. Mitten in der Savanne werden für uns Tische aufgestellt, weiße Tischdecken flattern in der leichten Brise, und es wird ein 3-Gänge Menü serviert. Ich bestelle bei dem Koch auf Suaheli: „Kuku tafadhali” – „Den Huhn bitte“. Und schon leuchten seine Milchweißen Zähne in einem breiten Lächeln. Der Koch möchte wissen woher ich komme und wir unterhalten uns eine Weile.

Rote ErdeKNach dem Essen fahren wir weiter, und das erste Mal im Leben sehe ich rote Elefanten. Die Tiere wälzen sich in der Erde (die Erde des Tsavo-Parks ist rot), um die empfindliche Haut vor der glühenden Sonne zu schützen. Es macht mich glücklich die Elefantenherde zu beobachten. Ich rufe den Elefanten zu: „kommt her, kommt näher”, da ich ein Foto knipsen möchte – und bereue es sofort. Plötzlich setzt sich einer der Elefanten in Bewegung und rennt auf unseren Jeep zu, die Erde bebt unter dem Kolos. Mein Mann schreit: der Elefant, er rammt uns gleich! Der Fahrer startet den Wagen und wir fahren los. Glücklicherweise ist der Elefant zu faul, um uns zu verfolgen und nach paar Schritten bleibt er stehen. Wir kommen mit einem Schrecken davon, der Fahrer erklärt lachend, dass die Elefanten gerade sehr reizbar sind, da sie sich in Paarungszeit befinden. Als wir ein paar Minuten später eine Löwen-Familie unter einem Baum sehen, niemand möchte näher rankommen, obwohl die Löwen mit dem Nachwuchs sehr friedlich aussehen.

SlonKAbends, nach einem königlichen Abendessen gehen wir in unsere Zelte. Die Zelte, was mich wieder vom Hocker haut, sind luxuriös ausgestattet: es gibt zwei Betten, einen Schrank und einen Stuhl alles in Kolonialstill, es gibt auch Strom und in Bad flauschige Handtücher, duftende Seifen, eine Toilette und Dusche.

Da ich noch nicht schlafen will, gehe ich mit einer Taschenlampe raus aus dem Zelt und denke, falls die Löwen oder Elefanten oder noch schlimmer Büffel unseren Camp angreifen, werden mir die Wächter, die das Gelände Tag und Nacht patrouillieren, schon Bescheid sagen. Ich leuchte mit der Taschenlampe in die Dunkelheit und plötzlich sehe ich dutzende glänzenden Augen, die mich aus der Dunkelheit anstarren. Es sind die Gazellen, die an der Wasserstelle nahe dem Camp sich in Sicherheit vor den Raubtieren fühlen. In der Nacht raschelt es und knurrt neben dem Zelt, und mein Mann kann nicht schlafen, ich selber höre aber gar nichts und schlafe wie ein Stein.

Die Massai

Am nächsten Tag fragt uns der Fahrer und Guide in einer Person, ob wir einen Massai-Dorf besichtigen wollen. Ich will es unbedingt, da ich das Buch „Die weiße Massai” in Erinnerung habe, und will mit eigenen Augen sehen, was die Autorin an dem Volk so fasziniert hat, dass sie ihr geregeltes Leben in der Schweiz hinter sich gelassen hat, um mit einem Massai-Krieger in einer Hütte aus Kuhmist zu leben.

Massai FrauenKAls ich das Dorf erblicke, verstehe ich sofort, dass so eine Beziehung zum Scheitern verurteilt sein musste, und staune über die Naivität der „weißen Massai”.

Die Manyattas, die Hütten, die von Frauen aus Kuhmist gebaut werden, sind niedrig und dunkel. Es gibt eine Feuerstelle in der Mitte und einen Schlafplatz. In der Ecke hausen Hühner.

In der Mitte des Dorfes erblicke ich schmutzige Plastikeimer mit fermentierender Milch. Es gibt so viele Fliegen, dass man den Eindruck hat, die Milch ist schwarz.

Ein junger Massai in traditioneller Kleidung führt uns durch das Dorf und antwortet bereitwillig meine Fragen (die restlichen Teilnehmer der Gruppe sind schockiert wegen der hygienischen Umstände und schweigen entsetzt). Der junge Krieger erzählt von der Bedeutung der Tiere für sein Volk. Sie besitzen vor allem Ziegen, aber auch einige Kühe. Er sagt, dass die Massai  glauben, alle Tiere in der Welt ihnen gehören. Und wenn sie Tiere anderer Stämme zu sich holen, es ist kein Diebstahl, sie nehmen  nur zurück das, was schon ihnen gehört, Ich muss schmunzeln, als ich es höre, da ich an das Buch von Henryk Sienkiewicz „W pustyni i w puszczy” (Durch Wüste und Wildnis) denken muss. Eine der Figuren im Buch ist ein junger Afrikaner Namens Kali, der behauptet: wenn Kali ein Kuh klaut – es ist gut, wenn eine Kuh dem Kali gestohlen wird – sehr schlecht. In Polen heißt es seitdem „Das Kali Moral”.

Massai KriegerK

Die Massai führen uns vor, wie man Feuer macht – indem sie zwei Holzstücke gegeneinander reiben und Elefantenmist darunter legen. Schon nach ein paar Sekunden fängt es an zu brennen. Ich probiere es auch, und es gelingt. Die Massai tanzen für uns ihre traditionellen Tänze: die Frauen heben rhythmisch die Schulter und der riesige Halsschmuck zuckt mit: nach oben und nach unten, die schlanken, jungen Krieger springen so hoch, wie sie es schaffen, manchmal über ein Meter. Sie sind graziös und schön mit ihrer Krieger-Bemalung, dem bunten Schmuck und der glänzenden Haut. Und das erste Mal kann ich etwas die weiße Massai verstehen, da auch an mir ein junger Krieger in einem weißen Kanga-Tuch „klebt” und trotz der Anwesenheit meines Mannes schöne Augen macht. Zuerst  fühle ich mich geschmeichelt, dann aber gewinnt die Vernunft: Der junge Krieger versucht nur sein Glück – es ist gut mit einer Mzungu, einer Weißen, liiert zu sein, denn in deren Augen sind wir alle enorm reich.

Massai KinderKPlötzlich gesellen sich uns die Kinder – sie sind so hübsch und so fröhlich! Ich mache ihnen unzählige Fotos und sie haben viel Spaß dabei, sich selber auf dem Display der Kamera zu sehen. Ich merke, dass ihre kleinen, kurzgeschorenen Köpfchen von einem Pilz befallen sind, sie riechen auch etwas nach Schmutz und Urin. Erst jetzt wird mir klar, dass es in der Umgebung keine Wasserstelle gibt, und dass die Frauen das Wasser jeden Tag von weitem schleppen müssen. Das Wasser ist zu kostbar, um damit die Kinder zu waschen.

Ich erfahre, dass viele Massai-Kinder zur Schule gehen, so will es die Regierung. Wer das eigene Kind nicht zur Schule schickt, muss eine Strafe zahlen. Die Väter, die alle Entscheidungen in der Familie treffen, weigern sich jedoch oft die Kinder hin zu schicken. Die Kinder bekommen da sehr wenig zum Essen – erklärt mir der junge Massai-Krieger. Bei uns, im Dorf, hingegen haben sie Milch und Fleisch, mindestens zwei Mal am Tag – beteuert er.

Ich habe noch so viele Fragen, die ich gerne den Frauen stellen würde, ich weiß z.B., dass die jungen Mädchen vor der Heiratsnacht immer noch beschnitten werden, aber wenn ich sie anspreche, kichern die Mädchen nur, und die älteren Frauen machen kehrt und verschwinden in ihren Manyattas. Auch die Alten des Dorfes,  als sie uns, die Mzungus, erblicken, spucken mit der Kautabak auf den roten, staubigen Boden und entfernen sich stolz und schweigend.

Fortsetzung folgt nächste Woche…

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Polska pisarka w Berlinie
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Jedna odpowiedź na „Kenia IV – Safari und die Massai

  1. Anne Schmidt pisze:

    danke für die realistische Beschreibung der Lebensverhältnisse, auch der Gerüche. Anne

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