Die Trans und die Skins

Renata Borowczak-Nasseri

Die Trans und die Skins

Autobahn… Motorgeräusch eines alten Mercedes Cabrio, der über eine Autobahn rast. Der Trans-Mann, Claudio, lächelt, sein kurzes Haar flattert im Wind. Er schaut auf die platte branderburgische Landschaft.

CLAUDIO

Wie schön das ist.

TOBIAS (ebenfalls ein Trans-Mann)

Schön und öde gleichzeitig!

Tobias rutsch hin und her neben Claudio auf dem Hintersitz mit lächelnd strahlendem Gesicht, und singt mit zu “Sunny” von Boney M., der im Autoradio läuft. Tobias trägt ein Heavy Metall T-Shirt und weite im Schritt hängende Hip Hop Hose.

TOBIAS

(schreit glücklich) Wie ich diese Musik hasse!

Tobias schubst Claudio.

TOBIAS

Sing mit!

CLAUDIO

(mit krätzenden Stimme) Kann nicht!

Claudio beugt sich nach vorne zu Helga, einer Trans-Frau Mitte 50, die riesig, wie ein Holzfäller ist, und eine blonde Mähne trägt.

CLAUDIO

Hey Helga, alles Fit im Schritt!

HELGA

Was?!

Der Wind macht ein starkes Geräusch, man hört kaum was.

JASMIN, (eine Trans-Frau, Mitte 30-ig, stark geschminkt uns sehr schlank)

Bei dir vielleicht? Ich hab ja da nichts mehr!

Alle lachen in die Runde. Claudio klopft Helga auf die Schultern.

CLAUDIO

Lass mich die Karre fahren! Habe heut´ Geburtstag!

TOBIAS

Heute, echt?

Helga lacht auf.

HELGA

Du hast Geburtstag, so wie ich ne Jungfrau bin.

Helga hält an der Straßenseite. Steigt aus.

HELGA

(zu Claudio) Mach schon, du bist wieder geboren, zum neuen Leben.

Claudio springt aus dem Wagen, läuft zu dem Fahrersitz, setzt sich ans Steuer. Claudio startet abrupt los, fährt schnell, viel schneller als erlaubt. Jasmin veranstaltet vorne eine Art Bauchtanz.

TOBIAS

Das ist ja bescheuert!

Helga legt ihre Hand auf Tobias Oberschenkel, nimmt sie aber sofort weg.

HELGA

Die ist wieder 16! Mach die Pubertät Revue passieren! Weißte was ich da gemacht habe? Vor sechs Jahren? Als ich mit den Hormonen angefangen habe?

Claudio dreht sich im Fahren nach hinten, schreit:

CLAUDIO

Was denn?!

HELGA

Blaue Schrippen habe ich vom Bäcker geholt, so war das Leben bunt!

***

Wiese vor einem Schloss.

Wiesen_bei_Gramkow

Der Schloss wirkt geheimnisvoll in der Abenddämmerung: die Rissen auf den Wänden, das große Wappen, Rotlicht im unterstem Etage und Kellerfenster. Claudio schaut ins Feuer. Über dem Feuer werden Würstchen gebraten, der Speck fließt zischend in die Flammen.

Die Tür des Schlosses geht auf, eine DOMINA (30) in voller Montur geht raus, an dem Arm eines Mannes, KLAUS (55), gelehnt.

CHRISTIAN, ein magerer Mann (50) mit lockigem blondem Haar, der Besitzer des Schlosses, blickt in ihre Richtung.

CHRISTIAN

Nicht´s gegen Kunden, aber dieser ist echt eine versaute Sau.

DOMINA

(aus Entfernung) Feierabend! Klaus bringt mich nach Hause.

CHRISTIAN

(murmelt leise) War schon Zeit.

Christian steht auf und winkt zum Abschied. Er trägt eine weiße eng anliegende Bluse, ein Ballerina Kleidchen und weiße Strümpfe.

CHRISTIAN

Die Leute wissen nicht, was ihnen entgeht, wenn sie so rumficken. Jedem ist ein Mensch bestimmt, und man spürt das, wenn man auf ihn trifft.

Claudio starrt Christian an.

CLAUDIO

Das denke ich auch.

Christian streichelt den Rock glatt.

CHRISTIAN

Ich habe darüber das erste Mal auf einem Workshop über Prädestination in Indien gehört. Und ich glaube das. Niemand geht an den eigenen Schicksaal vorbei.

Helga, Jasmin, Tobias und Claudio sitzen still, lauschen dem Knistern des Feuers.

Plötzlich hört man Zweige knacken, Geräusche aus dem Wald, Rufe. An dem Waldrand erscheint in dem Licht des Feuers ein SKIN: glatzköpfig, mit Bombenjacke, Springerstiefel, in der Hand hält er einen dicken Zweig. Mit festen Schritten kommen hinter ihm her noch zwei andere Skins. Claudio unterdrückt einen Schrei, er versteckt sich hinter der riesigen Helga.

CLAUDIO

(flüstert)  Scheiße, Zähne sind teuer.

Er hört ein Lachen. Alle lachen um die Runde, die Skins auch. Der SKIN mit dem Zweig – JENS (23) schmeißt den Zweig ins Feuer. Er klopft Christian stark auf die Schulter.

JENS

Na, hat er euch schon mit seiner Prädistinationsgehirnwichserei zugelabbert?

Christian schaut seinen Sohn tadelnd an, er wendet sich an Claudio.

CHRISTIAN

Der mit der großen Klappe – das ist Jens, mein Sohn, und das sind seine Kumpels Günther und Vale.

Jens küsst Jasmin auf beide Wangen, dann geht er zu Helga, flüstert ihr etwas ins Ohr, Helga lächelt. Jens beugt sich  zu Claudio.

JENS

Oh Pardon, du bist andersrum. Männer küsse ich nicht.

Günter und Vale schmeißen die Zweige ins Feuer.

VALE

(zu Christian) Ist eine Wurst für uns übrig und ein Bierchen?

Christian holt zwei Flaschen aus einem Wassereimer, schmeißt eine nach der anderen zu Vale und Günther.

GÜNTHER

(zu Claudio) Hast du gedacht, wir hauen hier alles kurz und klein?

Jens nimmt einen ordentlichen Schluck aus seiner Bierflasche.

JENS

Das ist nicht unser Kampf.

Er beugt sich und kitzelt Jasmin, sie lacht laut auf.

GÜNTHER

Wir mögen die Mädchen hier!

Jens setzt sich zu Tobias. Schaut ihn von Kopf bis Fuß unverhohlen an.

JENS

Bist du auch andersrum?

TOBIAS

(zwinkert ihm zu) Rate mal…

Vale streckt seinen Finger, Claudio merkt auf der Handoberfläche einen tätowierten Hackenkreuz.

VALE

(herausfordernd zu Claudio) Alles was wir wollen ist Gerechtigkeit und Arbeit. Und hier gibt´s keine Arbeit, und keine Chancen, gegen keine Chancen kämpfen wir.

CLAUDIO

Schon gut, ich verstehe…

Jasmin sitzt am Feuer hält den Kopf von Günther auf ihrem Schoß, die Musik von Rammstein “ Mein Herz brennt” erklingt. Claudio schaut traurig ins Feuer, er hat gerötete Wangen, danebenliegen viele leere Bierflaschen. Claudio zieht an seiner Zigarette.

Jens und Tobias gehen leise an ihm vorbei. Er dreht nach ihnen den Kopf, sie verschwinden  im Schloss. Er nimmt hastig paar Züge, inhaliert den Rauch. Helga rutsch zu ihm. Claudio verschränkt die Arme von seiner Brust. Helga beugt sich zu ihm und flüstert.

HELGA

Du bist mein Beuteschema.

Claudio schaut erschrocken Helga ins Gesicht. Dann ins Feuer. Er richtet sich um aufzustehen. Helgas Hand zieht ihn runter. Claudio klappt auf den Po, verschränkt noch mal die Arme. Schaut zu Helga rüber. Helgas Kopf hängt traurig.

HELGA

(ohne Claudio anzuschauen) Schon gut, ich wollte dir keine Angst machen… Aber versuchen kann doch jeder, ok?

Claudio sitzt eine Weile starr da, dann nickt er. Sie sitzen beide still und schauen ins Feuer.

CLAUDIO

(seine Stimme zittert) Ich weiß nicht, wie ich das Ganze machen soll.

Helga nimmt einen Zweig, schmeißt ins Feuer. Der Zweig fängt schnell Flammen.

HELGA

Wir alle wissen es am Anfang nicht…. Wir helfen dir, du bist hier bei uns gut aufgehoben. Zuerst die Hormone, dann Antrag auf die Vornamensänderung, die Richterin kenne ich… dann die OP.

Claudio rutsch näher zu Helga.

CLAUDIO

Ich will nicht, dass mein…, meine Familie davon weiß.

HELGA

Wir werden es niemandem sagen. Es ist ein Tabu für uns. Jeder regelt das, wie er will.

CLAUDIO

Danke.

HELGA

Wofür?

Claudio steht auf.

CLAUDIO

(verlegen) Ich gehe mal, wegen Tobi, nachschauen.

Helga schaut zu Claudio hoch, sagt ernst:

HELGA

Danach gibt es keinen Weg zurück. Du wirst gehänselt, verprügelt, findest keinen Job, vielleicht keinen Partner, aber… es lohnt sich.

Claudio dreht sich von ihr weg, zuerst geht er langsam, dann rennt er die letzten Meter zum Schloss die Anhöhe hoch.

***
Aus Wikipedia – weißt jemand Besseres darüber, soll uns wissen lassen – Bitte!

Transmann (kurz „TM“) ist eine Bezeichnung für Transsexuelle und Transgender der Richtung Frau-zu-Mann
Transfrau (oder Kathoey) ist eine Bezeichnung für Transgender der Richtung Mann-zu-Frau.

Heute/Dziś
17 czerwca 1953 – pierwsze powstanie robotnicze w Bloku Wschodnim
Istniejąca niespełna cztery lata Niemiecka Republika Demokratyczna (NRD) przeżyła w czerwcu 1953 swój pierwszy wstrząs polityczny. Strajki, demonstracje i rozruchy w ponad 700 miejscowościach stłumiła Grupa Wojsk Radzieckich. Dzięki temu u władzy utrzymał się komunistyczny rząd Otto Grotewohla. Jednak Niemiecka Socjalistyczna Partia Jedności (SED) (…) poniosła ciężką porażkę polityczną. (Wikipedia: http://pl.wikipedia.org/wiki/Czerwiec_1953_-_powstanie_robotnicze)
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