Doru

Renata Borowczak-Nasseri: Doru (eine Radiosendung)

Musik

 Szene 1

Doru (erzählt):  Ich heiße Doru, bin 13 Jahre alt und komme aus Rumänien, deswegen nennten  mich alle  hier: „Dorumäne”. (Geräusche einer Großstadt-Straße, Autos fahren, hupen) Das hier ist meine Kreuzung.

(Geräusch- Autos bremsen)

Doru: Bitte, bitte, helfen bitte!

(eine Münze fällt klirrend in einen Plastikbecher, dann eine zweite und dritte)

Doru (erzählt): Am Anfang, als ich nach Deutschland gekommen bin, war ich sehr traurig, und habe meine Omi vermisst, aber jetzt finde ich es toll hier, weil ich jeden Tag bei Mc Donald esse!  Und immer, wenn ich ein bisschen traurig bin, schaue ich in meinen Taschenspiegel, welchen ich von meiner Omi bekommen habe, und gleich fühle ich mich besser. Da in dem Spiegel, wohnt mein Freund, er heißt auch Doru, so wie ich. Ich weiß, ihr denkt, dass ich doof bin, und in dem Spiegel mein eigenes Gesicht sehe. Aber ich weiß ganz genau, dass ich es nicht bin, weil immer wenn ich etwas klauen will im Supermarkt oder so, oder aber habe eine andere super coole Idee, schüttelt der Doru im Spiegel traurig den Kopf und verzieht sein Gesicht.

Erzähler:  Doru zückt aus seiner Hosentasche den Spiegel und produziert damit Lichtflecken auf einem aus Stahl und Glas gebauten Wolkenkratzer. Plötzlich blendet ihn die Sonne, die sich in der Glaswand des Hochhauses wiederspiegelt und Doru sieht vor seinen Augen sein Dorf in Rumänien, wie er auf einem gelben Fahrrad sitzend durch ein Kornfeld zu seiner Omi fährt. Die Ampel springt auf grün und die Autos fahren los. (Geräusche: Autos fahren, hupen)  Aber  Doru steht immer noch mitten auf der Kreuzung, sein Blick auf den Lichtfleck gerichtet. Wiktor, ein Geschäftsmann in Anzug und Krawatte, hat es heute sehr eilig. Sein Wagen fährt schnell auf die Kreuzung zu. Doru spielt mit seinem Taschenspiegel, ein Lichtfleck fällt auf Wiktors Gesicht und blendet ihn.

Geräusch: eine Bremsung, ein Reifenquietschen und ein Knall eines Körpers gegen die Karosserie eines Autos, 5 Sekunden Stille.

(laute Rufe)

Frau: Er ist überfahren worden, der Kleine oh, Gott! Hilfe! Polizei! Er hat den Jungen überfahren!

Mann: Ja, einer in Anzug und Krawatte. In einem grünen Nissan! Er hat den Jungen überfahren … und ist abgehauen!

Geräusch: die Sirene eines Krankenwagens.

Erzähler: Aus dem Krankenwagen kommt ein Arzt in weißem Kittel, bahnt sich den Weg durch die Menschenmenge. Doru liegt auf dem Asphalt, bewegt sich nicht.

Arzt: Gehen Sie zur Seite. Schwester, die Tragbahre! Schnell!

Erzähler: Doru wird vorsichtig auf die Bahre gehoben. Ein Polizist kommt, holt einen Notizblock heraus.

Polizist: Ich muss ein Protokoll aufsetzen. Wieder so ein kleiner Zigeuner, armes Ding!

Geräusch: die Bahre wird in einen Krankenwagen geschoben.

Arzt: Wir wissen nicht, ob er ein Roma ist.

Polizist: Wie alt mag er sein? Zehn?

Krankenschwester (kommt angerannt, keucht, aufgeregt): Herr Doktor, der Patient! Er ist nicht da, er lag gerade noch auf der Bahre und jetzt ist er verschwunden!

Arzt: Wie verschwunden?! Unmöglich! Er muss sofort ins Krankenhaus!

Musik wie oben (Ausblende)

Szene 2

Erzähler: Es ist vollkommen dunkel.

Geräusch: Tiefes Ein- und Ausatmen eines schlafenden Menschen, Schnarch -Geräusche, plötzlich ein Schmatzen, ein Rascheln

Wiktor: Oh mein Kopf, der tut höllisch weh.

Doru: Kein Wunder.

Wiktor: Ich fühle mich, als ob ich etwas gerammt hätte.

Doru: Ja, mich!

Wiktor (beunruhigt): Wer ist da?! Wo bin ich?

Doru: Bei dir zu Hause, im Schlafzimmer.

Geräusch: Rascheln, jemand versucht sich im Bett aufzurichten, vergeblich

Wiktor: Aber ich sehe nichts!

Doru: Dann, mach die Augen auf!

Erzähler: Wiktor macht langsam die Augen auf, zuerst das rechte Auge, dann das Linke, das Licht blendet ihn. Wiktor liegt auf einem Bett, in Schuhen, Krawatte und Anzug.  Doru sitzt auf Kopfhöhe hinter Wiktor, seine Beine sind fest um Wiktors Brust geklammert. Würde Wiktor aufstehen, würde Doru Huckepack auf seinen Schultern sitzen. Wiktor berührt Doru´ s Knie. (Geräusch: Doru kichert) Wiktor schreckt zurück.

Wiktor: Was ist das? Wer bist du?

Erzähler: Wiktor erhebt sich mühsam, auf seinem Rücken sitzt Doru. Wiktor streckt zögernd die Hand und berührt Doru´s Körper.

Doru: Hör auf, das kitzelt!

Erzähler: Wiktor schreckt wieder zusammen.

Wiktor (ängstlich, verwundert): Zum Teufel. Was geht hier ab!?

Doru (ruhig): Ich bin Doru, und werde auf deinen Schultern sitzen bist du meine Schwester gerettet hast! Sie ist in Ruslan´s Händen und er hat einen gefährlichen Hund und selber ist er auch ganz gefährlich. Du musst sie finden und zu Omi nach Rumänien bringen, (drohend) aber heil!… (traurig) Sie ist noch klein und jetzt… sie kommt alleine nicht zurecht!

FiveYearsGirlOnBeachInBlackSeaErzähler: Wiktor hüpft und reckt sich, versucht Doru abzuschütteln. Doru umklammert mit seinen Beinen fest Wiktors Brust.

Wiktor: Du, Kollege, runter mit dir! Verdammt! Was geht hier ab?!

Doru: Du musst Ouana retten, erst dann komme ich runter!

Wiktor (sauer): Das werden wir noch sehen! Warte mal! Ich werde dich abschütteln, wie… wie reife Pflaumen vom Baum!

Erzähler: Wiktor nimmt Anlauf und prallt mit dem Körper gegen die Wand.

(das Geräusch  des prallenden Körpers)

Wiktor: Au!

Doru: Du musst Ouana retten!

Wiktor:  Ouana, was ist das überhaupt für ein Name?

Erzähler: Wiktor nimmt noch mal Anlauf, plötzlich sieht er sein Spiegelbild in einem großen Spiegel an der Wand. Mit Erstaunen sieht er Doru auf seinem Rücken Huckepack sitzen, der Junge ist mager, schwarzhaarig, hat große abstehende Ohren und trägt sehr abgenutzte Tennisschuhe. Wiktor tritt verwundert an den Spiegel heran, seine Augen werden so groß wie Suppenteller.

Wiktor: Heiliger Strohsack!

Erzähler: Wiktor dreht sich schnell von seinem Spiegelbild ab.

Geräusch: Eine Tür fällt ins Schloss. Schritte – hochhackige Schuhe.

Anika: Hallo Liebling, bist du da? Beeile dich, sonst kommen wir zu spät zum Abendessen!

Wiktor (ängstlich): Das ist Anika, meine Freundin.

Erzähler: Wiktor versteckt sich hinter der Schlafzimmertür.

Doru: Keine Angst, sie kann mich nicht sehen. Außer Dir, können das nur sehr kleine Kinder, sonst niemand.

Musik wie oben (Ausblende)

 

Szene 3

Geräusche: Gespräche am Tisch, Geschirr klirrt.

Erzähler: Wiktor, seine Freundin Anika und ihre Freunde sitzen an einem festlich gedeckten Tisch, sie essen. Wiktor schafft es nicht gerade zu sitzen. Doru, der auf seinen Schultern sitzt, ist so schwer, dass Wiktor ab und zu von seinem Stuhl herunter gleitet.

Anika (zischt): Wiktor reiß dich zusammen, hast du zu viel getrunken?

Wiktor: Mir ist schlecht, ich muss auf die Toilette.

 

Szene 4

Geräusch: Toilette spülen.

Erzähler: Wiktor steht  im Bad. Mit zusammengekniffenen Augen betrachtet er Doru im Spiegel. Doru ist müde.

Geräusch: Doru gähnt.

Wiktor: Das ist unmöglich, das ist nicht wahr.

Doru: Doch, doch.

Wiktor: Ich bin verrückt geworden oder ich träume.

Doru: Hör doch auf, du bist Puddel-Wach.

Wiktor: Wie ist das mit dir? (Pause) Lebst du, oder nicht?

Doru: Du hast mich überfahren, also bin ich tot.

Wiktor: Wie kannst du dir so sicher sein? Du redest doch mit mir.

Doru: Ich glaube, ich bin tot, weil Ruslan mich noch nicht gefunden hat.

Wiktor: Ruslan? Wer zum Kuckuck ist Ruslan?

Doru: Er findet immer einen. (Doru lacht auf) Ruslan ist doof, er dachte Stettin liegt in Deutschland, und jedes Schulkind weiß doch, dass es in Polen ist. Und außerdem esse ich jeden Tag mit Ouana bei Mc Donald und er merkt das nicht! Mein Vater hat Geld von ihm bekommen für mich und meine Schwester und ich sollte hier arbeiten, mir ein gelbes Fahrrad kaufen und einen Pulli mit Käseausschnitt und  neue Schuhe… Ich stehe auf Adidas, weißt du. Und da du mich überfahren hast, wird wohl nichts aus meiner Karriere.

Wiktor: Ich wollte dich nicht überfahren, das war ein Unfall. Hörst du? Das wollte ich nicht. Du hast mitten auf der Straße gestanden.

Doru:  Und du bist zu schnell gefahren. Na gut, vergessen wir das. Das wichtigste ist: du musst meine Schwester retten. Ruslan hat Ouana, er ist… Er wird sie schlagen, wie mich, und andere Kids. Ich bin erwachsen und mir macht es nichts aus, aber sie ist klein! Sie kommt alleine nicht zurecht. Du wirst sie zu Omi nach Rumänien bringen.

Wiktor:  Ich habe keine Zeit für so was. Ich habe einen Job, muss arbeiten! Außerdem was geht mich das Ganze an? Komm runter! Sonst schüttle ich dich selber ab.

Doru (ruhig): Versuch mal.

Geräusch: Ein Klopfen an der Tür.

Anita (durch die Tür): Wiktor, geht´s dir gut? Lass den Unsinn, komm da raus, sofort!

Doru-Fortsetzung


Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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Jedna odpowiedź na „Doru

  1. Anne Schmidt pisze:

    Davon sollte man einen Kurzfilm machen. Anne

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