Immer Montags: Der polnische Adel… (4)

Wir begannen vor drei Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” aber auch ggf. von “Staś” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war. “Janina” ist wiederum die ältere Schwester des Autors, die Malers Tochter. Und “Kubicka” ist die Mutter, Margarete Kubicka, ebenfalls eine Malerin.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Mycielski (3)

Das Schloß war zwar klein, besaß aber ein dazu unpassend mächtiges Vestibul, das durch beide Stockwerke verlief. Unten ging es nach links in den Eßraum und nach rechts in den Salon, in dem sich abends die Gesellschaft einfand, um Wichtiges und weniger Wichtiges zu beplaudern. Durch diesen Salon erreichte der Graf Wojciech seine Privaträume, bestehend aus einem Bad, einem Schlafraum mit Trainingsgeräten, z. B. einem Trockenruderer, und einem kleinen Vorraum. Das alles befand sich in dem häßlichen Anbau zur Rechten.

Im Vestibul wandt sich eine Treppe bis in den ersten Stock hinauf, wo zur Linken Gastzimmer waren und zur Rechten Kubicki sein Refugium hatte, ein Arbeits- und ein Schlafzimmer. Das Photo von 1995 zeigt – derzeit sozialistisch verkommen – Wojciechs häßlichen Anbau und die Fenster zu Vaters Räumen. Ich schlief im vorderen Gemach.

Unten, ganz rechts, ist noch das Fenster angeschnitten, an das ich – wie später genauer zu berichten sein wird – für den Grafen Wojciech eine Fluchtleiter gestellt hatte.

wydawy--przybudowka-rys-kubickaZeichnug rechts: Die Kubicka hat die Hausecke aus etwas größerer Entfernung gezeichnet, wodurch noch eine Buche mit ins Bild kommt.

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Hinter dem Vestibul gab es einen Raum, durch den man das Schloß rückseitig verlassen konnte. Hier wurde beispielsweise das Essen warm gehalten, bis die Tafel eröffnet war. Selbstredend lag die Küche – allein schon der Gerüche wegen – außerhalb des Hauses.
Noch in den neunziger Jahren – als ich einmal Wydawy besuchte – erinnerte sich eine ehemalige Bediente, wie Graf Wojciech uns – Józiu und mir – Manieren beizubringen versuchte. Wir saßen beim Essen nebeneinander, und Józiu schubste und knuffte mich ständig, was ich nicht auf mir sitzen lassen wollte. Ich konterte. Es entstand ein Unruheherd am Tisch, bis Graf Wojciech eben jene damals junge Frau in die Bibliothek schickt, um vier Bücher zu holen. Die bekamen wir unter die Achseln geschoben und mußten nun mit angewinkelten Armen essen; die Bücher durften nicht runterfallen. Das half nachhaltig. Unsere Manieren besserten sich ein wenig.


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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