Immer Montags: Der polnische Adel… (6)

Wir begannen vor fünf Wochen und werden noch ein paar Montage Fragmente eines Texts von Stanislaw K. Kubicki lesen, gespickt mit Anekdoten und Familiengeschichten aus der Welt, die es nicht mehr gibt. Wenn im Text von “Kubicki” oder „Vater” die Rede ist, gemeint ist der Maler, der Autors Vater war.

Der Polnische Adel aus dem Blickwinkel eines 1936 10-jährigen deutschen Knirpses

Familie Niklewicz

Der Zufall wollte es, dass sich unweit Wydawys Verwandte des Vaters auf einem Gut namens Potrzebowo niedergelassen hatten.

wydawy-mapaDieser Ort – auf der nebenstehenden preußischen Karte noch als Neulaende vermerkt – liegt von Wydawy aus Richtung Bojanowo nur wenige Kilometer entfernt. Dort besuchten wir also einige Male Onkel Stefan Niklewicz und seine Frau Helena. Dieser Familienstrang war seit 1410 – seit der Schlacht bei Tannenberg – adlig, aber doch zu gering und unbedeutend, um irgendeine wichtige Rolle im polnischen Adelsleben zu spielen.

onkel-tante

Onkel Stefan und Tante Helena mit Edek und Halina

niklewiczdwor1Onkel Stefan war etwas derb, interessierte sich verständlicher Weise nicht sonderlich für mich, und ich entwickelte meinerseits keine Sympathien für ihn. Aber Tante Helena, eine Kusine über einen weiteren Familienstrang des Vaters, war eine herzensgute Frau. Sie hatten zwei Kinder, Edek und Halina. Beide studierten auf der Universität in Posen irgendwas, waren also deutlich älter als ich, aber durch mir unverständliche Verschiebungen in den Familiensträngen dennoch Neffe und Nichte von mir. Damit war eigentlich Onkel Stefan auch irgendwie mein Vetter, was nun gar nicht mehr nachvollziebar war, ohne verrückt zu werden.

Das Herrenhaus von Potrzebowo – Rückseite mit Treppe, Teich; unten – Frontseite.

niklewiczdwor2Potrzebowo war etwa 1.200 Morgen groß. Das Herrenhaus war geräumig, aber architektonisch nicht viel mehr als ein Kasten, wäre da nicht das säulengetragene Portal mit Altan gewesen. Das Ganze war solide gebaut und steht noch heute, inzwischen ebenfalls durch den Sozialismus kräftig verwahrlost. Hinten gab es eine Terrasse mit einer breiten, elfstufigen Trep­pe, hinunter zu einem kleinen See mit Brücke.

Tante Helena war eine erstklassige Köchin und zeigte mir im Keller, wie man wundervolles Erdbeereis bereiten kann. Begriffen habe ich es bis heute nicht, wie sie durch Rühren Kälte erzeugen konnte, aber geschmeckt hat das ungemein.

Nach drei Tagen wurden wir – schon spät abends – von Wydawy aus mit der Kutsche wieder abgeholte. Die Pferde trabten – auf der Straße von Bojanowo nach Poniec – wie von selbst dem heimatlichen Stall zu. Und mir blieben unvergessen, wie Tausende von Leuchtkäfer uns begleiteten und ständig erregt blinkten. Es war enorm romantisch.

Fortsetzung am nächsten Montag


Frühere Bezüge auf diese Erinnerungen befinden sich in den Publikationen von Lidia Głuchowska:

1. Avantgarde und Liebe. Margarete und Stanislaw Kubicki 1910-1945. Gebr.-Mann Verlag. Berlin 2007
2. (Trans)regionalne uniwersum. „Rodzinna Europa” i Paneuropa – arystokracja i awangarda = (Trans)regionales Universum. „Familie Europa” und Paneuropa – Aristokratie und Avantgarde. Pro Libris 2 (31) (2010), S. 6-12.
3. Worek cukru, czyli o awangardzie i nie tylko artystycznych cudach współpracy polsko-niemieckiej = Ein Sack Zucker. Über die Avantgarde und die nicht nur künstlerischen Wunder der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Pro Libris 3 (28) (2009), S. 70-81.

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