Dederonin

Dieser Text hat schon ein paar Jahre, wurde aber nie veröffentlicht. Höchste Zeit also…

Ausländer aller Länder vereinigt Euch!
VIKTORIA KORB

DIE DEDERONIN IM ABSURDISTAN

Man kann nicht das ganze Leben in einem Condom verbringen, wie man gehofft hat. Weder im Ospen noch im Wespenland. Nicht mal das Schicksal der Wossis ist „vorprogrammiert“.
Jetzt müssen sogar Apo-Opas ihre Chaos-, Flirt- und Orgasmusschulen verlassen. Man hat nicht mal mehr Zeit für`s Couching beim Psychiater – der Schweißfaktor wächst, die Wende-Hälse haben sich dem Konkurrenzkampf angeschlossen. Opa nach Europa! Polen-Allergie greift um sich. Was tun mit den weißen Negern? Neues Deutschland. Aber man muss eine bestimmte Mitbringekapazität mitbringen. Das Arbeitsamt ruft – ein Programm der Arbeitslosenbekämpfung läuft an.
Sie drücken die Schulbank, zusammen mit einem grünen Türken aus Kreuzbergistan, der nicht mehr Berliner Kebab und anderes Kochgut nach Senatsvorschrift grillen will, obwohl die Ost-Kuh hoffentlich kein BSE hat. Neben ihnen als Frauen getarnte biologische Mannekins. Ist diese Gestalt hier ein als Frau verkleideter Mann oder eine als Frau verkleidete Frau? Aber unter ihnen, oh Wunder, auch eine Frau weiblichen Geschlechts. Die Dederonin teilt das Klassenzimmer mit Yuppie-Puppen, Atrappen der Menschen, ausgestopften Anzügen.
Puritanische Singles und Komputerwitwen unter sich. Man braucht nicht mal eine Anti-Sex-Liga oder Islamvorschriften, damit Ruhe herrscht. Wenn überhaupt, gibt es sterilen Micky-Maus-Sex mit Kondomen und Socken an, der oft auch mit der Dusche verwechselt wird.
Neurosenkavaliere, Vereinigung der Papieris, künftige Papiertiger.
Auch die Sozialistische Prinzessin aus Brandenburg ackert an den modernen Glaskugeln. Sie hat keine Angst mehr, die Maus in die Hand zu nehmen. Sie zieht jeden Tag ihren Panzer an und fährt mit der S-Bahn zur Schule. Dort kann sie sich im Internat vernetzen und digitalisieren. Nur ab und zu sagt der empörte Lehrer: „Aber Frau Schmidt, hier fehlt doch der Abstand nach dem Punkt!“
Sie wurde zum Mitglied der Fließbandgesellschaft mit einem Computerchip im Hirn. Auch wurde sie in den Marktstamm und in die Stressgemeinschaft aufgenommen. La deutsche Vita. Teutonik schlägt durch. Sie weiß, wann man Papiere in einer Plastikhülle verschicken soll und wann ohne. Sie weiß, wo was piepst. Sie verwöhnt sich mit dem Desodorant Marke German Sweat, trinkt Prosecco, den König der Weine und isst köstliche alternative Eier. Sie ist psychischen Verkaufsvampiren zum Opfer gefallen.
Jetzt ist auch sie Sklavin des mit Müll überfüllten Briefkastens.
Sie hat schon alles bundesweit im Kopf, sie kennt die Verbonnung und bald wird sie zum Staatsburger der BeBra.
Sie hat die Coca-Colonisierung überstanden, nur ihre Kunstblume ist eingegangen, trotz sorgfältigen Gießens. Oder gerade deswegen – zu spät hat sie bemerkt, dass sie aus Plastikstoff war.
Blume, Tier und Mensch als Störfaktor.
Aber „geh doch nach Drüben“ kann man ihr nicht mehr sagen,
„Drüben“ ist verschwunden. Nur ab und zu kommt die Ostalgie.
Aber die strenge, gnadenlose Buba, die BUndesBAnk, regiert das vereinigte Land. Von Stasiland zu Absurdistan. Sie liest, dass Mielke unter STASI-Verdacht steht. Berliner Amok häuft sich. Die Zeit der roten Grütze ist vorbei und die Dederonin muss am Rattenwettbewerb mit elektronischen Ellbögen teilnehmen.
Pre-feriale Hysterie abwechselnd mit toter Hose-Zeit der Ferien. Die Rucksack-Berliner fahren hektisch herum auf Rollenskatern und simulieren stürmische Aktivitäten.
Das ganze Jahr in wenige Monate eingepresst – Mein Krampf.
Die Kreis-Säge der Zeit dreht sich.
Deutsche Frau trägt wieder Zöpfe, sagen die Regenbogenblätter.
Nekrofilosemitismus blüht im Neuen Deutschland – wie schön und einfach ist es, tote Juden zu lieben. Ein guter Jude ist ein toter Jude. Die Flucht nach hinten hilft gegen die Zeit.
Ach dieses Hotel Adlon, ach die Comedian Harmonists, ach diese Klezmermusik, ach diese Hinterhöfe, Synagogen, ach diese umgebrachte Kultur, ach diese Wissenschaftler, die für Deutschland Nobelpreise ansammelten…
Mit den Lebenden ist es unendlich schwieriger. Die gibt es aber Gott sei Dank kaum – keine Luftmenschen mehr da.
Aber die Zeitbombe tickt – sie kommen doch aus Russland…
Ach diese Stättle, die sie nicht wollen… Ach diese Bomben vor den Gemeinden…
Die braune Soße kocht. „Ausländer raus aus Deutschland“ – „Deutsche raus aus Deutschland“, antwortet ein anderes Graffiti…
Es ist nicht wahr, dass die Deutschen ausländerfeindlich sind, sie sind untereinander auch so, sagt ein Andersrassiger.
Der Klassenkampf tobt wieder und die rote Socke wird zur weißen Weste des Moralisten oder zur weißen Socke des Unternehmers.
Stasigysi, Gysistasi, Stasigysi, Gysistasi singt das Fernsehen monoton zum Einschlafen abwechselnd mit der „Steuerreform“.
Das Rad der Geschichte dreht sich. Gestern war Jelzin in gefeierter Demokrat, der das Parlament stürmte, heute ist es umgekehrt. Oder doch nicht? Gestern begangen die Serben Brutalitäten gegen Moslems, unsere Verbündeten, und heute ist es umgekehrt. Oder doch nicht? Wie wurde es gerade im Fernsehen verkündet? Uran hilft allen.
Die Nachgeborenen von Hitler und Stalin regieren in Europa. Wie soll es denn aussehen?
Wir schützen Arbeitsplätze vor Ausländern. Aber vielleicht brauchen wir sie bald, damit sie unsere Renten zahlen?
Und je rauher die Sitten, umso herzlicher die Einladungen. Neuerdings gibt es nur noch „herzliche Einladungen“.

Ich lade in den Wald ein:
Ein deutscher Wald
und dadrinnen:
Deutsches Gras
Deutsche Eichen
Deutsches Moos
Deutsche Eichhörnchen
Deutsche Hirsche
und Deutsche Spinnen.
Deutsche Ameisen und ihre Haufen.
Und unser großer, Deutscher Scheißhaufen.

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Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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2 odpowiedzi na „Dederonin

  1. Anne Schmidt pisze:

    habe mit tarek gesprochen. überlege, wie ich asylanten in hl.kreuz helfen kann. morgen ist der garten rosenduft geöffnet, fahr mal hin zu den flüchtlingsfrauen. anne p.s. habe nicht alles verstanden.

  2. ewamaria2013 pisze:

    Na ja, persönliche Sicht der Autorin halt 🙂

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