Meine Ferien

Dorota Cygan

Kreatives Schreiben für die Grundstufe Deutsch

Es gibt kaum etwas, was die Schüler mehr anödet als die Aufforderung: Erzählen Sie mal, was Sie in den Ferien gemacht haben. Damit bringt man sie am besten zum Schweigen, wenn die Gruppendynamik gerade aus dem Ruder läuft. Oder sie rächen sich: erzählen drauf los, benutzen  aber ausschließlich abgedroschene Phrasen, die sie irgendwann  in ihrer Lernbiografie aufgeschnappt haben und jetzt den Lehrer damit bestrafen. Dieser kann dann zum Gegenschlag ausholen und seine Sado-Maso-Veranlagung mit dem Argument untermauern, eine Fremdsprache sei nur durch Wiederholungen zu erlernen. Wenn aber ein verschämtes Stottern die Antwort darauf ist, hat der Lehrer einen Pyrrhussieg davongetragen und muss sich nun mitquälen.

Aus der Erfahrung gesprochen? Ja, richtig erkannt! In dem Moment, als ich dachte „was für ein Teufel hat mich geritten, diese dämliche Frage als Appetizer zu stellen, und das auch noch den sprechfaulen und phantasielosen Ingenieuren?!“, kam der mitleidige Engel vorbei und zischte: „Pass auf, Ingenieure brauchen doch Werkzeuge, Instrumente, verstehst du? Gib ihnen was Greifbares, woran sie sich lang hangeln können“.

Ich ließ sie alle jeweils sechs verschiedene Substantive auf einzelnen Zetteln  aufschreiben, die Zetteln gut in der Gruppe mischen und dann jeden wahllos sechs Wörter ziehen. Diese sollten in ihren Berichten unbedingt vorkommen (in Singular- oder Pluralform). Und während sie erzählten, zeichnete ich ihre ‚erzählten Strukturen‘ an die Tafel in Form eines Diagramms (sind ja Ingenieure!). Nicht gerade unwillig, nur etwas erstaunt, dass darin überhaupt Strukturen zu erkennen waren, protestierten sie dann nicht, als sie anschließend das Erzählte zu Papier bringen sollten.

Schaut Euch die Ergebnisse nach gemeinsamer Korrektur an. Wenn ich mir das angucke, könnte ich fast glauben, ich hätte mal Wladimir Kaminer höchstpersönlich unterrichtet. In diesem Sinne: Greif zur Feder, Sprachschüler!

Meine Ferien. Igor

Die Ferien. Ja… Na, was kann man schon in der vorlesungsfreien Zeit machen? Im Bett bleiben? Das war zunächst die beste Idee. Im Bett bleiben, nix machen und das Nichtstun genießen. Und nicht auf die Uhr schauen. Die Uhr am besten gleich wegschmeißen. Zumindest für ein paar Wochen.

Und dann kam langsam doch noch etwas: Ein paar Partys, drei oder vier, und am Ende noch der eigene interkulturelle Geburtstag in russisch-finnisch-litauischer Gesellschaft. Der lief echt gut. Wir wussten 5 Tage lang nicht, wie spät es eigentlich ist.

Zwischendurch kam noch so eine spontane Idee, nach Groningen zu fahren. Als kleiner Höhepunkt. Dieser war aber eher enttäuschend: Eine klitzekleine Kleinstadt mit doppelt oder vierfach so vielen Fahrrädern wie in ganz Oldenburg! Irgendwie Interessant, aber auch lästig.

Der Höhepunkt kam erst danach: Ein Ausflug nach Amsterdam! Die beste Stadt in der ganzen Region, richtig aufregend! Mhm… Amsterdam, Amsterdam… Was kann man wohl dort machen…?

Ja, wir haben zunächst das Museum von Van Gogh besucht, nicht wirklich spannend, nein. Dann gleich anschließend noch das Rembrandt-Museum. Das war Klasse! Alter Meister, richtig beeindruckend! Rembrandt KONNTE malen, kann man sagen.

Und dann kam ein spontaner Spaziergang. Und mittendrin die spontane Idee, in ein argentinisches Restaurant zu gehen. Die Kellner waren alles echte Argentinier. Wir haben uns gut und lange unterhalten. In welcher Sprache denn? Natürlich auf Russisch! Es gibt nicht Authentischeres als echte russischsprechende Argentinier in einem schicken Amsterdamer Restaurant. Das müsst ihr mir glauben.

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Mein Ferienausflug. Michail

Die beste Idee für coole und gelungene Ferien ist, wenn man sie zusammen mit seinen Eltern verbringt… Mhm…

Wir starteten von zwei verschiedenen Punkten aus. Ich fuhr von Oldenburg los, meine Eltern von München.

Und wir wollten am gleichen Tag in Amsterdam ankommen und uns treffen.

Meine Eltern fuhren über D …, E …, X …. und weiß Gott noch was, dann machten sie noch eine Station in XY… und anschließend in XLL. Und was machte ich in dieser Zeit? ich fuhr gemütlich von Oldenburg los, alles mit der Ruhe. Während sie 10 Städte unterwegs sahen, hatte ich eine ruhige Tour, einfache Fahrt ohne Umsteigen – um langsam aber sicher am Ziel anzukommen.

Mhm… Was alles hier so kostet… – interessant: Eine Busfahrt… Euro, das Hering-Essen im Fischrestaurant… Euro, Museen… Euro, na ja, Brillanten in der Brillanten-Fabrik sind schon mal teurer gewesen, wenn ich mich erinnere, dann Kiffen… Euro und der sonstige Spaß auch nicht viel weniger.

Amsterdam ist echt spannend. Aber irgendwann musste ich ja wieder nach Oldenburg.

Meine Eltern aber doch nicht!! Die sind richtig auf den Geschmack gekommen. Es hat ihnen offenbar Spaß gemacht, mit mir z.B. Museen in Amsterdam zu besichtigen. Was denken Sie…?

Wenn ich mir überlege, was meine coolen Eltern anschließend allein ohne mich in Amsterdam gemacht haben, bin ich nicht ganz sicher, ob sie nur Heringe gegessen haben… Jedenfalls schweigen sie sich darüber aus, was ihnen sonst so geschmeckt hatte.

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 Meine Ferien. Julia

Wenn man die Ferien so dicht an der holländischen Grenze verbringt, fällt einem spontan als Reiseziel natürlich… was? Na, Amsterdam… mhm. Na klar, was sonst?

Ich fing mit dem Wichtigsten an… Ja, richtig, mit den Sehenswürdigkeiten. Eine nach der anderen habe ich alle ganz brav abgehackt. Bis ich fast alles gesehen habe, wie eine japanische Touristin.

Dann schaute ich um mich herum… Es gibt ja auch Menschen hier! Und die sind auch ein wenig anders als das, was ich mir so als „normal“ vorstelle…

Im Straßenbild sind zum Beispiel bekiffte Leute zu sehen, recht viele, jung und alt, Männer und Frauen, alles gleichberechtigt. Man geht weiter, schaut sich um und traut den eigenen Augen nicht: Jeder zweite oder jeder Dritte hat eine etwas andere Körpersprache – sehr wahrscheinlich auch eine andere sexuelle Orientierung. Diese wichtige interkulturelle Erfahrung ist für Russen schon etwas ungewöhnlich, muss ich zugeben.

Dann geht man weiter und hat einen neuen Höhepunkt: Ein Rotlichtviertel, für Frauen schon eine grenzwertige Erfahrung. Muss man aber auch gesehen haben. Oder nicht unbedingt, weiß ich nicht…

Was könnte wohl der Gipfel dieses Kulturschocks sein? Bekiffte Hunde und Katzen? Na, ja. Wir in Russland sind schon etwas konservativer.

Was Amsterdam angeht, bin ich jedenfalls sicher: ich fahre… bald wieder hin!

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Meine Fahrt in die Ferien. Noemi.

Die Ferienfahrt führte mich… na wohin denn? Nach Hause natürlich. Ich wollte nach 5 Monaten in Deutschland nicht noch mehr neue Leute kennenlernen, sondern die alten Freunde wiedersehen. Das ist verständlich, oder?

Ich nahm den Wagen 1. Klasse natürlich, obwohl ich nur ein Regionalticket hatte. Und es passierte… gar nichts, die Schaffner merkten das nicht oder wollten es nicht bemerken. Erste Klasse war schön bequem und elegant. Alles ganz steril, auch der Mann mir gegenüber: schicker Anzug, blaues Hemd, vielleicht ein Banker. Er arbeitete die ganze Zeit an seinem Laptop, war sehr beschäftigt. Wir haben nur ein paar Worte auf Englisch gewechselt. In Osnabrück sagten wir uns nur kurz Tschüss und das war es. Ich wollte ja auch niemanden kennenlernen…

Beim Bustransfer zum Flughafen sah ich den Mann wieder. Aber er schien mich nicht zu bemerken, war sehr in Eile. Nach 2 Stunden Wartezeit auf dem Flughafen ging es weiter. Als ich in der Maschine saß, setzte sich plötzlich ein nervöser Mann neben mich. Dreimal dürfen Sie raten, wer das war: Natürlich der Geschäftsmann aus dem Zug. Na, jetzt hat auch er mich bemerkt – nicht sofort aber, erst vielleicht auf halber Strecke.

Er blieb weiterhin so distanziert. In Klausenburg, wo wir ausstiegen, sagten wir auch nur kurzes Tschüss. Na, ja, ist klar, ich wollte ja niemanden kennenlernen…

Irgendwann, nach der langen Heimreise, bin ich wirklich heimgekommen. Gleich in den nächsten Tagen verabredete ich mich mit meiner besten Freundin in einem Restaurant. Sie wollte mit ihrem neuen Freund kommen. Den kannte ich noch nicht, denn ich war lange in Deutschland.

Als die beiden kamen, musste ich innerlich lachen. Der unbekannte Freund meiner Freundin war… mir mittlerweile ein bisschen bekannt… Jedenfalls könnte ich genauestens sagen, wie seine Heimreise war und was er unterwegs gemacht hatte. Eine kleine Welt, oder?

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