Viktoria Korb, Tod…

viki-todViktoria Korb
“Tod eines Friedensforschers”
ein politischer Krimiroman, 2. Ausgabe
soeben erschienen

(…)

Mittlerweile stank es zum Himmel. Nicht nur im Garten. Der Geruch kam eindeutig aus Adalberts Behausung. So entschied sich Hugo, die Polizei anzurufen und bat, jemanden zu schicken.
“Sie spinnen doch, mein Herr”, wehrte sich der Polizist, “das kommt einfach von diesem komischen Wetter. Wir haben so viele Überschwemmungen, dass sogar der Bundeskanzler sie als die größte Katastrophe seit der deutschen Wiedervereinigung bezeichnet.”
Wie recht er hat, dachte Hugo und hörte geduldig zu:
“Es ist ein warmer Märztag, vielleicht stinkt die Kanalisation, und es gibt halt unterschiedliche Gerüche. Es wäre was anderes, wenn ein Wagen vor ihrem Haus nicht vorschriftgemäß geparkt hätte.”
“Ach so?” wunderte sich Hugo.
“Aber ja, dann würden wir sofort zu ihnen eilen. Wirklich sofort – wissen Sie, Gefahr im Verzug. Aber wegen ein bisschen Geruch… Vielleicht kocht ihr Nachbar Eisbein?”
“Mein Nachbar von rechts ist fanatischer Vegetarier, und mein Nachbar zur Linken, Professor Donnemua, ist seit Wochen spurlos verschwunden. Daher ist dieser ätzende Gestank äußerst dubios.”
“Na ja, mein Herr, ein Professor, der sitzt bestimmt den ganzen Winter auf den Kanaren.”
“Mag schon sein, Herr Wachtmeister, aber seine Katzen miauen schon so laut, dass man es bis zu uns hört… Ich würde fast sagen, dass sie hungrig sein könnten.”
“Wegen der Katzen wenden Sie sich ans Tierheim Lankwitz oder an die Feuerwehr. Die sind zuständig.”
“Ich verlange als Steuerzahler, dass Sie sofort kommen, sonst wende ich mich an den Innensenator, den ich aus meiner Schulzeit kenne”, knurrte Hugo. “Versuchen Sie nicht mich einzuschüchtern. Ich bin nämlich auch Steuerzahler. Wir kommen gleich und werden die Sache polizeimäßig erfassen.”
Hugo hatte den Satz: “ Geh doch nach drüben” schon auf der Zunge, schaffte es aber doch sich zu beherrschen. Das konnte man nicht mehr sagen. “Drüben” war verschwunden, und zwar unwiderruflich. Ein Umland mit politischer Alternative gab es nicht mehr.

Den Polizisten gelang es, ihrer Übelkeit Herr zu werden, und sie brachen in das Haus des Professors ein. Hugo und Gundula folgten ihnen. Die Leiche von Adalbert Donnemua war dabei, an seinem Schreibtisch zu zerfließen. Rund um ihn miauten verzweifelte, bis auf die Knochen abgemagerte Katzen. Offensichtlich hatten sie aus Hungersnot schon an seinen Ohren geknabbert.
Hugo und Gundula übergaben sich, überließen alles andere der Polizei, flüchteten nach Hause und genehmigten sich erst mal zwei doppelte Cognacs.
Beim Verhör nahmen die Polizisten ihre Personalien auf und fragten, wann sie zuletzt Kontakt mit Adalbert Donnemua gehabt hatten. Gundula schloss die Augen, um sich besser zu konzentrieren:
“Vor sechs Wochen etwa. Da war er bei uns zum Abendessen.”
“War er mit Ihnen alleine?” erkundigte sich Inspektor Ramol.
“Nein. Das wäre die reinste Zeitverschwendung, den ganzen Abend einer einzigen Person zu widmen”, erklärte Hugo.
Ramol hob seine Augenbrauen, erstaunt über so viel Ehrlichkeit, und Hugo berichtete gelangweilt weiter:
“Es war die gleiche Gesellschaft wie letzte Woche. Leute, die immer zu unseren Essen kommen. Sie wissen schon – das übliche – der Anwalt, der Steuerberater, der Vermögensverwalter, der Arzt und der Apotheker, samt Gattinnen.”
“Stimmt nicht, unser Anwalt war ohne Frau, er ist nämlich geschieden. Und ansonsten war die Gesellschaft auch nicht identisch, denn unser Vermögensverwalter Hasso Schuja war diesmal verhindert, dafür war aber Gloria Kosz da. Mein Mann besteht manchmal darauf, sie einzuladen”, korrigierte Gundula triumphierend. “Ach ja, und Professor Udo Knarsch mit seiner Frau Rosalinda kamen hinzu. Und ein Freund von Adalbert, der Maler Claude Eckel.”
“Das ist mir zu kompliziert”, Inspektor Ramol kratzte sich am Kopf. “Nennen Sie also einfach alle, die beim vorvorigen Essen da waren. Diejenigen, die letztes Mal anwesend waren, sind doch nicht verdächtig, denn die Tat wurde schon vor längerer Zeit begangen.”
“Welche Tat?” rief Hugo entsetzt.
“Das weiß ich nicht genau, die Leiche wird noch untersucht. Aber Tatbestand ist, dass Professor Donnemua nun mal tot ist. Und wenn es einen Tatbestand gibt, dann gibt es auch eine Tat. Und wenn es eine Tat gibt, dann gibt es auch einen Täter, so sagt die kriminalistische Logik. Also wer war letztendlich beim vorletzten Essen anwesend, außer Donnemua?”
“Wie gesagt, unser Steuerberater Artur Nudnik mit Frau, unser Anwalt Knut Wegor, unser Vermögensverwalter Hasso Schuja, der meistens ohne Frau kommt, weil er hartnäckig an der Tradition des deutschen Stammtischs festhält.”
Gundula grinste aufmüpfig, hörte aber unter dem eisigen Blick des Inspektors bald auf. Sie konzentrierte sich wieder auf Hugo, der inzwischen fortfuhr: “Dann unser Arzt Doktor Balthasar von Kupke mit seiner Erdmuthe und der Apotheker von nebenan, Hajo Trawnicki mit Frau Gertrud, die allerdings niemand jemals bemerkt. Aber was spielt das schon für eine Rolle? Wenn es wirklich eine ‚Tat’ war, musste sie doch nicht sofort nach dem Essen verübt werden. Es könnte genauso gut Tage oder Wochen später passiert sein.”
“Sie haben aber Professor Donnemua seit diesem Tag nicht mehr gesehen?”
“Das stimmt, aber wir sind hier doch in Dahlem. Wir sind taktvoll und wollen unsere Ruhe haben”, sagte Gundula stolz und empört zugleich.
“Wie dem auch sei, es ist für uns notwendig, den Bekanntenkreis von Professor Donnemua zu durchleuchten, egal, wann die Tat begangen wurde”, stellte Inspektor Ramol fest und forschte weiter: “Hatte er eine Freundin?”
“Eigentlich nicht”, murmelte Hugo geniert.
“Wie meinen Sie?” hakte Ramol aggressiv nach.
Gundula versuchte ihren Gatten zu retten und wiederholte mit Nachdruck:
“Wir mischen uns ins Leben anderer nicht ein. Wir sind tolerant, verstehen Sie?”
“Ich verstehe”, atmete Ramol erleichtert auf, “Sie meinen, er war schwul?”
“So würde ich es fast bezeichnen”, sagte Hugo. “Aber wir möchten ihm keinen Schaden zufügen.”
“Wie könnten Sie ihm Schaden zufügen, wo er doch tot ist?” fragte der Inspektor erstaunt.
“Außerdem war er doch Professor an der PFUJ?”
“Ja”, bestätigte Hugo leicht verwirrt. “Was hat das damit zu tun?”
“An der PFUJ gilt es doch sogar als schick, ein Homo zu sein. Schwul ist cool. Die Umschwulung schreitet voran. Und erst recht, seit auch der Bürgermeister…”, Ramol biss sich auf die Zunge und beeilte sich mit der Zusicherung: “Und das ist auch gut so.”
Er wartete auf eine Reaktion von Hugo, die jedoch ausblieb, und fragte weiter: “Hatte Donnemua einen festen Freund?”
“Das interessierte mich nicht so richtig”, antwortete Hugo und schaute verschämt in die Ferne.
“Werden Sie endlich kooperieren?” bellte Ramol. “Es geht wahrscheinlich um einen Mord!” Hugo antwortete zögernd:
“Vielleicht diesen Maler Claude Eckel, der auch beim letzten Essen dabei war. Es war aber keine feste Beziehung. Adalbert bevorzugte eher frische Jungs vom Bahnhof Zoo. Eigentlich kann man sagen, Strichjungen. Ab und zu sah ich zufällig, wie sie morgens durch seinen Garten schlichen. Eine Zeitlang hatte er auch eine Affäre mit seinem Masseur, die ist aber schon lange vorbei.”
“Namen, Adressen”, schnauzte der Polizist. “Und wer ist diese Gloria?”
“Eine Ex-Polin, die Donnemua aus der Studentenzeit kannte.”
“Die werden wir uns vornehmen”, beschloss Ramol.

Hier noch eine Rezension zu der 1. Auflage – REZENSION-Tod-Friedensforscher – von Martin Sander in Deutschlandradio Kultur.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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Jedna odpowiedź na „Viktoria Korb, Tod…

  1. wordpress.com pisze:

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