Drei Könige und Die Aktion

Für Krzysztof zum Geburtstag

Heute ist der Tag der Heiligen Drei Könige. Das Bild unten, Erinnert euch im Winter an die Vogel oder Drei kleine Könige gehen zum Stall, stammt vom polnisch-tschechischen Maler, Wlastimil Hofman (1881 – 1970) und wurde erst 1956 gemalt. Nicht desto trotz ist es sehr typisch für den Jugendstil, in dem Hofman sein ganzes Leben malte  (http://muzeumsecesji.pl/galeria_pliki/hofman/hofman11.html)

3krolowieJetzt aber kehren wir zurück zu unserem Hauptthema: Weihnachten bei Avantgardisten. 1911

Dr. Lidia Głuchowska, unsere Fachfrau für Kunst überhaupt und für Kunst der Moderne und der Avantgarde insbesondere, stellt uns die Zeitschrift Die Aktion vor, eine von Franz Pfemfert von 1911 bis 1932 herausgegebene literarische und politische Zeitschrift, die dem Expressionismus zum Durchbruch verhalf und für eine undogmatische linke Politik stand. Die Aktion bereitete immer spezielle Weihnachtsseiten für jeweilige Dezemberausgabe vor. Mit viel moderner Graphik und Dichtung. Und, wie man sieht, viel Sinn für Prophezeiung.

1stronaHänget Baionetten an den Christbaum! (…) Für einen Tag, für zwei Tage geht die Kriegspolitik in Filzschuhen um die Welt. Friede auf Erden… Rings starrt die Welt in Waffen. Wir feiern unser Friedensfest mit geladenen Waffen. (…) brutales Unrecht, schamlose Gewalt und soziale Gewissenlosigkeit schreiten mit Siegergebärde durch die Laube. Kerker, Zuchthäuser, Galgen, Schafotte, Guilottinen, Kasernen, Kanonen, Bajonette, Polizei und Soldaten grüßen als Eckpfeiler einer göttlichen Weltordnung allüberall. Am Wege sterben Tausende…

Metaphern der Ungerechtigkeit. In drei Jahren werden sie schon die Realität. 2014 werden wir noch tausend Mal darüber erinnert und uns selber zum Erinnern erheben.

2stronaAuf der Seite 2 kommt ein Artikel von Chestel Zwi über „Weihnachtsjudentum” und ein anderer von Ferdinand Nürnberger über Gier des Papstums, betitelt „Eine Weihnachtslegende”.

Man fragt sich, was hier, in diesen zwei Artikel, kritischer ausfällt, das Auslachen der judüschen Assimilation, von den Gegner (laut Text) nicht ohne Grund „Heranschmeicheln” genannt oder die Kritik der habgieriegen Klerus der katholischen Kirche.

Es ist nicht so paradox und geschmacklos, unser Assimilationjudentum bringt es fertig! Oder: Im Gnademonat christlicher Liebe darf unsere Damenwelt der jüdischen Geldaristokratie niecht feiern.  Und darum feiert sie den ganzen Dezembermonat die fröhliche, selige, gnadenbringende Weihnachtszeit in so ausgiebieger Weise, dass ihr der Festestrubel jedes Gefühl dafür nimmt, wie gerne man auf sie verzichten würde, blechte sie nicht mit der Naivität solcher, die nicht sehen wollen, in braunen und blauen Scheinen für die Ehre „unter dem Protektorate Ihrer Kgl. Hoheit der Erbprinzessin von Soundso” – gedruckt zu stehen.

(…) die absonderliche Blüte der pseudojüdischer Assimilationssensucht erblüht unter den Kerzen des Weihnachtsbaumes. Geht am Heiligen Abend über den Kurfürstendamm, wo ihr die – nach Protzengeschmack – schönsten Weihnachtsbäume seht, da, des könnt ihr sicher sein, singen „Weihnnachtsjuden” das Lied von der stillen, heiligen Nacht!

Damit es aber gerechtig ausgeteilt wird, schreibt Nürnberger gleich nebenan über Rotte Korah, den Konkordatstürmer und über das Sammeln des Peterspfennige, dh. des Geldes fürs bezahlen der Watikansoldaten, über Steuer für Kriegszwecke, die Gefangene in Besserungshäuser von ihrem winzigen Lohn abgeben müssen…

Grüß Dich Gott, Statthalter, sagte der Knabe, ich bringe Dir meinen Peterspfennig. Aber sage, wozu brauchst du nur all diese Pfennige, he?
Um das Reich Christi zu verteidigen
Warum nicht gar! Der Menschen Sohn hatte nicht, wohin er sein Haupt legte, und soll sein Statthalter mehr haben? Mein Reich ist nicht von dieser Welt, sagte Christus.

Heute, hundert Jahre später, muss der Franziskus offensichtlich den Diskurs um das Haben und die Macht der Kirche, genauso führen wie der naive Knabe aus der Satire von Nürnberger.

Als Abschluss noch ein Gedicht aus der Dezember-Nummer in Die Aktion 1911:

René Schickele
Vorortballade

Um seine Villa beneidet der eine den anderen, um das Leuchten des Wannsees,
um seine Terrasse mit geflochtenen Stühlen, um das Segelboot „Ramses“.

Um seine Hühnerhöfe auch und den schattigen Garten,
wo er in vielen Nächten verdammt war zu warten,

bis eine Dame kam mit hellem Haar und dem Schlüssel zum Ausflug.
Ihr Haar fiel, und sie lachte leis, bis die erste Lerche im Tau schlug.

Nun aber möchte er Starkästen bauen, mit kleinen Hunden spielen,
dem Wetter vertrauen und im Schatten nach glitzernden Möwen zielen,

das Boot „Ramses“ besteigen, in Himmel und Wolken baden!
Vorallem aber wünschte er sehr, seine Freunde zum Essen zu laden

Wogegen der andre mit Schnaken kämpfte im schattigen Garten,
verdammt in vielen Nächten zu stehn und lange zu warten,

bis eine Dame käme, mit hellem Haar und dem Schlüssel zum Ausflug.
Ihr Haar fiel, und sie lachte leis, bis die erste Lerche im Tau schlug.

1910

3stronaWir werden noch ab und zu zum Thema Weihnachten bei Die Aktion zurückkommen. Es scheint, dass sich die aktuellen Themen gar nicht ändern.

Informacje o ewamaria2013

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2 odpowiedzi na „Drei Könige und Die Aktion

  1. Anne Schmidt pisze:

    so ist es. Was wohl Inge Deutschkron zu den Attacken auf die assimilierten Juden sagen würde? Zu den vergnügungssüchtigen Juden fallen mir Tante in "die Mittagsfrau" ein und die Mutter von Angelika Schrobsdorf in "die Mutter" Anne

  2. ewamaria2013 pisze:

    Na ja, das war vor 100 Jahren. Wie es wohl jetzt ist, sollen die Juden von heute einschätzen.

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