Reblog: Jetzt bin ich also Deutsch

Jetzt bin ich also deutsch

Beitrag ausgezeichnet mit dem Deutsch-Polnischen Journalistenpreis 2014

Warum entscheiden sich Menschen anderer Nationen für die deutsche Staatsbürgerschaft und wie fühlen sie sich mit der neuen Nationalität? Daniel Tkatch, 33, und Karolina Golimowska, 28, berichten von ihren Erfahrungen.

Daniel Tkatch

Ich hätte auf meinem Reisepass lieber einen Bären als den Bundesadler. Nicht den Bären von der Berliner Flagge – mit den roten Krallen, Zähnen und herausgestreckter Zunge –, sondern so einen patinagrünen, wie den kleinen bronzenen auf dem Mittelstreifen der A115 am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Dreilinden. Wie angenehm lässt es sich ihn doch grüßen, wenn ich Berlin verlasse oder hier wieder ankomme. Was stört mich eigentlich an dem armen Bundesadler? Ich gucke ihn an und muss dabei an meine russische Großmutter denken. In unserer Familiengeschichte hat im Zweiten Weltkrieg keiner unter den Deutschen direkt gelitten. Sie aber, die 1931 in einem Dorf in Inguschetien geboren wurde, musste als Kind vor der sich nähernden Kaukasusfront evakuiert werden, und ihr Vater wich dem Krieg aus, indem er sich seine rechte Handfläche mit einem Gewehr durchschoss. In meiner Erinnerung hat der Urgroßvater immer ein Taschentuch um die rechte Hand gewickelt. Meine Großmutter bemühte sich, mich zu einem weltoffenen Menschen zu erziehen: Feind ist mir jeder böse Mensch, jeder gute aber ist mir wie ein Bruder, und mag er auch ein Tschetschene oder gar ein Deutscher sein, hat sie ihren eigenen Großvater immer zitiert. Auch deshalb würde ich mich über mein Deutschwerden sehr gerne mit meiner Großmutter unterhalten. Leider war sie neun Jahre vor dem Frühling gestorben, in dem ich mir ein Retourflugticket nach Deutschland kaufte und die Rückflugkarte verfallen ließ. So muss ich mich dem Thema Adler allein stellen, und ich für meine Person finde ihn zu heraldisch, zu patriotisch.

Deutschsein. Fast lieber wäre es mir, ein europäischer Staatsbürger zu werden. So wäre ich von Anbeginn von der Idee eines jeden Nationalstaats befreit. Die „europäische Idee“ ließe für mich eine Identifikation mindestens oberflächlich leichter zu. (…)

Witerlesen hier: http://www.thegermansmagazine.com/jetzt-bin-ich-also-deutsch/

Daniel Tkatch wurde 1979 in Kasachstan geboren und wuchs in Israel auf. Er studierte Physik am Technion in Haifa sowie Kunstgeschichte und Philosophie an der FU Berlin. Neben seinem Studium in politischer Philosophie und Ästhetik an der KU Leuven ist er als Author und Redakteur u.a. für cafébabel, The European tätig.

Karolina Golimowska

(…)

Deutschland ist für mich vor allem Berlin. Hier habe ich studiert, von hier aus habe ich ein Stipendium nach London bekommen, hierhin kam ich zurück. Hier arbeite ich an meiner Promotion, hier sind meine Freunde, hier ist mein Leben. Berlin bedeutet Stuck an den Decken, große Parks, Frauen mit unrasierten Waden. Berlin ist Straßendemos und Flohmärkte, Ost-West-Kontraste, Sonntagsbrunchs und Weißweinschorle. Berlin ist Fahrrad, mein erster Job, mein erstes Geld, meine erste Mietwohnung. Berlin bedeutet auch die ersten Diskriminierungserfahrungen und kritischen Blicke auf Polen von außen. Und Berlin ist tolle Bäckereien und riesige Joghurtauswahl in den Supermärkten.

Berlin und Warschau verbindet ein Zug – der Berlin-Warszawa-Express. Er fährt zwischen meiner Kindheit und dem Erwachsensein hin und her, drei Mal am Tag, sieben Tage die Woche. (…)

Weiterlesen: http://www.thegermansmagazine.com/jetzt-bin-ich-also-deutsch-teil-2/

nagroda-karol-danielKarolina Golimowska, geboren 1985, wuchs in Warschau auf, studierte u.a. Anglistik und Neuere deutsche Literatur in Berlin und London. Sie arbeitet als Autorin und Journalistin und ist Doktorandin und Lehrbeauftragte am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Humboldt Universität zu Berlin.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
Ten wpis został opublikowany w kategorii Daniel Tkatch, Karolina Golimowska i oznaczony tagami , , , , . Dodaj zakładkę do bezpośredniego odnośnika.

Skomentuj

Wprowadź swoje dane lub kliknij jedną z tych ikon, aby się zalogować:

Logo WordPress.com

Komentujesz korzystając z konta WordPress.com. Log Out / Zmień )

Zdjęcie z Twittera

Komentujesz korzystając z konta Twitter. Log Out / Zmień )

Facebook photo

Komentujesz korzystając z konta Facebook. Log Out / Zmień )

Google+ photo

Komentujesz korzystając z konta Google+. Log Out / Zmień )

Connecting to %s