In Archiven und Museen (2)

Dorota Cygan

Marbach. Mal schnell in die Stadt und schon zurück im Archiv

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In diesem Turm wohnte kein Dichter, der wahnsinnig geworden ist (in welchem denn und wo dann?), die Leser dürfen ohne andächtiges Schweigen den Anblick genießen.

(Erklärung: die Autorin meinte den Dichter Friedrich Hörderlin, geb. 1770, gest. 1843, der wahnsinnig geworden ist und 35 Jahre in einem Turm in Tübingen verbrachte.)

Und drunter: Vielleicht klärt mich jemand auf, ob es der schwäbische Pragmatismus ist, Mauern in die Häuser zu integrieren – oder vielleicht eine weit verbreitete historische Baupraxis?

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Und schon wieder im Literaturarchiv.

Ich nehme an, dass diese Plastik darunter jedem sehr nahe steht, der schon mal mehrere Stunden und Tage hintereinander hier las und glaubte, die Augen würden ihm bald herausfallen. Dabei war es nur die Brille, die sich auf einmal verselbständigte und tanzte.

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Wahrscheinlich lag dem ein demokratisches Prinzip zugrunde: Jeder Mitarbeiter des Archivs sollte gleich viel Licht in seinem Büro haben und ins Grüne hinaus gucken. Wir Benutzer haben freilich immer das Gefühl, ALLE sehen uns, wenn wir wieder einmal zu spät ins Archiv kommen.

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LiMoLiteraturmuseum der Moderne im geheimnisvollen Nachtgewand. Würde man es jetzt indiskret lüpfen, wäre man Zeuge der höchst privaten, epochenübergreifenden Kontakte zwischen Schriftstellern, Kritikern, Objekten und allerlei „Ismen“. Das nenne ich eine Party!

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Oben und unten. Exklusive Fotos nur für Euch: Lesesaal von außen – das Fotoverbot (von innen) wird selbstverständlich eingehalten. Leser erzählen sich Anekdoten, wer alles schon beinahe eingeschlossen worden ist, weil er sich zwischen den Buchregalen festgelesen hatte und im letzten Augenblick bemerkt worden ist.

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marbachsordek3So nüchtern wie dieser Eingang wirkt auch der Handschriftenbereich (Tiefgeschoss). Damit ist sichergestellt, dass die Schönheit des Raumes (also die Form) nicht die Schönheit der Archivalien (also den Inhalt) überdeckt.

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Sancta sanctorum – Handschriftenlesesaal
Ich weiß selber nicht, warum ich mich in dem Fall der Wahrheit verpflichtet fühle und Euch das echte Foto vom Handschriftenlesesaal zeige. Ich könnte doch viel besser fabulieren: Den Handschriftenlesesaal erfüllt der Schein alter Möbel und alter Gegenstände, durch alte Fenster schimmert in der Sonne der alte Staub und die alten Archivare gehen am Stock und können sich noch detailliert an ihr letztes Gespräch mit Thomas Mann, nein, mit Franz Kafka erinnern… Nö. Warum sollt Ihr eigentlich die Sache weniger nüchtern sehen als ich? Das wäre ungerecht.

skarpetkischilleraUnd dort. Ja! Zum Beispiel Schillers Socken!
In der Kunstbibliothek in Berlin darf man viele alte Bücher nur mit weißen Handschuhen anfassen. In Schwaben gönnt man das eigentlich nur Schillers Socken. Gut so. Allerdings wäre der Anblick interessant: Benutzer tippen in weißen Handschuhen Briefe und Handschriften ab. Tradition und Modernität. Soll ich das vielleicht anregen?

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Hier wohnen wir alle – Schnüffler, Buchfetischisten und manische Literaturdeuter. Eingeschlossen in den Mönchszellen. Ihre schlichte, aber interessante Innenarchitektur folgt dem demokratischen Prinzip – auch übrigens die Platzierung der Gäste. Ich durfte vier Wochen lang meinen Lärm einem hochverdienten älteren Professor zumuten.

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Lemberger oder Trollinger – wenn es der Wein von hier sein sollte. Die Marbacher selbst trinken eher den edlen Italiener oder reden sich aus.

Prost!

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