Neujahr / Nowy rok

Ewa Maria Slaska

Eine Neujahrsgeschichte

Po polsku TU.

Vor zehn Jahren war ich zu Weihnachten und Silvester auf einer griechischen Insel. Fast allein. Das heißt, natürlich, die Griechen waren da, aber ich wohne in einem Haus für Schriftsteller und kannte Niemanden.

Bei einem Spaziergang gelang ich rein zufällig in ein Haus und in dem Haus in einen Saal aus dem ich die Leute gehört habe, die auf Deutsch sangen. Es war eine evangelische Gemeinde. Die Mitglieder waren meistens deutsche, englische oder holländische Ehefrauen. Die Ehemänner waren Griechen, griechisch-orthodox, die Ehefrauen evangelisch. Es gab einen Pastor, eine Frau Pastor und eine Aushilfepastorin. Gottesdienst zum Sonntag, Predigt zum Gottesdienst, Gott zum Predigt.

Sie haben mich zum Silvester eingeladen, ich habe es dankend angenommen.
Silvester in Griechenland ist kein grenzenloses Vergnügen, wie man es sich so leicht vorstellen möchte, wenn man bedenkt, dass die Griechen so gern tanzen. Sie tanzen zum Silvester gar nicht, sie spielen, um die Wette, um Geld zu gewinnen. Von kleinen Kindern bis zu senilen Omas im Schwarzkleid, alle spielen um das merkantile Glück für nächstes Jahr. Und sie essen Vasilopita, Kaiserkuchen.

Bei dem Pastor haben wir Mahjong gespielt und Vasilopita gab es auch. Es ist so ein Hefekuchen in dem ein Geldstück eingebacken wurde. Floris. Blümchen. Man teilt den Kuchen in so viel Teilen, wie viele Leute zum Party kommen, plus drei. Die drei Extras sind für Gott, für Jesus und für Maria. Wir waren dreizehn, ja, ja, dreizehn, der Kuchen wurde also in 16 Stücke aufgeteilt.

Der Pastor war der Kuchengeber. Er nahm die Teller nacheinander und legte ein Stück Vassilopita drauf. Den ersten Teller gab er mir. Nein, wehrte ich mich, der ist für Gott. Aber nein, der ist für dich. Wir sind doch keine Griechen. Ich nahm den Teller. Als schon alle ihre Teller bekommen haben, da blieben die drei Stück Kuchen auf der Kuchenplatte liegen. Die nehm´ ich für morgen für den Gottesdienst, sagte der Pastor und schob die Platte beiseite.

Wir prosteten uns zu mit einem Glas Wein und machten uns an die Vasilopita. Die Münze war in meinem Stück Kuchen, im ersten Biss. Alle waren neidisch. Ich war stolz. Es ist so selten, dass mir etwas Derartiges passiert. Vielleicht gar nie. Ich gewinne nie, ich bekomme keine unerwarteten Geschenke. Und diesmal bekam ich den Floris, den Glücksbringer, gleich in ersten Biss, in einem Stück Kuchen, das mir gar nicht zukommen sollte, sondern Gott.

Alle waren neidisch, alle dachten aber, dass es für mich so schön war, den Floris zu bekommen.

Es war gar nicht schön, aber ich brauchte Monate, um es zu verstehen. Materiell gesehen mit diesem Silvester begann das schlechteste Jahr meines Lebens. Mein Geld schwand und verschwand. Egal was ich tat, das Geld ging weg. Ich wurde betrogen und bestohlen, mir wurde das Geld nicht ausgezahlt, das ich verdient habe, mein Lohn wurde gekürzt, die Kürzung mit Prämie ersetzt, die Prämie eingestellt…
Ich nahm den Kuchen, der für Gott war, ich eignete mir dadurch die Münze, die Gott gehörte, und ich zahlte dafür sehr sehr bitter.

Der Pastor irrte sich. Wir sind Griechen. Wir sind alle Griechen. Es war nicht meine Schuld, der Gottesdiener hat mir den Gotteskuchen mit der Gottesmünze gegeben, und trotzdem musste ich dafür bezahlen. Ich brauchte weitere paar Jahre, um zu erkennen, dass ich daran doch die Schuld zu tragen habe. Ich wollte Gott seinen Kuchen nicht wegnehmen, aber ich nahm ihn. Ich weiß nicht, was ich anderes tun sollte, aber ich sollte mir etwas ausdenken. Ich nahm den Kuchen, den mir der Pastor anbot und die Gottesmünze brannte mir ein Riesenloch in meinem Geldbeutel. Objektive Tatsache, Und dies war meine Schuld.

Ich fuhr also nach Griechenland zum Ende des Jahres und zum Silvester klaute ich Gott die Glücksmünze. Ich dachte, der Klau ist die Krönung eines sehr guten Jahres. Es war ein gutes Jahr in meinem Leben. Ich habe eine neue Wohnung gefunden, eine schöne Wohnung. Eigentlich war es sogar besser, die schöne Wohnung hat mich gefunden. Ich habe einen wichtigen Preis bekommen, bei der Preisverleihung habe ich einen Mann kennen gelernt. So kam er in mein Leben, in meine neue, schöne Wohnung, ein Mann der das alles war, was ich in einem Mann immer suchte…

Der das alles war, nur nicht für mich. So einfach war es mit dem Glück. Die Liebe war nicht für mich und ich klaute Gott seine Glücksmünze.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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2 odpowiedzi na „Neujahr / Nowy rok

  1. Anne Schmidt pisze:

    eine traurige Geschichte, obwohl die S.-Feier sicher einzigartig war. Kannten wir uns damals schon?

    Auf dem Steg war es leider nicht so einsam u. leise wie ich erhofft hatte. Aber der Blick war fast so schön wie von deinem Balkon.

    Viel Glück im neuen Jahr

    Anne

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