Unser Fest

Aśka & Renka

Auf der Flucht vor Weihnachten hat Aśka (to nie ja, Joasia, to TA KATASTROFA AŚKA!!!) das wichtigste vergessen…

…um doch noch zu erzählen, wie Aśka und Renka den 24. Dezember verbracht haben, schickt Joasia UNSER FEST, als email, als doc, als odt, als pdf, und mit Foto noch dazu… (aber erst am 26. Dezember, als alle Tage schon von anderen Autoren belegt sind – Anm. EMS)

…und im sinne dieser christianischen Vergebung, wo Jesus heute doch 2 Tage alt ist, vergeben wir auch dieser Aśka? (unter uns gesagt ist Jesus schon nicht nur 11 Tage alt, sondern auch schon beschnitten, was die Kirche am Neujahr gefeiert hatte. Aber die Geschichte ist auch mit Verspätung schön und amüsant. Mit ihr geht unser Christmas-Zyklus vorerst zu Ende, es sei denn auch Dorota noch etwas schreibt. – Anm. EMS)

UNSER FEST

RENKA:        Na weil das war so: Aśka kommt nach Hause und schreit:

AŚKA:           „Du, Renka, Rachela, meine alte Mutter, ist einfach abgehaun nach Israel, und hat uns n Hunderter dagelassen, und an der Klagemauer betet sie jetzt, und die denkt noch, dass du hier so n Weihnachten für alle machst, nicht nur für deine Familie, sondern für meine dazu, weil du doch immer alles machst.“

Und RENKA leuchten die Augen:

RENKA:        Jesus, ein ganzer Hunderter in einem Stück, das hab ich seit ich lebe in diesem deutschen Lande, auf Augen nicht gesehen. Das ist doch ein Wunder, das grösste Wunder der Welt. Guck, der Hunderter ist grün! Und das hab ich nicht gewusst.

AŚKA:            Auf einmal wird Renka weiss wie die Wand, weil jetzt muss sie doch machen diese 13 Gerichte, so wie normal man das in der Heimat macht, zu Weihnachten

RENKA:        das ist doch Gottes Geburt und nicht irgend ein Furz.

AŚKA:            Weil Renka, die ist vom Dorf, wo die noch haben heilige Bilder auf allen Wänden, sogar im Flur hinter der Tür

RENKA:        und nur weil wir hier leben entschuldigt nicht, dass es keine 13 Gerichte gibt. Das ist doch ein Muss, weil als ich 12 war, da hab ich den Papst getroffen, live, als er damals in Polen war, und er, normal, hat mich auf die Stirn geküsst. Und meine Mutter hat mir verboten, die ganze Woche, diese Stirn zu waschen und alle wollten mich anfassen.

AŚKA:            Ee, Renka, lass locker, wir sind doch hier in diesem deutschen Lande, hier glaubt doch niemand an Gott, und an diesen dein Papst, an den glaubt hier nicht mal der hinkende Hund.

RENKA:        Du Aśka, lieber lästerst du nicht, sonst wächst dir ein Herpes auf der Zunge, du weißt doch nicht mal, wie er hieß, unser Papst, der hieß nämlich doch Karol Wojtyła, und sogar Du Aśka, du bist doch Polin, und denkst, der hieß mit Vornamen Johannes und mit Nachnamen Paul.

AŚKA:            Und Renka denkt schwer nach:

RENKA:        Aber Aśka, irgendwie Recht hast du, hier glaubt doch niemand an Gott.

AŚKA:           Und Renka fällt ein, die hat sich mal verlaufen, auf eine deutsche Messe.

RENKA:        Und dort standen drei Leute, in dieser riesigen Kirche, und singen konnte keiner davon. Und wie die mich hier jeden Tag beschimpfen als Katholikin, ständig muss ich ihnen beglaubigen, dass ich normal bin. Und wenn ich mich hübsch anziehe, weil ich in die Kirche gehe, fragen sie mich, ob ich heute Geburtstag hab.

AŚKA:            Und Renka nervt sich maximal:

RENKA:        Die sollen mich doch küssen, du weißt schon wo, und wenn ich diese 13 Gerichte mache, lachen die mich noch aus. Und daraufhin trifft Aśka ein Blitz der Erleuchtung:

AŚKA:            Hör zu, machen wir doch einfach ein jüdisches Fest, weil meine jüdische Familie die kommt bestimmt, und wenn wir nicht befriedigen die koschere Fraktion, kommt noch so n Dibbuk in uns, oder schlimmer… nimmt uns Rachela diesen wunderschön grünen Hunderter zurück.

RENKA:        Du Aśka, das hau du dir mit einem Gummihammer aus deinem Kopf, das ist doch Jesus Geburt, und wer war für die Juden Jesus? Na, normal, ein Betrüger. Und ausserdem, Aśka, sieh die Sache rational: so n Hunderter, der reicht nur für n Aldi, und nicht für so n koscheres Geschäft. Und Aśka verschluckt sich fast:

AŚKA:            Die Rachela lässt uns hier mit diesem einsamen Hunderter zurück und selber fliegt sie nach Israel? Soll die sich doch selber machen ihr koscheres Fest! SIE hat doch den orthodoxen Menopausentick, dass ihr unbeschnitten kommt keiner ins Haus. Und sieht sie ein Doppel-s, und im Deutschen gibt’s viel davon, die ganze Zeit denkt sie an die SS.

RENKA:        Und wir werden ganz trübsinnig und unsere Köpfe lassen sich hängen, weil gleich kommen diese unsere Gäste,

AŚKA            und was, sollen sie diesen grünen Hunderter essen?

RENKA:        Und aufeinmal springt Aśka fast unter die Decke:

AŚKA:            Du, Renka, ich hab, normal, eine Idee, aber welche: machen wir es so wie in diesem deutschen Land, im Sinne dieser ihrer Integration!

RENKA:        Was? Kaufen, kaufen, sich vollfressen und sich verstreiten, und dann noch so tun, als wäre alles Wunderglück – oh nein, mit mir nicht.

AŚKA:            Du Renka, Recht hast du, aber leise, unsere Wände haben doch Löcher, und wenn die hier dich hören, geben die mir nie Hartz IV.

RENKA:        Und in der Damaschkestrasse 24, verliert das Leben seinen Sinn,

AŚKA:            und beide wollen wir sterben,

RENKA:        und zwar sofort.

AŚKA:           Komm Renka, wir machen kein Fest, wir gehen schlafen, und wenn sie an die Tür klingeln, machen wir nicht auf, als wären wir in Polen oder tot.

Und Renka wird noch untröstlicher:

RENKA:        Und was? Sollen wir Rachela geben diesen wunder-grünen Hunderter zurück?

AŚKA:            Oh nein, nur über unsere Leichen. Weil wann sehen wir wieder so n grünen Hunderter in einem Stück?

RENKA:        Und plötzlich klingelt es an der Tür und schon kommen die Gäste:

AŚKA:            unser Moslem aus Bosnien, aufgebrezelt wie zum Impfen,

RENKA:        im Anzügchen a la Broz Tito, diesem Parteibonzen von den Jugos.

AŚKA:            Und dann, zum Ausgleich, der israelische Soldat,

RENKA:        voll und so schwankend, als geben die in dieser israelischen Armee zu enge Schuhe aus.

AŚKA:            Gleich danach, die langweiligeren Gäste, fünf nicht praktizierende Katholiken,

RENKA:        fett eingeflogen, total high, direkt aus Amsterdam.

AŚKA:            Und zum Ausgleich, dank Rachela, der angenähte Onkel Abraham,

RENKA:        wo Aśka den nie auf Augen gesehen hat.

AŚKA:            Und in dieser unserer Bude in der Damaschke 24, wurden plötzlich fünf Sprachen gesprochen,

RENKA:        normal, der Babelturm,

AŚKA:            nur ist nichts schlimmes daraus erwachsen.

RENKA:        Weil  wir habens noch mit dem Hunderter ins Aldi geschafft, und Renka hat schnell noch 200 Pieroggis geklebt

AŚKA:         und niemand hatte so tolle Weihnachten,

RENKA:     die besten in der Welt 

weihnachten bei renka und askaUnd sogar hat sich herausgestellt, was koscher ist: die Giraffe, ja, aber das Zebra schon nicht mehr, weil es Hufen hat.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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3 odpowiedzi na „Unser Fest

  1. Anne Schmidt pisze:

    Liebe Ewa,

    warum 13 Gerichte? Für jeden Apostel eines u. eines für Jesus oder den Überraschungsgast? Macho-Gesellschaft!!!!  Erste Stammtisch-Formation.

    Liebe Grüße

    Anne

    • ewamaria2013 pisze:

      Nein Anne, in der Tat – 12 Gerichte. Aśka und Renka machen sich über alles lustig, auch über die heiligen Regeln der Heiligabend in Polen. Un die 12 Gerichte ist eine alte heidnische Tradition, für jeden Monat des kommenden Neujahr – ein Gericht. Daher musste man von jedem gericht ein Bisschen essen, sonst blieb ein oder anderes Monat unglücklich. Die Apostel sind zufälligerweise (oder nicht zufällig) ebenso 12, weil es 12 Sternzeichen resp. 12 Monate im Jahr gibt. Macho-Gesellschaft? Nicht unbedingt, aber wenn auch ja, es sind alte Traditionen, aus der Zeiten als Gesellschaften patriarchalisch waren. Daran ist nicht zu ändern.
      Zur Möglichkeit, dass es doch, feministisch gesehen, 13 Sternzeichen bzw. 13 Monate im Monat gab, habe ich mich schon Mal geäußert: http://ewamaria030.blox.pl/2012/01/Wygrzebane-z-pamieci-Zbiegi-okolicznosci-1.html. Dies aber auf Polnisch. Mal sehen, vielleicht schreibe ich es Mal auch auf Deutsch.

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