Metropolinnen zwischen Hof und Küche

aska-renka-rfAśka & Reńka werden in ein paar Tage in der Regenbogenfabrik lesen. Und ich hoffe, ihr kommt alle hin, alle, vor allem aber die anderen Autoren dieses Blogs, weil ich somit so etwas wie einen Stammtisch oder ein Kaffekränzchen „meiner” Blogschreibern statuieren möchte.

Mehr über unsere Autorinnen HIER und darunter erste Folge vom osteuropäischen Irrwitz!

AŚKA & REŃKA

UNSER KICK

REŃKA: Na, zuerst müssen wir erklären, wie wir aussehen, weil das weiss doch noch niemand.

AŚKA: Reńka sieht aus wie ne Dame. Im Mantel, voll elegant, als würde sie am Sonntag spazieren gehen, und sie geht doch nur ins KIK und Aldi, und das wichtigste: sie raucht diese dünne weisse Kippe, den ganzen Weg lang. Und wenn sie ausgeht, zündet sie sich sofort die nächste an.

REŃKA: Und Aśka ist kleiner, und schwarz, weil ich bin blond, und so kann man uns auseinander halten. Und sie geht in dieser Bluse, die ich ihr gekauft habe, in der schwarzen, zum Joggen, wo sie die Nacht mit geschlafen hat, und jetzt geht sie damit. Scham. Einfach Scham.

AŚKA: Also, weil wir jeden Samstag zu KIK gehen. Und normal ist es so, dass wenn es dieses KIK nicht gäbe, wäre es ’n Schwanz und kein Samstag.

REŃKA: Weil in diesem KIK können sogar wir uns erlauben, uns was zu kaufen. Weil dort alles ein Euro kostet oder auch weniger.

AŚKA: Und alles das geschieht folgendermassen: Dass Reńka die Tasche auf die Schulter nimmt, und die Flaschen zum Abgeben,

REŃKA: und Aśka zieht hinter sich her diese Reisetasche auf Rädern. Wir sehen zusammen aus wie Weiber aus Russland, wenn wir durch die Damaschkestrasse zur Kreuzung gehen.

AŚKA: Na und auf dieser Kreuzung sind Autos wie Schwanz, aber wir hauen einfach durch,

REŃKA: und Aśka bleibt in der Mitte der Kreuzung stehen und streckt ihre Hand, und das soll uns vor diesen Autos bewahren, die auf uns zufahren.

AŚKA: Und Reńka denkt, dass einer von ihnen letztendlichst auf uns rauffährt, einfach so, aus Prinzip.

REŃKA: Na, wenn es uns schon nicht raufgefahren ist, gehen wir weiter und Aśka denkt darüber nach, laut natürlich, woher diese ganzen Autos kommen.

AŚKA: Weil wie ist es möglich, dass alle diese Menschen so ’n Auto haben und Kasse dafür. Und in Urlaub fahren sie auch noch. Aber Reńka winkt ab:

REŃKA: Ach was, weil das sind gar nicht ihre Autos, sondern auf Raten gekauft, und eigentlich sollten die Bankbesitzer damit fahren, und in Urlaub fahren sie schon – aber nach Polen – damit es billiger ist. Weißt du nicht mehr? Wir haben sie doch mit eigenen Augen gesehen als wir in der Heimat waren, da waren auf dem Zeltplatz nur Deutsche.

AŚKA: Und der einzige Pole, der sein Zelt neben uns aufgeschlagen hat,

REŃKA: wegen dem Patriotismus und damit er sich sicherer fühlt,

AŚKA: schrie morgens um 6 schon zu seiner Frau, wie hoch der Euro steht, und dass wenn es so weiter geht, kommen die Deutschen zu uns nach Polen Kartoffeln buddeln und nicht zum Baden.

REŃKA: Sein Wagen hat er extra an ein Baum gekettet,

AŚKA: mit einer Kette, dick, wie für ne Kuh.

REŃKA: Und dann ist keine Zeit mehr zum nachdenken, weil dann KIK schon vor uns auftaucht.

AŚKA: Und das ist ein Wunder, dieses KIK, ganz einfach, weil das Leben hätte absolut keinen Sinn ohne dieses KIK, an diesem Samstag. Aber es gibt Grundsätze: dass jede von uns nur eine Sache kaufen darf.

REŃKA: Und Aśka, natürlich, hält sich nie an diese Regeln, weil sie muss alles lagermässig haben, und so kauft sie zehn rosane Kerzen.

AŚKA: Und Reńka kauft Höschen. Weil sie hat ne Psychose auf Schlaf-Höschen, und muss viel davon haben, und am besten Boxer-Shorts, und aber männliche.

REŃKA: Wenn wir schon gehen aus diesem KIK, diese Strasse hoch, zum Aldi, träumen wir, was wir uns so kaufen würden, wenn wir verdienen würden.

AŚKA: Ein Vollidiot fährt vorbei und hupt. Und Reńka sagt:

REŃKA: ich werde nie einen Deutschen heiraten, die kaufen doch alles auf Raten. Weil früher da hat das polnische Mädel sich n Deutschen aufgerissen, und alle waren neidisch, weil sie ja reich war. Und jetzt können diese Polnischen Mädels sich voll schneiden. Weil sie lernt so n Deutschen kennen, und freut sich, dass sie bis zum Lebensende nichts mehr machen muss, nur die Nägel lackieren, und dann kommt sie hierher, guckt, und er Hartz IV.

AŚKA: Und jetzt, endlich, stehen wir in diesem Aldi. Und Reńka jammert, dass wir hier einkaufen,

REŃKA: und in Polen ist das Essen nicht nur billiger sondern auch noch viel besser, und während wir hier sind, kaufen die Deutschen uns in Polen alles aus.

AŚKA: Weil Reńka hat es selber gesehen, wie fünf so Deutsche, klassisch, kurze Haare und Brillen mit Goldrand, ganze Säcke voll aus Polen rausfuhren:

REŃKA: jede hatte an die zehn Stück Butter, Brote, Wurst, saure Gurken, und soviele Schmerztabletten, als hätten sie drei Apotheken aufgekauft.

REŃKA: Und Aśka sagt,

AŚKA: dass wir doch aber nicht so bekloppt sind, um zur Grenze zu fahren und zurück, am Samstag, zum Einkaufen. Das ist doch Quatsch.

REŃKA: Und dann ist keine Zeit mehr zum Nachdenken,

AŚKA: weil wir uns diesen Zeitschriften nähern, die wir natürlich nicht kaufen.

REŃKA: Aber wir müssen einen Moment vor ihnen stehen, weil Aśka mag es sich vorstellen, dass wenn sie morgens in die Küche kommt, und ich sitze am Tisch, dass ich so ne „TIMES“ lese, damit ich ihr erkläre, worum es nun geht, in dieser Welt. Und ich lese doch gar keine Zeitung, und schon gar nicht auf englisch.

AŚKA: Und Reńka sagt, sie kann unsere Lage auch ohne die Zeitung erklären, weil sie weiss genau, worum es geht.

REŃKA: Weil jetzt kaufen die Polen die ganze billige Erde auf, in diesem Mecklenburg-Vorpommern, weil dort sind alle sehr arm, und noch ärmer als in Polen, und habe ’n Haufen Skins. Na also kaufen die Polen das ganze Land auf, billig wie Borschtsch, und noch sagen sie, dass sie auf diese Weise unser altes slavisches Land zurück zu dem Mutterleib führen. Weil vor langer Zeit, waren dort überall Slaven und Schluss. Und Aśka will wissen, ob ich damit sagen will, dass Mecklenburg-Vorpommern früher Polen war,

AŚKA: und Reńka denkt nach und sagt:

REŃKA: Irgendwie schon.

AŚKA: Und wenn wir aus diesem Aldi rauskommen, dann müssen wir wieder an dem Kik vorbeigehen. Na und natürlich gehen wir wieder rein, weil wir können es uns nicht verwehren.

REŃKA: Und auf einmal gucke ich und Aśka hält mir ne Hose hin, aus Polyester, dass garantiert der Arsch drin schwitzt, und in der Farbe braun und in einer Farbnuance, die an Durchfall erinnert, und mit freudiger Miene verkündet sie mir,

AŚKA: dass diese Hose nur ein Euro kostet.

REŃKA: Also sag ich ihr sanft, dass die Hose ihr zu klein sein wird. Und sie mir daraufhin:

AŚKA: Na, das macht doch nix, das kann man doch heute kaufen und morgen wegschmeissen.

REŃKA: Und genau das ist es:

REŃKA
UND AŚKA: UNSER KICK.

aska_und_renka_rauchen_netzWeitere Folgen folgen🙂

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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