Metropolinnen zwischen Krieg und Küche

Heute lesen Aśka & Reńka in der Regenbogenfabrik. Und hier der zweite Text aus der Reihe Metropolinnen.

UNSER KRIEG

REŃKA: Na, weil das ist so:

AŚKA: Wir kommen immer überall zu spät, weil natürlich wir immer morgens in dieser unserer psychodelischen Küche rumsitzen.

REŃKA: Na und Kaffee kochen wir.

AŚKA: Reńka trinkt Saft,

REŃKA: und Aśka isst sogar Brote.

AŚKA: Und besonders wenn wir wohin rausgehen und nicht zuspät kommen sollen, kommt uns dieses Thema in den Kopf.

REŃKA: Und es ist sehr wichtig.

AŚKA: Weil es geht um Krieg.

REŃKA: Der wird doch bald ausbrechen, und man muss n Plan haben.

AŚKA: Also wir beide haben schon ausgearbeitet so n Plan. Und jetzt sind wir ruhig, weil wir wissen, dass wir diesen Krieg überleben.

REŃKA: Die Rollenverteilung wird so:

AŚKA: Also Reńka kann nähen, und überhaupt was kochen, und dazu noch kann sie irgend so n Garten bestellen.

REŃKA: Also unten im Hof bestellen wir so n Gärtchen, na, normal, alles. Kartoffel, Schnittlauch und so Zeug.

AŚKA: Oder noch besser – wir machen so n Kurs und Reńka lernt, wie Suppe zu machen ist aus Birkenblättern oder Gulasch aus Wurzeln und Gras.

REŃKA: Und so wird es immer was zum Mittag geben. Und man weiss, dass es keine Läden geben wird mit Kleidung.

AŚKA: Aber Reńka näht alles, sogar mit der Pfote.

REŃKA: Aber auch Aśka hat ne Aufgabe. Sie hat da so ihr Erkennungszeichen: und das sind rote Lippen, die in unserer ganzen Bude rumhängen, im Flur, als Bilder, und sogar auf den Kacheln in der Küche. Sie wird also die Flyer machen – für die Jungs aus unserer Widerstandsbewegung. Und auf jeden Flyer mit angemalten Lippen wird sie ’n Kuss raufdrücken.

AŚKA: Na, um so irgendwie moralisch zu unterstützen, unsere Krieger –

REŃKA: mit diesen Lippen, die so sexuell aufgeblasen sind. Und Aśka hat doch vor diesem Krieg so Angst, dass sie gar nicht das Haus verlassen wird.

AŚKA: Also wird Reńka, unterwegs zu der Fabrik, wo sie die Uniformen näht, so ganz nebenher, die Küsse verteilen. In der U-Bahn legt sie sie aus, gibt sie allen, so halt, weil sie wird keine Angst vor dem Besatzer haben.

REŃKA: Garantiert nicht. Und überhaupt dieser Krieg, der da kommen wird, 2016, der wird nicht so normal sein, sondern hegemonisch.

AŚKA: Und das heisst nicht, dass Polen mit den Deutschen kämpft, wie normalerweise, oder was?

REŃKA: Nein, zwei ganze Kontinente werden beteiligt sein. Weil genau das hat der hegemonische so an sich. Und Aśka, die hat Angst, dass es schon so nah ist,

AŚKA: schon in 7 Jahren, da ist es doch besser, gar nicht mehr aus dem Bett aufzustehen, gleich sich in das Laken einwickeln und zum nächsten Friedhof kriechen.

REŃKA: Aber ich, Reńka, sage ihr: dass es nicht meine Schuld ist, und ich keinen Einfluss drauf habe, weil das alles aus der Super-Zyklus-Theorie hervorgeht. Das heisst, dass dieser Krieg kommt, in abgezählten zeitlichen Abständen.

AŚKA: Und den nächsten Termin hat er 2016.

REŃKA: Und da ist nichts zu machen.

AŚKA: Na und wir trinken schon diesen dritten Café, den löslichen, aus Aldi, von dem vielleicht schon noch vor dem Krieg wir diesen Krebs kriegen und Reńka erklärt, dass das alles logisch ist und alles stimmt.

REŃKA: Weil Nostradamus hat es auch so gesagt, und genauso ist es in den Vorhersagen aus Fatima. Die, die der Papst im Vatikan unter Schloss verschlossen hält, so schrecklich sind sie. Und dort steht geschrieben, wie der Kuh aufs Maul, dass die kleine Rasse wird durch die Russen durchgehen, und alles unterwegs verbrennen, bis sie zu uns nach Berlin kommt. Und Aśka verschluckt sich fast an ihrem Käsebrot, und fragt,

AŚKA: was das denn so heissen soll, angeblich. Und Reńka sagt:

REŃKA: Wenn die kleine Rasse, dann ist es doch wohl klar, dass es um die Chinesen geht. Die haben in ihrem Haushalt den Kapitalismus UND politische Diktatur, einfach total gefährlich sind sie. Und Aśka sagt, sie mag die Chinesen nicht mehr, und Angst hat sie.

AŚKA: Und Reńka hat auch schon Angst, aber wegen etwas ganz anderem, wegen dieser Situation der Männer in der westlichen Welt.

REŃKA: Auf den ersten Augenwurf schon, sieht man doch, dass sie so irgendwie rachitisch sind.

AŚKA: Weil als einmal unsere rote Katze Rasputin ne Taube attackiert hat, und die Taube lag so, halb-tot, im Hof, dass man sie zu Ende totschlagen musste,

REŃKA: da haben, voll bekloppt, irgendwelche aus unserem Haus, alles Männer mit vollem Maul, sie in einer Schüssel ertränkt, und das Wesen musste leiden, statt dass sie ne Axt nehmen und ihm schnell – hop – den Kopf abhauen. Das wäre schmerzlos.

AŚKA: Und Reńka nervt sich, dass sie nicht sie holen gekommen sind, weil sie ist vom Dorf, und ihr Opa hat es so gemacht,

REŃKA: und das war ein starker Mann, und humanitär.

AŚKA: Also kann es sein, dass Reńka sich in diesem Krieg auch noch schlagen muss, mit dieser kleinen Rasse,

REŃKA: obwohl das in keiner Vorhersage so steht.

AŚKA: Und dann, wenn sie zurück kommt von dieser Schlacht, abends, voll fertig und dreckig, muss sie diese ganzen Typen noch trösten.

REŃKA: Na die aus unserem Haus, die nicht mal wissen, wie man ’ne Taube fertig kriegt. Und Aśka jammert die ganze Zeit, dass erstens sie gar nicht klarkommt in diesem Krieg, und zweitens, dass sie doch nicht überleben wird, weil sie ja nichts kann. Und plötzlich blitzt Intelligenz in Aśkas Gesicht, sie stellt sich vor diese unsere Spüle, nimmt so ein riesiges Glas, das 2 Liter fasst, in die Hand, giesst es mit Wasser voll, und in einem Schluck trinkt sie es aus, und gleich giesst sie es nochmal voll. Und Aśkas Plan ist so, daß wenn sie aus den ganzen Rohren ganz Berlins das ganze Wasser austrinkt,

AŚKA: werde ich so saubere Nieren haben, dass wenn Reńka verwundet wird, gebe ich ihr eine blitzklare Niere, und so rette ich sie. Na, und ich werd ’ne Beteiligung haben.

REŃKA: Aber vorerst sitzt sie die ganze Zeit in diesem Bad und pinkelt. Und immer ist besetzt,

AŚKA: und Reńka kann nicht rein.

REŃKA: Und deswegen kommen wir immer überall zuspät.

AŚKA: Aber das ist egal, weil wir habens so oder so am Besten in der Welt.

REŃKA: Weil wir sind vorbereitet.

AŚKA: Und alle werden uns beneiden.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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