Metropolinnen zwischen Bett und Küche

Aśka & Reńka

UNSER DEUTSCHLANDMANN

AŚKA: Weil das ist so: Reńka hat es am blödsten und am schlechtesten aus der ganzen Welt.

REŃKA: Und Schuld daran ist: DER DEUTSCHLANDMANN.

AŚKA: Weil Reńka hat zuviel Patriotismus gefressen und denkt, sie muss so machen wie Wanda, diese polnische Prinzessin, die den Deutschen nicht wollte, und, normal, hat sie sich lieber von der Klippe runtergeworfen, als dass sie den geheiratet hat. Und Reńka trippelt, in diesem ihrem engen Rock, wo der ist die Rache der chinesischen Textilindustrie, damit die EU-Frauen gehen müssen wie die Gejschas.

REŃKA: Ich weiss schon was geht in diesem Deutschland-Mann, der hat eine Tendenz zu extremen Verhalten: Entweder will er wie ’ne wilde Pershing mich knallen, sofort im Club, noch auf den Kacheln, im Klo, und ich muss fliehen wie das Pferd in dem Western. Oder er geht an mich wie der Hund zum Igel, und aus allem macht er gleich ein Partisanenkrieg. Und wie er sich abplagt, wenn er mich einladen will zum Rendez-Vous, als würde er tragen ein Sack mit Zement.

AŚKA: Weil du ziehst dich an wie die Frau von Lukaszenko, wenn die in die Oper geht. Du siehst aus, dass normal „Näher dich ohne Messer nicht“. Und auch wenn schon ein Kamikaze-Selbstmörder würde einfach davonlaufen müssen. Weil wer will schon freiwillig, dass jemand ihm mit dem Messer in Rücken sticht?

REŃKA: Willst du, dass ich gehe, wie die Ratte zur Kanaleröffnung, wie du? Eher sollen mir die Zähne ausfallen. Oh nein, ich bin Polin – noblesse oblige. Aber Aśka hört nicht zu, sie liegt da, wie immer, den Computer auf dem Bauch, in diesen sexuellen Seiten, passion.com oder was:

AŚKA: Du, Reńka, weil hier normal, kann man sich treffen, sogar mit ei’m Paar. Und Reńka wird ganz traurig, am traurigsten auf der Welt, weil sie muss doch, um zu haben diesen Sex, bis nach Polen fahren. Weil sie ist Romantikerin und Traditionalistin, und nur in Polen ist es jedem klar, was er mit Reńka machen soll:

REŃKA: erobern, Blumen, einladen zum Rendez-vous, sich romantisch mit mir unterhalten –

AŚKA: dann kann sie haben Sex, sogar zwei Nächte und drei Tage, non-stop-kolor.

REŃKA: Weil dort alles passiert, wie es passieren soll. Weil in Polen, wenn du am Freitagabend über die Strasse gehst, musst du dich durchschlagen. Weil sie da strömen, ganze Kolonnen, mit Blumen, und manche sogar mit Plüschteddies, zum Date. Und hier – Romantismus haben die soviel, wie die Katze ausheult –

AŚKA: Und Reńka weiss, wieso das so ist.

REŃKA: Weil die gucken nie in die Sterne sondern immer nur unter die Füsse.

AŚKA: Und wenn sie schon nicht unter die Füsse gucken, glotzen sie ihr immer auf den Busen, als hätte sie auf dem Busen ein Fleck.

REŃKA: Und es ist doch seit Hunderten von Tausenden Jahren, dass der Typ einlädt, und der Deutschland-Mann, der ist ein Feigling und hat kein Mut. Und Aśka hat eine Offenbarung, weil sie hat doch immer ein Haufen Ratgeber, normal, wie andere die Bibel:

AŚKA: „DIE ANGST VOR NÄHE, BEZIEHUNGSANGST UND IHRE FOLGEN, DIE SEHNSUCHT NACH DEM STARKEN MANN“.

REŃKA: Und Aśka weiss Bescheid.

AŚKA: Weil du jetzt hier in deren Land wohnst, hast du dir das eingefangen – diese Beziehungsangst. Du, das kriegt man hier wie ’ne ansteckende Krankheit. Die hatte ich auch, und du hast das bestimmt.

REŃKA: Du glaub nicht, was die da schreiben, weil in Sibirien bei Stalin, in den Steinbrüchen, da geb ich den Kopf für hin, dass niemand das hat. Und auch in Polen – da wird einfach geheiratet – da kriegst du n Kind, nimmt man ne Wohnung auf Kredit und da liest man nicht sowas, sondern lebt. Und überhaupt in diesem deutschen Lande bin ich verloren für die Population und Demographie. Und Aśka jammert:

AŚKA: Jedem deutschen Mann müsste man eine Gebrauchsanleitung für Reńka reichen, damit`s was wird. Und Reńka schliesst sich an, an das Jammern:

REŃKA: Und überhaupt, das ist die Schuld von diesen Deutschlandfrauen, die haben so diese Männer gemacht, weil nur in Deutschland ist es so, dass die Frau zum Mann geht und sagt: Wenn du willst, will ich auch.

AŚKA: Aber weil Freitag abend ist,

REŃKA: haut sich Aśka auf den Boden vor den Spiegel, weil sie muss sofort in die Clubs, und schmiert sich, normal, dick auf zwei Finger, diese Lippen, und die Farbe wie der Po von dem Weibchen vom Pawian.

AŚKA: Und Reńka schreit zum Abgang:

REŃKA: Du Aśka, wenn Du ein Date hast, hab lieber Geld, weil du wirst noch bezahlen müssen, nicht nur für dich, sondern auch für ihn. Und die Blume kannste gleich überhaupt vergessen – die hatte schon Recht, die Wanda, die den Deutschen nicht wollte – du weißt wie die Kellner fragen in den italienischen Kneipen: Bezahlen sie normal oder auf deutsch? Und überhaupt: n Typ findet man nicht in der Diskothek – sondern in der Bibliothek!

AŚKA: Und ausgerechnet an diesem Abend

REŃKA: lernt Aśka ihren Freund kennen,

AŚKA: in einer Kneipe die „Muschi“ heisst.

REŃKA: Mutter Gottes, Jesus Christus, und Papst, du polnischer, natürlich. Die Liebe seines Lebens in der Muschi kennen zu lernen, die Aśka, die hatte immer schon Schwein.

AŚKA: Und daraus folgt:

REŃKA: Auch auf der Müllkipppe kannste deinen Zukünftigen kennenlernen. Und die blöde Wanda, die ist nicht ganz dicht unter der Kuppel! Soll die doch erblinden!

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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