Metropolinnen zwischen Aldi und Küche

Aśka & Reńka

UNSER FLEISCH

REŃKA: Weil das war so:

AŚKA: Reńka steht den ganzen Vormittag und den halben Nachmittag in unserer psychodelischen Küche und klopft diese unsere polnischen Buletten aus Fleisch,

REŃKA: Die, die man in meinem Dorf nur für Sonntag macht, na die ganz weichen, die Aśka von der ganzen Welt am meisten mag. Und Aśka fällt ins Haus und schon von der Schwelle reisst sie, wie ne alte Unterhose, das Maul auf.

AŚKA: Reńka, weil ich will jetzt so leben wie die von diesem Kudamm, die mit den Kamelhaarmänteln und dem Teint wie Hochglanzpapier, na die, die jeden Nachmittag sitzen vor diesem Kempinski-Hotel und trinken diesen Bio-Saft, und jeden Tag essen die in diesem Butter-Lindner für diese Feinschmecker. Normal, drei Stunden lang hab ich die observiert, und davon habe ich jetzt Hunger!

REŃKA: Na, Aśka, das ist doch Honig auf mein Herz, weil grad hab ich hier doch gebraten, wie du es am liebsten magst!

AŚKA: Reńka, du hast Läuse auf den Lungen, oder von der Hitze beim Herd ist dein Gehirn geschrumpft, ab heute kannst du selber essen dieses Fleisch aus dem Aldi. Das ist doch vollgepumpt mit diesen ihren Antibiotika und Schlaftabletten, weil aus normalen Tieren ist das nicht. Würmer kriegt man davon!
Und Reńka beleidigt sich tödlich.

REŃKA: Wie du willst Aśka, friss doch nur Grünzeug, Gemüse, und Unkraut noch dazu, wie die Kaninchen auf der Wiese.

AŚKA: Aber Reńka. Ab jetzt gehen wir doch nur noch in diesen normalen Laden!
In diesen echten, mit diesem echten Fleisch, wo es keine Würmer hat und von alleine vor uns nicht wegläuft!

REŃKA: Aśka, dich hats schon total verbogen oder hast du im Lotto gewonnen und versteckst es vor mir. Dieses „echte“ Fleisch ist so kostbar – das ist doch aus Gold und mit Diamanten besetzt – und du denkst, wenn wir gehen in diesen Laden, geben die uns dieses Fleisch umsonst, oder was? Und daraufhin Aśka ins Geheul,

AŚKA: und Reńka schneidet sich das Herz in hundert Stücke.

REŃKA: Aśka komm, flenne nicht wie dieser unser undichter Wasserhahn.

AŚKA: Weil du kapierst doch nicht. Wenn wir diese ihre Lebensqualität nicht haben, dann sind wir doch zurückgeblieben, und in diesen 90% wo die arm sind und nicht in den 10%, dieser Gewinner, wo die diese obere Fettschicht sind. Und auch wenn wir getroffen haben wie das blinde Huhn das Korn und wohnen

REŃKA: einen Mützenwurf von diesem ihren Kudamm –

AŚKA: wenn wir nicht in diesen echten Läden kaufen, normal, gehören wir nicht dazu. Und du wirst sehen, vielleicht schon in drei Monaten, schmeissen sie uns aus der Bude raus, damit der Reichtum hier einziehen kann, weil so ein Gesetz hat sich diese ihre schwarz-gelbe Regierung ausgedacht. „Gentrifizierung“ nennen die das. Und Reńka zum Trost:

REŃKA: Aśka, komm, ich weiss was. Wenn wir schon haben keine Aussicht auf dieses ihr Fleischstück, geben wir uns wenigstens ein Theaterstück. Wir sind doch nicht zurückgeblieben sondern total kulturell. Wenn schon nicht materiell, geistig können wir mithalten.

AŚKA: Und wenn die sehen, dass wir in dieses Theater gehen, dann denken die, wir gehören dazu!

REŃKA: Genau, Aśka, wir wohnen doch gegenüber von diesem Theater auf diesem ihren Luxus-Kudamm, da haben wirs nicht weit, die Beine fallen uns nicht aus.

AŚKA: Reńka, Du hast einen Schädel für das Titelblatt! Wir haben doch diese gefälschten studentischen Dokumente, damit lassen die uns rein für wenig Geld!

REŃKA: Und weil wir jetzt gehen unter die Menschen, und da zieht man sich doch an, geht Aśka, mit Tip-Top, als hätte sie Angst, dass er sie beisst, zu diesem unseren Schrank in der Wand.

AŚKA: Schwanz, nichts mit Theater! Wir können nirgendwo hin, weil sag du mir Reńka, aber frag deine Seele ernsthaft davor, was soll ich anziehen für diese kulturelle Angelegenheit? Der lacht mich doch aus, der Schrank, dass es zu hören ist, bis nach Warschau.

REŃKA: Aber Aśka, wir wohnen doch in diesem deutschen Land, und hier die Hälfte wird kommen in diesen ausgesessenen Jeans und die andere Hälfte wie die Buchhalterin auf ihren ersten Ball. Los, zieh schon an deine gefakten Perlen aus dem Ein-Euro-shop, und du wirst sehen, sowieso werden die denken, dass du aussiehst, einfach „France-Elegance“, normal, wie aus dem Journal.

AŚKA: Und endlich sitzen wir in diesem Theater und natürlich in der ersten Reihe, weil wir müssen alles ganz genau sehen,

REŃKA: weil wir sind doch diese Generation von diesem Fernseher.

AŚKA: Und beide gucken wir wie die Kühe auf das Scheunentor.

REŃKA: Weil diese ihre Schauspieler die haben es ja doof, weil die ihnen befehlen, ein halbes Theaterstück lang, zu Onanieren auf der Bühne, ganz in der Öffentlichkeit,

AŚKA: und dazu noch labern sie diese ihre Theatersprache – immer auf fäkal oder koital.

REŃKA: Und brüllen

AŚKA: als hätten wir denen was Schlimmes getan.

REŃKA: Und Aśka flüstert:

AŚKA: Reńka, ich kapiere gar nichts, von diesem ihren Stück. Und vielleicht ist kein Platz für mich in diesem ihrem Land, und nie werd ich zu der Fettschicht gehören, nicht materiell, und schon gar nicht kulturell.

REŃKA: Nein, Aśka, das ist doch nicht wahr, du hast mehr im Kopf als diese ihre Fettschicht, weil die denken, wenn man schon ist in diesem Theater, muss man sich langweilen, auf maximal, und ein winziges Stück Unterhaltung wäre schon eine Schande und Verbrechen obendrauf.

AŚKA: Und endlich ist es zu Ende, und das ganze wohlernährte Publikum, klatscht los. Und nur wir zwei gucken wie der Hartz-IV-Empfänger vor Butter-Lindner.

REŃKA: Die klatschen nur, weil sie denken, dass es sich gehört, und es muss so sein. Weil die haben Schiss, dass jemand sieht, dass sie nichts kapieren, und noch dazu haben sie dafür bezahlt.

AŚKA: Und wir schleppen uns nach Hause, in diese unsere psychodelische Küche, und Reńka macht sich sofort an diese ihre polnischen Buletten ran, und mit vollem Mund verkündet sie:

REŃKA: Aśka, eins sag ich dir: wenn DAS diese deine Qualität ist, und eine hohe Kultur da steige ich aus – in dieses Theater, da zerrst du mich nicht mal mit einem Ochsen, auch wenn die uns unsere Bude wegnehmen wegen dieser Gentrifizierung, da geh ich nie wieder hin. Da bleibe ich lieber in diesen 90%, und mit dieser deiner Fettschicht bleib mir von dem Leib.
Und Aśka guckt und sieht,

AŚKA: das Fleisch zwinkert mich an, na, normal, diese Fettaugen auf diesen Bouletten, die zwinkern mir zu, wie beim Speed-Dating die alte Jungfrau.

REŃKA: Und Aśka hält es nicht aus, stopft sich eine Bulette rein, und auf einmal lächelt sie von Ohr zu Ohr.

AŚKA: Reńka, wenn du was sagst, lügst du nicht. DAS ist doch die grösste Qualität auf der ganzen Welt, diese unsere polnischen Buletten, so wie du die machst. Und wenn ich schon zu dieser Fettschicht nicht gehören kann, wenigstens ess ich die auf.

REŃKA: Und so hat Reńka Aśka beibgebracht:

REŃKA UND AŚKA:

WENN MAN NICHT HAT, WAS MAN MAG, MAG MAN HALT
DAS, WAS MAN HAT.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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