Ach, diese Mutter (Reblog)

OmaIch komme nach Hause, ein Donnerstag am späten Nachmittag, Weihnachten ist längst vorbei, mein Sohn wird erst in Monaten sechs. Es gibt keinen Grund auf der Welt, weshalb er gerade jetzt beschenkt werden sollte und doch liegt da ein neuer Lego-Karton auf dem Tisch. „Ninjago-Masters of Spinjitzu“, ein Set mit zwei futuristischen Motorrädern und einem Fluggerāt für Lego-Ninjas. Meine Laune erreicht einen Tiefpunkt. Während der Sohn in der Küche das neue Spielzeug zusammenbaut, mache ich meiner Mutter im Wohnzimmer Vorwürfe, es mündet im Streit und schlechter Stimmung. Der Abend ist hin. Oma geht eingeschnappt, der Kleine bekommt das natürlich mit! Ich bin jetzt der blöde Papa, der Konflikt erstreckt sich plötzlich über drei Generationen.

Warum muss sie ihn beschenken? Erst letzte Woche bekam er nach einem Besuch im Museum für Naturkunde einen Plüschdino und drei Plastikdinos in einer Gipsplatte zum selbst Rausbuddeln. ,,Das ist was für kleine Archäologen und weil ihm ,Tristan’ so gut gefallen hat”, erklärte meine Mutter. Diesmal die Ninjas. Es gibt immer irgendeinen Grund, irgend- eine Ausrede. Mal sind es Treuepunkte, die es einzulösen gilt oder eine ,,Bekannte“ hat das Geschenk vorbeigebracht, manchmal wurden die neuen Dinge ,,gefunden“.

Auch ich hatte früher Oma-Tage, kann mich aber nicht daran erinnern, derart verwöhnt worden zu sein. Meist wurde vorgelesen oder gekocht. Reicht auch. Wollte ich irgend- was „außer der Reihe“, musste ich es mir quasi ,,erkämpfen”. Das klingt nach „früher war alles besser“ und deshalb doof, ist aber so! Man sollte es dem Nachwuchs heute nicht zu einfach machen, zumal Konsum, Materialismus und Nachhaltigkeit für uns moderne Großstädter in der nördlichen Hemisphäre ja grundlegende Lebensthemen sein sollten, die es verantwortungsvoll seinen Kindern näher zu bringen gilt.

Omas neigen wohl dazu, sich einzumischen, Erziehungstipps zu geben und alles besser zu wissen! Bei meiner Mutter ist es der Schenkzwang, mit dem sie sich beim Enkel beliebt machen will. Doch statt die Sache zu durchschauen, locker zu bleiben und entspannt mit dem Ganzen umzugehen, reagiere ich über, werde aggressiv und streitsüchtig. Dann kommt der Ärger über mich selbst, weil „ich” doch recht habe und dann finde ich mich rechthaberisch, was mich wieder ärgert. Würde ich Ratgeber lesen, was ich nicht tue, Würde man mir Vermutlich raten, mit meiner Mutter zu sprechen: Wunderwaffe Kommunikation. Aber versuchen Sie mal mit einer Oma, die zu sehr schenkt, vernünftig zu diskutieren. Ich habe es versucht, es funktioniert nicht. Kinder hören nicht auf ihre Eltern, Eltern hören nicht auf ihre Kinder, jeder macht was er will und bei Lego klingelt die Kasse.

Geld und Ressourcen werden verschwendet, das Kinderzimmer wird immer voller, kistenweise stapeln sich dort Autos, Comics, Bücher, Kuscheltiere, Lego, Duplo, Playmobil. Es ist nie genug. Gespielt wird damit kaum. An den eigentlichen Geschenk-Anlassen, ist das Kind kaum noch zu begeistern, es erstickt im Überfluss. Ich komme nicht weiter, muss an Waldsterben und verseuchte Ozeane denken und trage voller Schuldgefühle bezüglich Klimawandel, Kindererziehung und der Beziehung zu meiner Mutter, alle paar Wochen das Zeug heimlich in den Keller. Schwache Lösung, aber aus den Augen aus dem Sinn hilft zumindest fürs Erste!

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2 odpowiedzi na „Ach, diese Mutter (Reblog)

  1. Łukasz Szopa pisze:

    Kenn ich, kann ich voll unterschreiben. Irgendwann nach dem x-ten Streit mit Oma (es SIND immer die Omas!) der Kompromissvorschlag: Es wurden LGN-Normen (Lukasz-Geschenk-Norm) für Kinder-Geschenke eingeführt bezüglich Volumen und Lautstärke, an die sich Omas halten müssen. Klappt.
    Was ich aber noch mehr hasse als „spontane Oma-Geschenke ohne Anlaß” sind… Geldgeschenke („kauf dir was, du weißt selbst am besten was dir gefällt”) – egal ob es meine Kinder oder mich betrifft als Benefizient.
    Und ja, Konsum, Müll, Plastik… Kaum etwas ist schöner als das Gefühl, die Wohnung von einigen Kisten an diesem Zeug zu BEFREIEN. Am liebsten an ein soziales Projekt mit Kindern schenken (Flüchtlinge, Kitas…). tut das gut!

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