Reblog: Ein Syrer in Polen

Johanna Rubinroth

So 12.06.2016 | 18:32 | Kowalski & Schmidt

Gemeinsame Werte?

Der syrische Soziologe Ziad Abou Saleh lebt seit 33 Jahren in Polen. Der Hass auf Flüchtlinge quält ihn: Er fürchtet, dass er nun auch noch seine Wahlheimat Polen verlieren könnte, sollte das feindliche Klima gegenüber Ausländern weiter zu nehmen. Dabei könnte die Integration arabischer Migranten in Polen bestens funktionieren – ist ihnen vieles doch vertraut.

http://www.rbb-online.de/kowalskiundschmidt/archiv/20160612_1832/fluechtlinge_polen_syrer_ziad_abou_saleh.html

Die Bedeutung der Religion, der Familie, die Liebe zum Feiern, Loyalität unter Freunden – all das macht Polen wie Araber einander ähnlicher, als sie denken würden…

Ziad Abou Sale:
Der durchschnittliche Pole hat nie im Leben einen Araber gesehen, nie einen Moslem. Die Politiker haben dieses Defizit genutzt, und ein sehr ungerechtes – ja, ein Horrorbild des Arabers, des Moslems geschaffen.

Nach Breslau kam Ziad Abou Saleh vor 33 Jahren, um Informatik zu studieren. Der Syrer verliebte sich in die Stadt, in das Land. Bald entdeckte er seine Begeisterung für die unterschiedlichen Kulturen, studierte Soziologie dazu, und promovierte. Er ist der einzige syrische Soziologe in Polen.

syryjczyk

Heute unterrichtet er an einer Breslauer Hochschule Arabisch und versucht, seinen Studenten die Welt des Orients zu vermitteln. Und ist immer wieder überrascht, wieviel er erklären muss…

Ziad Abou Saleh:
Aus meinen Fragebögen geht hervor, dass auch bei den polnischen Studenten das Wissen über die arabische Kultur sehr klein ist. Und ebenso klein ist die Möglichkeit, einen Araber persönlich kennen zu lernen. Eigentlich ist sie gleich Null.

Seine Vorträge über die arabische Gesellschaft nutzt er, seinen Studenten zu vermitteln, dass ein enges, nationalistisches Europa keine gute Zukunft hat.

Ziad Abou Saleh:
Niemand will zu uns nach Polen kommen. DAS ist ein Grund zur Sorge. Mit unserem demografischen Tief werden wir in dem heutigen Europa ohne die Emigranten nicht überleben. Wir wollen, dass es bei uns schön ist – ohne die Fremden geht das nicht, wirklich nicht!

Bei solchen Begegnungen stelle ich mich als das vor, was der Pole – beeinflusst durch die Medien – als das Schlimmste überhaupt begreift: ich bin aus Syrien, ich bin Araber, Moslem, Emigrant, Flüchtling. Damit gebe ich den Menschen die Möglichkeit, mit genau so einem zu sprechen! Das ist für sie die Chance, selbst einzuschätzen, ob ihre Angst begründet ist oder nicht.

Abou Saleh hatte in Damaskus geheiratet und mit seiner Familie abwechselnd in Polen und in Syrien gelebt. Vor drei Jahren, als der Krieg seine erste Heimat zerstörte, zog er mit seiner Frau und den vier Kindern ganz nach Polen.

Zu sechst wohnen sie nun auf 54 qm. Die Kinder haben sich dennoch gut eingelebt, sie sprechen Polnisch – die Älteste so gut, dass sie kürzlich ihr Abitur machte. Doch der Soziologe hat derzeit weniger Zeit für seine Familie – seit er es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschen hier aufzuklären. Es beunruhigt ihn, was er in Polen beobachtet und wahrnimmt.

Ziad Abou Saleh:
Ich hatte das Glück, dass Polen für mich ein zweites Zuhause wurde. Aber in der letzten Zeit passieren hier leider ungute Dinge. Das Schlimmste für mich wäre – auch nur der Gedanke daran – bald eine dritte Heimat suchen zu müssen.

Hier in Breslau hat Ziad Abu Saleh einen großen polnischen Freundeskreis, der ihm über die Jahre ans Herz gewachsen ist. Er ist überzeugt davon, dass die Integration der arabisch/muslimischen Bürger in Polen – wenn es diese Möglichkeit denn gäbe – wunderbar klappen könnte. Denn beide Völker haben überraschend viele Gemeinsamkeiten:

Ziad Abou Saleh:
Der Syrer ist gastfreundlich und der Pole ist es auch. Der Syrer ist ein bisschen religiös, aber nicht radikal, so ist auch der Pole. Der eine liebt das Feiern und der andere ebenso. Der eine kann gute Arbeit leisten, der andere auch. Der eine ist nicht immer so pünktlich – der andere aber zum Glück auch nicht. Ich bin absolut überzeugt davon, dass wir in bestem Einvernehmen miteinander leben könnten!

Und was könnten diese Beobachtungen eines Soziologen besser bestätigen als die Tatsache, dass er seine syrische Familie um ein polnisches Mitglied erweitert hat:

Ziad Abou Saleh:
Durch den arabisch-israelischen Krieg – da war ich vier – musste ich die Golan-Höhen verlassen, und so habe ich den Kontakt zu meinen Großeltern verloren. Als ich nach Polen kam, habe ich, wohl für das psychische Gleichgewicht, eine Oma gebraucht.

Und die hat er dann auch vor 33 Jahren gefunden: Babcia Stefcia, er nennt sie seine „polnische Oma”!

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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