Frauenblick: Balthus

Monika Wrzosek-Müller

Balthasar Klossowski de Rola

In Wien scheinen sich für mich oft Kreise zu schließen, die ich im Leben lange um mich ziehe; manchmal dauert es ganz schön lang, bis sich so ein Kreis geschlossen hat. Doch wenn das geschieht, fühlt es sich meistens gut an, so als ob man etwas zu Ende gebracht hätte und etwas fertig geworden wäre oder auch als ob ein Zeitabschnitt zu Ende gehen würde.

Über den polnisch-jüdisch-deutsch-französischen Maler Balthus habe ich vor Jahren im Spiegel gelesen, er weckte gleich meine Neugier. In Wirklichkeit trug er doch den polnischen Namen Balthasar Klossowski, vieles deutet daraufhin, dass er sich das „de Rola“ selbst angedichtet hatte, um sich des Titels eines Grafen bedienen zu können. Jahrelang hörte ich nichts von ihm und dann, als ich in Venedig war, sah ich Plakate, die eine kleine Ausstellung seiner erotischen Werke ankündigten, die ich aber nicht gesehen habe. Er lebte auch längere Zeit in Rom als Direktor der Academie de France in der Villa Medici und dann ging er zurück in die Schweiz (wo er früher auch mal gewohnt hatte) nach Rossinière, wo er ein Riesenhaus (eigentlich ein Hotel), ein grand Chalet erstanden hatte, um dort zu leben, Gäste einzuladen und zu malen. Er umgab sich mit der creme de la creme der Gesellschaft, zu seinen Freunden gehörten: Pierre Matisse, Albert Camus, Federico Fellini, Pablo Picasso, Joan Miro, Tom Curtis, Mick Jagger, Bono, Henri Cartier-Bresson und viele andere mehr. Irgendwie war er aber nie darauf angewiesen von seiner Kunst leben zu müssen, ein großes Privileg. Seine Bilder gefielen mir sehr, ich vermutete viele innere Konflikte; wer Bilder so malte, musste Probleme haben. Die Werke waren ganz eigenartig, ohne sich an irgendwelche Kunst-, Stil- oder Moderichtungen zu orientieren, er wollte „immer etwas rätselhaftes in seinen Bildern belassen“; er malte fast obsessiv kleine Mädchen, manchmal in aufreizenden Posen, oft mit Katzen, meistens hölzerne Puppenwesen. Die Farbpallette war den alten Meistern entnommen, gedämpftes Ocker bis tief braune Töne, viel Beige, dunkle Farben mit cremeweisen Farbtupfern aufgehellt.

Natürlich kratzten einen vor allem die Motive an und man stand verwundert vor diesen puppenhaften Mädchen in diesen zweifelhaften Posen und wunderte sich: ist das jetzt das, was nicht sein darf, nur Fantasien und krankhafte Vorstellungen. Der Blick ist schon gezielt auf erotische Zonen konzentriert doch das ist auch eben gewollt und ganz kontrolliert; er geht bis dahin und nicht weiter, aber das weitere existiert irgendwie auch mit auf den Bildern. Die Gestalten wirken meistens wie leblos, unbeteiligt, fern; sie alle sind schön, unberührt durch ihre Jugend, die leuchtet und unschuldig sein könnte, wenn es nicht die Posen gäbe. Und doch wirken sie für mich wie Stillleben, arrangiert bis auf kleinste Detail. Man steht zuweilen mit fixiertem Blick und versucht sie zu beleben; das gelingt nur mühsam, sie sind erstarrt und wollen in diesem Eingefroren-Sein bleiben. Ich habe mir lange die Malweise der Körper angeschaut, es waren oft wie Porzellan oder holzbemalte Beine, Gesichter weniger puppenhaft, doch die Beine und Arme schon.

In Deutschland wurde Balthus viel ausgestellt: schon in einer frühen Dokumenta in Kassel, im Museum Ludwig mit vielen Porträts von Thérèse Blanchard; das Mädchen ist bezaubernd, frühreif. Die Ausstellung trägt den Titel „Die aufgehobene Zeit“; der Titel passt sehr gut zu Balthus sujet; alle Figuren und Gegenstände in seinen Werken wirken, als ob sie für ein Augenblick eingefroren wären. Dann kam die große Ausstellung in Metropolitan Museum of Modern Art, 2014, unter dem Titel „Cats and Girls“. Es sollte auch eine Ausstellung in Deutschland im Museum Folkwang in Essen geben, die Polaroids aus den letzten Lebensjahren des Künstlers ausstellen sollte und mit den Aufnahmen von einem Mädchen von 8 bis 16 Jahren bestückt war. Doch da sahen einige zu viel direkte Lüsternheit darin. Am Schluss ist das aber nicht klar, ich selbst kann für mich das auch nicht eindeutig beantworten; ist seine Kunst Ausdruck von pädophilen Gefühle und Regungen, oder macht sie diese extra sichtbar und spürt ihnen nach, sicher verrät sie doch die Meisterhand des Künstlers dabei. Diese Ausstellung wurde abgesagt.

Nun, jetzt in Wien, stehe ich vor einem Plakat, das über eine Ausstellung im Kunstforum Wien zu Balthus informiert. Während die anderen im Café Central ihren Kaiserschmarrn vertilgen, gehe ich rein. Noch ein Kunsttempel in Wien; so viele Orte, in die man reinschauen sollte und in denen man auf immer wieder gut geplante und durchdachte Ausstellungen trifft. In diesem Moment hat sich der Kreis endlich geschlossen.

Es ist eine sehr umfassende Ausstellung, von ganz frühen Werken, in denen er sich mit der italienischen Kunst der Renaissance auseinandersetzte, bis zu den besagten Polaroids. Der Focus liegt nicht auf den Bildnissen der Mädchen, sondern es werden sogar seine Arbeiten als Bühnenbildner und Kostümbildner gezeigt. Es entsteht ein Bild eines sehr regen und extremen Außenseiters, der sich an eigene Vorstellungen hielt und nur das machte, was ihm gefiel: „Ich habe immer das Bedürfnis das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen zu suchen“. Es entstehen Bilder, die eher der Neuen Sachlichkeit, manchmal dem Surrealismus nahe sind, mit einer manchmal düsteren oder gar grausamen Atmosphäre. Die Werke kommen von überall her und werden nach zeitlicher Abfolge ausgestellt, ohne besonderen Focus. Von den Polaroids gibt es nicht viele und sie sind geschickt ausgewählt, moralische Empörung verursachen sie nicht.

Doch auch nach dieser Ausstellung ist es schwierig zu entscheiden, wie es um ihn stand, und das macht ihn vielleicht auch so anziehend und so interessant.

***

O Balthusie już TU kiedyś wspominałam, bo, jak pisze Autorka, malował również koty, te zaś, prezentowane przez różnych artystów, przez spory kęs czasu były tematem nieregularnie, ale często tu powracającym.
EMS

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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