Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Nolde der Maler – Ausstellung im Brücke-Museum

Also gingen wir in die Nolde Ausstellung, zu dritt und hauptsächlich, weil es an einem Sonntag in diesem Sommer eine kostenlose Führung gab, und ich weil ich mich früher für seine Blumenbilder immer wieder begeistert hatte. Es warteten schon viele Leute da, für mich unerwartet viele.

Schon am Anfang der Ausstellung wunderten wir uns, dass es überhaupt keine Information über den Künstler gab. Dann bekamen wir ein Faltblatt, in dem Daten aus seiner Biografie aufgelistet wurden. Die Erklärungen und Führung durch die Ausstellung führten uns vom Künstler, von seiner Zeit weg zu ausschweifenden Bildbeschreibungen; Farben, Stimmungen, die Macht der Naturgewalten aber doch auch Verlauf des Lebens, verortet in der sehr prekären politischen Situation, spielten in seinem Malen eine wichtige Rolle; also dass er am Deich spazieren ging und Naturgewalten wahrnahm und diesen ausgesetzt war, genauso wie seine Zugehörigkeit, seit 1934, zur „Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig“ und seine Begeisterung für Rassegedanken, die nicht erwähnt wurden. Sein Schaffen wurde uns völlig losgelöst von der politischen Situation in Deutschland und in der Welt dargestellt, so als ob die kleinen Familien, die er manchmal abbildete, abgeschnitten von der Welt existiert hätten. Das spielte doch offensichtlich für Nolde, für sein politisches Engagement, eine große Rolle, denn schon 1937 wurden seine Bilder beschlagnahmt und 1941 wurde er auch aus der Reichskunstkammer ausgeschlossen, und seine Bilder waren in der Ausstellung über „Entartete Kunst“ stark vertreten. Das muss doch für sein Schaffen eine Bedeutung gehabt haben, genauso wie die Tatsache, dass er keine Kinder hatte.

Kann man also ein Werk so verstehen, und wichtiger noch, darf man auf diese Weise einen Künstler ausstellen?

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass die Ausstellung schnell aufgehängt wurde; im Gegensatz dazu stand der aufwendig gemachte Katalog, so wie die vielen Leihgaben aus Seebühl. Auch der chronologische Durchgang durch das Schaffen des Künstlers berücksichtigte nicht immer seine besten Bilder. Natürlich ist man durch die Pracht der Farben und seine Malweise für vieles entschädigt und die Bilder sprechen meistens für sich, doch zu einer durchdachten Ausstellung gehört meiner Meinung nach auch die Verortung des Künstlers in der Gesellschaft, Informationen über die Zeit, in der er schuf – gerade bei diesem Künstler, der offensichtlich mit den Nazis liebäugelte und das zunächst auch nicht versteckte: „In diesem politisch unruhigen Winter sind so vielerlei Geschehnisse, die einen dauernd in Anspruch nehmen, weil wir doch sehr mitleben in der so stark durchgeführten und schönen Erhebung des deutschen Volkes.” So schreibt er selbst an seinen Bekannten, einen dänischen Kunsthistoriker 1937.

Gerade wegen seiner manchmal unverständlichen und für Ungereimtheiten sorgenden Biografie müsste man den Betrachtern seinen Lebenslauf präsentieren, denn sonst kommen auch manchmal abwegige Gedanken: Hat er die auffallend blauen Augen von Christus vielleicht wegen der Rassentheorie gemalt? Vielleicht denken nicht viele bei dem Besuch an die Ereignisse, die hinter den Bildern stehen, doch das Schaffen kann man nicht von der Zeit loslösen.

Was in den Bildern sichtbar ist, ist sein Kampf darum, sich von dem Einfluss seines Lehrers Liebermann und den Impressionisten wie den Expressionisten zu lösen, denen er kurze Zeit angehört hatte und sich auch nicht ganz unterordnen lassen wollte, obwohl seine Farben und seine Malweise, immer noch als typisch expressionistisch beurteilt werden. Er begeisterte sich und wurde inspiriert von den Werken von französischen Malern wie Van Gogh oder Gauguin, hat selbst mit Aquarellen experimentiert, die Bilder der unheimlichen Gesichter, mit Tusche nachgezogen, gehören neben den Kerzentänzerinnen meiner Meinung nach zu den besten in der Ausstellung.

Über Noldes unglückliches und sehr verwickeltes Verhältnis zur Nazi-Deutschland und seine Versuche später alles zu vertuschen lesen Sie unter http://www.zeit.de/2013/42/emil-nolde-nationalsozialismus/seite-3

Angesichts dieser Erkenntnisse und der Diskussionen der letzten Jahre über den Künstler wäre es seitens der Ausstellungsmacher wirklich geschickter gewesen, wenn sie Noldes Lebenszusammenhang deutlicher erklärt und den Epochenkontext unterstreichen hätten, anstatt – wie bei der Führung – das alles außen vor zu lassen.

Es bleibt eine leichte Irritation, und doch lohnt die Schau dieser farbenfrohen, vitalen Werke in der Ausstellung, die man ansonsten nicht zusammen zu sehen bekommt.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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