Verlorene Mühe

Ewa Maria Slaska

… einer Beschwerdeschreiberin

Im letzten Jahr oder so schrieb ich vier Mal Beschwerdemails an verschiedene Institutionen bzw. Einrichtungen in Berlin, darunter zweimal zu verschiedenen Anlässen an die BVG.

Alle meine vier Beschwerden schienen mir ziemlich wichtig zu sein. Sonst hätte ich sie nicht geschrieben.

Einmal hat man mir beantwortet, es hat aber gar nichts gebracht, dreimal passierte gar nichts. Also hier mein öffentlicher Appell an alle Institutionen des öffentlichen Lebens. Macht uns nicht vor, dass ihr euch um uns kümmert. Ihr tut es nicht. So einfach ist es.

Die Beschwerde Nummer 1 war die wichtigste. Ist auch die einzige, wo man mir antwortete. Am 6. Mai 2015 fuhren wir gegen 20 Uhr mit meinem Enkelsohn im ersten Wagen der U-Bahn Linie 1. Der Wagen war voll und gerade am Abfahren am Schlesischen Tor, als jemand in das Wageninnere eine Hustenbombe warf, wobei wir alle sofort zu husten begannen. Dank Initiative eines großen starken Mannes, wurde die erste Tür des Wagens gewaltsam geöffnet. Die U-Bahn wurde zwangsläufig gestoppt und wir alle könnten weglaufen. So schnell wie möglich. Ich war mit einem Kind da und nur seine Sicherheit war mir wichtig. Vielleicht ging es uns allen so.

Ich habe in meiner Mail betont, dass sich alles im ersten Wagen abgespielt hatte und wir durch die erste Tür weggelaufen sind. Und dass mit unserer Aktion der Zug gestoppt wurde, der schon im Begriff war, abzufahren. Diese drei Tatsachen MÜSSTEN die Aufmerksamkeit des Fahrers an sich ziehen. Ich habe auch genaue Uhrzeit genannt, wann es passiert ist – in der Annahme, dass man damit den Fahrer sofort identifizieren wird.

Na ja…

Und so war die Antwort:

Sehr geehrte Frau Bogucka-Slaska,

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 06.05.2015.

Sie berichteten uns, dass in einem unserer Züge der U-Bahnlinie U1 eine chemische Substanz ausgeschüttet worden sein soll, die bei Ihnen und anderen Fahrgäste eine Atemnot und Husten ausgelöst hätten. Sie kritisieren, dass der Fahrer des Zuges nicht eingriff, sondern einfach weiter fuhr.

Es ist uns wichtig, dass unsere Fahrgäste gefahrenlos mit unseren Verkehrsmitteln fahren können. Daher werden unsere Fahrzeuge und Betriebsanlagen regelmäßig gewartet, inspiziert und gesäubert. Wenn in einem Fahrzeug wie der U-Bahn eine Verschmutzung auftritt, kann das Fahrpersonal dies nicht immer umgehend wahrnehmen. Wir sind daher hier auf die Hilfe unserer Fahrgäste angewiesen. Da Sie von einer offenbar gefährlichen chemischen Substanz sprachen, haben wir drei in Frage kommende Zugfahrerinnen und Zugfahrer ermittelt und zum Sachverhalt befragt.

Keiner der befragten Kollegen konnte sachdienliche Angaben zum Vorfall machen. Eine Überprüfung der Aufzeichnungen der Betriebsleitstelle U-Bahn ergab ebenfalls keine Hinweise. Daher war auch ein Sichern von Videodaten nicht möglich. Uns verwundert, dass weder Sie noch andere Fahrgäste sich beim Fahrer gemeldet haben. Zudem haben wir außer Ihrer Eingabe keine weiteren Beschwerden über diesen Vorfall erhalten. Wir können uns daher den Sachverhalt nicht erklären und diesen auch nicht aufklären.

Obwohl wir Ihrem Wunsch nicht entsprechen können, freuen wir uns, Sie auch weiterhin als Fahrgast in unseren Verkehrsmitteln zu begrüßen.

Mit freundlichen Grüßen

Stephanie König
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
Kundenservice FVS-B2 (IPLZ 43431)
Telefon: +49 30 19 449
Telefax: +49 30 256-49256
Mail: info@bvg.de

Also, man kann niemandem identifizieren, keiner weißt was und wir sollten uns selber darum kümmern, dass sich der Fahrer um uns kümmert… Danke BVG! Dies erinnerte mich an eine dramatische Situation in meinem Leben in Berlin. Jemand ist in meine Wohnung eingebrochen und erzählte mir, mich umbringen zu wollen. Nach Stunden habe ich es geschaft, ihn aus meiner Wohnung auszuschmeißen. Die Polizeit tat wenig, bis ich selber mit meinen Nachbarn entdeckt habe, dass der Einbrecher im Gartenhaus bei uns wohnt. Wir haben ihn der Polizei ausgeliefert, die mit ihm sprach und frei ließ. Ich rief die Polizei an und fragte, was es soll: Wer wird sich jetzt in solcher Situation um mich kümmern? Die Antwort war klar: Ihre Sicherheit, Frau Slaska, ist ihre Sache.

Na klar.

Jetzt lerne ich noch etwas dazu: Ihre Beschwerde, Frau Slaska, ist ihre Sache. Ich brauchte aber noch drei Beschwerden, bis ich es kapiert habe.

Die Beschwerde Nummer 2 ging auch an die BVG. Ich klagte, dass man in der U-Bahn eine neue Chemikalie anwendet (billigere Putzmittel?), die in mir eine sofortige Allergie hervorruft. Ich steige in die U-Bahn ein und beginne sofort zu niesen.

So…

Die Beschwerde Nummer 3 betraf ebenfalls Allergie und ging an Möbel Kraft. Ich kaufte einen neuen Schreibtischsessel… Es dauerte eine Woche bis ich entdeckt hatte, dass er meine plötzlich auftretende nächtliche Allergieanfälle verursacht hatte… Ich schrieb Möbel Kraft an, die Antwort… na ja, Sie ahnen schon…

Oder…

Und endlich etwas, was mit der Kultur und nicht mit meinem allergisch empfindsamen Wesen zu tun hat. Meine Beschwerde Nummer 4, eine Mail an Kino Kunst66, abgeschickt am 30. Juli bezeugt dafür meine soziale Empfindlichkeit.

Meine Lieben Damen und Herren vom Kino Filmkunst66

Ich war heute bei Ihnen mit insgesamt 8 Freunden und möchte mich beschweren.
Wir kamen in zwei Gruppen, um den Film Mit Jacqueline unterwegs zu sehen. Zuerst ich mit 4 Personen und dann weitere 4.
In meiner Gruppe waren 2 erwachsene Frauen (beide mit Berlin Pass) und 3 Kinder. Ausser mir waren alle aus der Gruppe Flüchtlinge. Und ich – Rentnerin.
Ihr Mitarbeiter verweigerte uns jedwede Ermäßigung mit der Erklärung, es ist Wochenend und am Wochenend gelten keine ermäßigten Preise.
Ich habe jedoch damit gerechnet, dass wir weniger zahlen und mir fehlte, bei so großem Ticketeinkauf sage und schreibe 2,5 €!
Ich versuchte zu erklären, dass es Kinder sind, Flüchtlinge, Berlinpass, ich dazu noch Rentnerin… Zig Gründe um Ermäßigung zu bekommen. Es wären dann 5 € weniger und mein Geld hätte gereicht, weil ich den Tag mit meinen Schützlingen sehr sorgfältig, auch finanziell, geplant habe…
Ihr Mitarbeiter zeigte sich nicht bereit, um ein Deut von dem Preis abzutreten. Es „rettete mich” die Flüchtlingsfrau, die diese fehlende 2,5 € bezahlt hat.
Und jetzt: abgesehen von alledem, was ich hier geschrieben habe, bemerken Sie auch, dass:
1/ man kann bei Euch nicht mit der Karte bezahlen!
und
2/ die Preistabelle auf Ihrer Internetseite ist keineswegs eindeutig – schauen Sie selber an. Wir haben alle verstanden, dass wir eine oder andere Ermäßigung auch heute bekommen.
Alles in allem: ich habe Ihnen heute 8 andere Kunden mitgebracht, und ich habe sowohl in meinem Blog als auch auf dem Facebook Werbung für Euch gemacht und ich bereue es sehr (obwohl ich den Film nach wie vor sehr gut finde!).

Mit freundlichen Grüßen

Ewa Maria Slaska
Bloggerin und FlüchtlingsPatin
https://www.facebook.com/ewamariaslaska
https://ewamaria2013texts.wordpress.com/2016/07/30/nieulegla-krowa-czyli-porady-kulturalne-na-lato/

Und Danke für Eure Aufmerksamkeit!

fuckyou

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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Jedna odpowiedź na „Verlorene Mühe

  1. Anne Schmidt pisze:

         Liebe Ewa,

          ich glaube, dass du mit deinen 2 Erlebnissen an die Presse gehen solltest. Die taz ist sicherlich uns genehmer als die BZ, aber für die BZ würde ich vrll. die bvg wählen.

    anne

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