Frauenblick: Ferrante 2

Monika Wrzosek-Müller

In Sachen Ferrante

Da ich bei Ewa über Ferrantes Bücher geschrieben habe, drängt es mich, nach der letzten Affäre um die Enthüllung ihrer Identität darüber zu berichten.

Natürlich kann jeder denken, was er will: wozu sich hinter einem Pseudonym verstecken, wozu dann aber so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Dient das Spiel mit dem Pseudonym als Werbung, als geschicktes Manöver, anders zu sein, in der medial bestimmten Welt aufzufallen durch Andersartigkeit? Das mag alles stimmen und es kann auch sein Zweck wunderbar erfüllt haben. Und doch…

Die Neugier der Menschen ist geweckt worden, warum kann dann ein Schriftsteller nicht ohne Gesicht für sich in einer stillen Kammer arbeiten, schreiben, sich hinter seinen Texten verstecken. Warum darf überhaupt der Mensch nicht gesichtslos agieren; hier aber stoßen wir auf ein sogenanntes weites Feld … warum gefallen uns Burka, Niqab, Tschador etc… nicht, und im Namen der Demokratie wollen wir sie verbieten, abschaffen. Es ist schon schwer, dazu eine klare Meinung zu haben. Im Fall der Schriftsteller ist das Problem viel einfacher; lassen wir den Text sprechen, beurteilen wir den Text. Wir müssen nicht im Leben des Autors herumstöbern, herumstochern alles nach außen wenden und dabei zusehen, wie der Autor sich windet und erklärt und vielleicht nicht so rosig da steht wie in seinen Büchern. Wir sind gewöhnt, alles schnell über jeden zu erfahren, zu verbreiten und zu urteilen.

Gerade solche Bücher, wie Ferrante sie geschrieben hat, die auf Emotionen basieren und diese hervorrufen, halb autobiographisch mit Empathie, provozieren Nähe zum Autor. Doch im künstlerischen Prozess müsste man den Abstand respektieren. Überhaupt muss man dem Menschen mehr Respekt zollen. Das Wissen über den wahren Namen und das dazugehörige Gesicht ändert nichts an dem Lesevergnügen ihrer Texte. Die Romane bekommen vielleicht einen tieferen Hintergrund, aber dass sie in Neapel gewohnt haben musste, war sowieso schon bekannt. Man sollte den Willen des Schriftstellers respektieren und ihn in Ruhe lassen.

Die Art, wie der italienische Journalist ihr nachspioniert hat, finde ich abscheulich. Es müsste eigentlich verboten sein, und es ist wahrscheinlich verboten, die Menschen zu durchleuchten, ihre Steuererklärungen durchzuarbeiten, nur um den Namen und das dazu gehörige Gesicht zu finden, nur damit die Boulevardpresse wieder einen Skandal zum Ausbreiten hat. Ich hoffe, sie wird sich wehren und ihm einen Prozess machen und diesen gewinnen, so wie viele Prominente, die gegen Paparazzi geklagt und gewonnen haben. Doch eine Sache bleibt unmkehrbar: ihre Identität ist enthüllt worden, sie muss etwas damit anfangen.

Eigentlich dient ihr, der Schriftstellerin, der ganze Rummel auch sehr, die Bücher werden noch bekannter und jeder liest sie. Und das ist gut so, denn sie sind es wert und bereichern uns.

***

Für die, die nix wissen, wie ich, und vom Enthüllungsskandal nichts wussten:

Es geht um die „Enthüllungen” des italienischen Journalisten Claudio Gatti, der gestützt auf Honorarlisten und Grundbucheinträge zu beweisen versucht, dass die römische Übersetzerin Anita Raja die „große Unbekannte” sei. So nennt der Suhrkamp-Verlag die Autorin auf der eigens eingerichteten PR-Webseite. Veröffentlicht hat Gatti seine Rechercheergebnisse – übrigens nicht die ersten Enthüllungsversuche in diesem Fall – gleichzeitig in vier internationalen Medien, unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und im New York Review of Books. Und zwar offensichtlich gegen den Willen der Autorin.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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