Ein Foto aus Afrika

Meistens ist es so, dass mir die Autoren Texte und Bilder zusenden, manchmal wollen sie keine Bilder oder haben keine und ich suche sie selber im Internet. Es ist aber, glaube ich, das erste Mal, dass mir ein*e von meiner Autor*innen das Bild ohne Geschichte zugeschickt hat und ich, von dem Bild begeistert, unbedingt wollte, dass sie doch dazu etwas erzählt.

wiki-ghana

Kaum zu glauben, aber die Stilisierung (wie man es heute gesagt hätte) der beiden Frauen ist rein zufällig.

Viktoria Korb

Ghana unverändert

Als ich im Jahr 1989 als diplomatische Mitarbeiterin des International Trade Centre
(UNCTAD/GATT) in Genf,  der Stadt, wo sich alle europäische Vertretungen der Vereinten Nationen befinden, auch mit der Ghana beschäftigen mußte, schickte man mich auf eine Dienstreise in dieses afrikanischer Land. Ich war, als eine UNO „Professional officer”, an alle möglichen Reisen gewöhnt. Vorher arbeitete ich ein Jahr in Indonesien und ein Jahr auf den Philippinen. Den Umzug nach Genf fanden meine Kollegen toll, und beneideten mich sogar.

Ich aber bereute sehr, daß ich diese faszinierende südostasiatische „Multi-Kulti” Länder, insbesondere Indonesien,  verlassen mußte. Übrigens gab es dort viele Frauen in den Regierungspositionen –  in Indonesien sogar eine Präsidentin Megawati Sukarnoputri ähnlich wie in Indien, Sri Lanka, Bangladesch und einigen Ländern mehr, wie zum Beispiel Israel…
Dort gab es kein Prinzip von KKK – Kinder, Küche, Kirche wie in Europa und besonders in Deutschland und in der Schweiz, wo Frauen erst im 20. oder in manchem Kantonen sogar erst im 21. Jahrhudert die Wahlrechte bekamen…

Nach einigen Wochen in Genf habe ich langsam bemerkt, dass wir dort fast nichts zu tun hatten und uns alle langweilten. Wir durften aber Gott sei dank während unserer Arbeitszeit neue Fremdsprachen lernen und hatten eine Stunde Zeit für das Mittagessen in der UNO–Cafeteria. Ein großes Problem für mich waren aber die Genfer Erotomanen verschiedener Nationen und Rassen. Man konnte sich kaum auf die Straße rühren, auch von Kopf zu Fuß winterlich bekleidet, ohne belästigt zu werden. Ein „Fan” hat sogar meine Telephonnummer und Adresse gefunden, nachdem er sich meine Autonummer auf dem UNO-Parkplatz notiert hatte!
208054Ein anderer folgte mir auch der Straße, entdeckte meine Wohnungsadresse und behauptete, als meine Eltern dort zu Besuch waren, dass wir bald heiraten würden…
Ich las öfters das Buch von  Tadeusz Dołęga-Mostowicz „Pamiętnik pani Hanki” („Tagebuch von Frau Hanka”, das viele Ausgaben hatte) und war begeistert vom Satz „Zalewski langweilte sich in Genf”.

Ich fuhr auch öfters nach Paris, um meine 1968-Emigranten Freunde aus Polen zu besuchen. Im Zug von dort zurück nach Genf  wurden wir auf einmal an der französichen Grenze aufgehalten und mussen aussteigen, weil man verdächtigte, dass es im Zug eine Bombe gab. Wir rannten in eine Kneipe und tranken Wein, wobei mir eine französische Mitfahrerin erklärte, dass man in Genf Schi-Laufen und Segeln muss, um sich nicht zu langweilen.

Das habe in Polen schon seit meiner Kindheit getan und ich trat mit Freude in den Schi-Klub der UNO und Segel-Klub von CERN ein.  Leider herrsche dort auch eine Menge von Erotomanen aller Rasen!
Nach einem Jahr hat man mich von der langweiligen allgemeinen Planungs-Abteilung in die Afrika-Abteilung versetzt und die abenteuerliche Zeit kam zurück!
Bald schickte man mich auf eine Dienstreise nach Ghana… Zusammen mit zwei Kollegen, einem Ungar und einem Nigerianer, die allerdings nur kurz dort bleiben sollten, wogegen ich länger.

Allein der Flug mit Umsteigen war schon merkwürdig, und nach der Landung musste ich lang unter der Erde gehen, um zur Passkontrolle zu gelangen. Mit dem diplomatischen Pass der UNO mußte man nicht in der üblichen Schlange stehen, aber der ganze unterirdische Gang war sehr tief und die Kontrollere standen ganz oben. Wahrscheinlich um uns zu zeigen, dass, obwohl Afrikaner, seien sie doch wichtiger als wir…

Der Dienstwagen des Auslandsministerium, mit dem wir kooperieren sollen, war nicht erschienen und wir mussten ein Taxi nehmen, das uns ins angeblich bestes Hotel von Accra brachte. Dort wurde behauptet, dass wir keine Zimmer reserviert haben und es für uns keinen Platz gab. Wir vermuteten, dass man von uns Trinkgeld bekommen wollte. Nach langem Krach hat man uns doch Zimmer zugeteilt, denn unser afrikanischer Kollege, ein Kongolese, war in der Lage sie zu überzeugen, dass das Außenministerium doch für uns die Zimmer reserviert hatte.  Der Aufzug war kaputt und wir gingen in unsere Zimmer im vierten Stock mit den schweren Koffern zu Fuß.

Im Zimmer musste ich feststellen, dass nur eine einzige, kleine Lampe funktioniert und der Raum in der fast totalen Dunkelheit versunken ist. Und die Klimaanlage war kaputt! Erschöpft und hungrig ging ich mit meinen Kollegen in die Hotelkneipe.
Da bestellte ich zuerst Ananassaft zum trinken und bekam ein Glas Wasser mit irgendwelchen Spuren von Ananashaut.
Ich rief den Kellner und sagte, dass es doch kein Saft war, sondern eine dreckige Mischung.
Er antwortete, dass so der Saft bei ihnen ist, weil sie ohnehin nichts am stärkeren Getränk verdienen würden Ich kannte so was aus meinem früheren Leben im sozialistischen Polen und wusste, daß ich es akzeptieren musste. Es gab aber genug Whisky, so wie Vodka in Polen, das ich mit meinen Kollegen trank…

Zurück in meinem Zimmer wollte ich duschen und entdeckte, dass es kein heißes Wasser, keine Seife und kein Handtuch gab… Ich rief die Hotelleitung an und bat um die Sachen. Sie waren total erstaunt über meine freche Bitte, schickten aber zu mir eine nette Putzfrau, die es schaffte, mir Handtuch und Seife zu besorgen. Ich bat die Hoteldienste mich den am nächsten Tag morgen anzurufen, weil ich keinen Wecker hatte, und durch ganz verschiedene Zeiten, als in Europa ziemlich durcheinander war. Die waren total schockiert und ich mußte wieder die Putzfrau bitten, an meiner Tür zu klopfen.

Am nächsten Morgen gingen wir ins Wirtschaftministerium, wo im Eingangszimmer ein ghanesischer Wachschutz-Beamte am Schreibtisch saß und schlief. Wir haben gewagt, ihn zu wecken, und er war sehr sauer. Dann trafen wir eine hohe Beamtin, Miriam Holbrook-Smith (wie wir bald erfuhren, war das ein gänginer Name in Ghana!) Sie war sehr nett, lud mich bald in eine Kneipe ein und bestellte für mich ein Glas Saft, das mit einem Netz bedeckt war, damit die Fliegen nicht reingelangen… Sie kannte gut die Hotels ihres Landes und schlug vor zu versuchen wird, mir einen anderen zu finden. Sie erzählte mir auch ihre persönliche Geschichte – sie wurde mit einem ihr unbekannten Mann von ihrem Vater verheiratet und musste einige Jahre mit ihm zusammen leben. Aber als sie eines Morgens aufwachte, war er tot… Dann durfte sie einen Mann ihrer Wahl heiraten, mit dem sie glücklich war!

Am nächsten Tag wagte ich ins Schwimmbad im Garten unseres Hotels zu gehen, weil wir nichts zu tun hatten, und entdeckte, dass sein  Boden ganz kaputt war und mit Tepichen bedeckt. Dafür gab es neben dem Pool die Tanzabende, wo die Landleute enthusiastisch tanzten und flirteten.
Aber Miriam Holbrook-Smith schlug mir, Gott sei dank vor, bei einer ihrer Freundinnen, einer Togo-Diplomtin, zu wohnen. Das hat mich sehr gefreut. Beim verlassen des schrecklichen Hotels gab ich der so netten  Putzfrau einige Dosen von Thunfisch-Konserven als Geschenk, und hörte dann ihre Schreie. Einer der Wächter hat ihr die Dosen aus der Hand weggerissen und ist weggelaufen…

Kein Wunder, dass die Lieder und Filme über „Wildes Afrika” rund um die Welt in den Medien blühten… Und doch waren afrikanische Frauen viel emnazipierter als die deutschen.
Mit der Togos-Diplomatin lebte sich sehr angenehm, wir schliefen zusammen in einem Doppelbett und schauten uns Fernsehen an.  Ihr Hausmädchen kochte für uns.
Als ich dann bald die Dienstreise  an die Elfenbein küste, also Republik Côte d’Ivoire (die bestand auf den französichen Namen!) mit den beiden UNO-Kollegen machen musste, fuhren wir mit dem Auto, denn, wir wollten nicht noch von Fahrern beobachtet werden.
An der Grenze angekommen, begrüßt uns nur ein an eine Kette angebundener Affe, der dort herum sprang. Er konnte uns aber keine Paß-Kontrolle machen! Wir rannten hie und da, bis wir einige Polizisten gefunden haben, die gerade ihr Mittagsschlaf machten.

Die begannen mit meinem nigerianischen Kollegen in ihrer Landesprache zu reden, die er aber nicht verstand und versuchte mit ihnen auf Englisch zu kommunizieren. Sie wurden wütend, und erklärten ihn zu einem Rassisten! Sie dachten, dass er seine afrikanische Wurzeln ablehnte.
Schließlich ließen sie uns in Ruhe und wir landeten in einem tollen Hotel in Abidjan, wo ich mich letztlich am Strand erholenn konnte.

Erstmal genug von afrikanischen Abenteuer…

 

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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