Reblog oder so. Also.

Den Text hat Elke Heidenreich geschrieben. Ich habe es gefunden, gelesen und staunte, wie heil und glücklich doch unser Welt vor nicht mal 30 Jahren war. Seit Januar 1985 lebte auch ich schon in dieser Welt und ich kann mich ganz gut daran erinnern, dass wir alle dachten: So ist unser Leben und so wird es IMMER sein. Wer von uns ahnte im Dezember 1988, was im nächsten Jahr alles beginnt und wie es endet?! Und die Bundeskanzlerin haben wir auch, Gott sei es Dank, und sie soll ewig regieren. Heute braucht sie uns noch mehr als vorher! Frohe Weihnachten Angela Merkel! Mir scheint, du bist die einzige, die etwas für uns, für Deutschland, für Europa, für Aleppo machen wird! Ich bin stolz auf Dich. Du schafft es!

Crazy Christmas!

. . . woran kann man sich denn bloß noch halten? Sagen Sie doch selbst – irgendwie ist nichts mehr wie früher, oder? Früher wußten wir: Sonntag war, wenn es nach Braten roch und man die weißen Kniestrümpfe anziehen mußte. Weihnachten war, wenn es nach Plätzchen roch, draußen Schnee lag und man nicht ins Wohnzimmer durfte, Mai war, wenn es Erdbeeren, Dezember, wenn es Grünkohl gab. Eine Schreibmaschine sah aus wie eine Schreibmaschine. Heute sind Schreibmaschinen Computer mit Fähigkeiten wie speichern (?) und Proportionsschrift (??). Und Weihnachten… ach, du liebe Zeit. Wo ist sie, die letzte Woche vor Heiligabend, wenn in jedem Zimmer noch schnell was gebastelt, geklebt und heimlich getan wurde. Weihnachtsgeschenke kaufen wir doch im Sommer, wenn der neue Katalog kommt, und dann haben wir diese Kiste, in der immer Geschenke für alle Gelegenheit liegen. Und wahrscheinlich, ja so gut wie sicher, sind wir Weihnachten sowieso nicht zu Hause – was sollen wir auch hier bei Nieselregen. Weihnachten geht es ab in die warme Sonne! Unter Palmen wollen wir sitzen und eisgekühlte Cocktails trinken, zum Teufel mit Mandelkeksen und Tannenbäumchen, außerdem kann man sich einen Wahnsinnspaß machen und ein zusammenklappbares Plastikweihnachtsbäumchen mitnehmen, das steht dann am Swimmingpool und wirkt rührend.

Was sollen wir denn Weihnachten essen, wir dennoch Daheimgebliebenen? Festtagsbraten ist auch passsé, wie wäre es mit einem leichten Spargelgericht? Es gibt ja alles immer, Mandarinen im Sommer, Spargel im Winter, Erdbeeren rund ums Jahr, und das Weihnachtsoratorium, „Jauchzet! Frohlocket!“, das bringt und am meisten in Stimmung, wenn wir im Frühling auf der Wiese in Toskana liegen und in den blauen Himmel gucken. Alles ist verschiebbar! Alle Werte lassen sich umkrempeln! Männer haben wieder Zöpfe, Frauen ausrasierten Nacken, Unterwäsche trägt man außen, und im Sommer fährt man Ski, um im Winter surfen zu können.

Ich will ewige Werte! Ich will Regen am Totensonntag und Schnee an Neujahr, Kirschen im Sommer und Nüsse im Herbst, ich will männliche Männer und weibliche Frauen und nicht dies androgyne Getue, ich will Weihnachten Weihnachten und Ostern Ostern, und die Braut soll Weiß tragen und der Gärtner eine grüne Schürze, und der Mörder ist der Gärtner. Alles soll sein wie immer, und alle Menschen sollen alles verstehen. Prost.

Wahrscheinlich habe ich jetzt ein Glas zu viel getrunken? Was ist denn los?

Ich weiß auch nicht. Da sitze ich im Dezember, im leichten Blumenkleid in der Sonne, ich sag nicht wo! Und sehne mich nach Weihnachten und Stille Nacht, hier ist heute „Rock um die Uhr“ und wir essen Mangos und schenken uns nix, Schenken ist out, und alles ist möglich, und alles ist egal, ja, was denn nun? Will ich alles so haben wie früher? Nein, nicht doch! Aber das Romantische, das Althergebrachte, das Gewohnte, ach, wenn es so ganz verschwindet, dann wird der Mensch ein Rohr im Winde. Wo anfangen? Wo aufhören? Mit zehn lesen wir Shakespeare, mit vierzig sehnsüchtig umflort „Die Häschenschule“. Rote Rosen auf dem Grab, weiße Lilien am Bett, nicht Mal der Bundeskanzler ist heute mehr, was er früher Mal war. Und stellen Sie sich mal vor, eines Tages könnte der Bundeskanzler sogar eine Frau sein! Dann fällt Weihnachten auf Ostern, wetten?

Dezember 1988, Brigitte Nr 26

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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