Werke Kubickis in der Berlinischen Galerie

Vortrag in der Berlinischen Galerie, Sonntag, 21.05.2017, 12.00 Uhr

Bitte Eintrittskarten selber kaufen

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung Stanisław Kubicki (1889–1942) – „Nicht unsere Werke sind wichtig, sondern das Leben”/ „Nie dzieła nasze są ważne, lecz życie” (Rathaus Kreuzberg, 2-23.05.2017) findet

ein Vortrag von Dr. Lidia Głuchowska statt.

Die Assistenz bei der anschließenden Präsentation übernehmen Studierende der Kunstfakultät Universität Zielona Góra: Katarzyna Smugarzewska, Marta Olejnik sowie Tri Minh Ngutyen und Sinh Truong Nguyen – Teilnehmer des Austauschprogramms Erasmus aus Vietnam am Institut für Visuelle Künste.

Im Zentrum der Betrachtung befinden sich drei von fünf in der Berlinischen Galerie befindlichen Kunstwerke des deutsch-polnischen Avantgardekünstlerpaares Margarete und Stanisław Kubicki: Kirche vor Aufgehender Sonne und Ekstase Kubickis und die Aquarellreihe Kubickas zum Roman Alfred Döblins Die drei Sprünge des Wang Luns.

Weiterhin besitzt das Berliner Museum für Moderne Kunst zwei Pastelle Kubickis, die jedoch derzeit nicht ausgestellt werden: Das Blühen III (1928) und Mutter mit totem Kind (1926).                                  

Dazu ein paar einleitende Worte von Dr. Lidia Głuchowska:

Kirche vor aufgehender Sonne (1919) Kubickis gehört, neben Ekstase zu den zwei bis heute erhaltenen Gemälden Kubickis, die 1919/1920 in der berühmtesten Galerie der Avantgarde – Der Sturm Herwarth Waldens – ausgestellt wurden. Dort wurden sie von Fritz Karsen erworben. Das Motiv geht auf die ersten expressionistischen Darstellungen im Werk der polnischen Künstlergruppe Bunt (Revolte, 19181922) zurück, die Kubicki 1916/1917 im schlesischen Schömberg (heute Chełmsko Śląskie) geschaffen hat. Diese haben ihr Ursprung in den naturalistischen Skizzen der dortigen Landschaft und Architektur, welche immer noch mit den Gegenwartsfotografien davon identifizierbar sind. Synthetisiert wurden sie danach zu expressionistischen Linolschnitten, die sich durch die prägnanten schwarz-weiss Kontrasten auszeichnen und 1917 in Posen/Poznań ironisch als „drei Kuben Kubickis“ (nach dem Motto nomen est omen) mitbezeichnet wurden.
Die weitere Transformation des Motivs erfolgte ca. drei Jahre später. Deren Ergebnis waren – eine elegante Tuschezeichnung, ein verschollenes Aquarell sowie eine Kreidezeichnung. Die Vollendung des Gestaltungsprozesses bildet das in der Berlinischen Galerie befindliches Gemälde, welches zu den am häufigsten ausgestellten Werke des Künstlers zählt.

Motiv der Schömberger Kirche vor aufgehender Sonne
Werke Stanisław Kubickis, 1917-1919, Foto Marek Kubicki,1997,
aus: Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe, Berlin 2007

Die Ekstase (1919), der noch ein Originalzettel der Sturm-Galerie beigefügt ist (Kat. Nr. 60, Lagernr. 83), entstand beinahe parallel zur letzten Version von Kirche… Vom ausgewiesenen polnische Expressionismuskenner, Jerzy Malinowski, wurde das Gemälde zu den drei ersten abstrakten Werken der polnischen Kunst zugerechnet.


Stanisław Kubicki, Ekstase, um 1919

Im Zentrum dieser Komposition – die obere Partie ist gelblich, die untere grau-blau gehalten – befindet sich eine nur skizzenhaft angedeutete, entmaterialisierte, geometrisch aufgefasste menschliche Silhouette. Ihre Hände sind nach oben geworfen, ihre Beine angeknickt, und der Kopf ist nach unten gebeugt. Gesichtszüge und jegliche andere individuelle Merkmalle sind eingespart. Die ganze Gestalt scheint im Raum hoch über dem Boden zu schweben. Sie erinnert an einen Vogel, der im Flug innehält. So visualisiert Kubicki den vom Menschen erträumten Zustand der endgültigen Befreiung vom geistigen und körperlichen Schmerz, den Zustand der buddhistischen Nirwana oder vielleicht des höchsten erotischen Glücks.

In Kubickis Linolschnittfassung von Ekstase bestimmen parallele schwarze Flächen und Linien, die Spannung erzeugen und diese betonen, das Charakteristische des Dargestellten. Dieses Bild wirkt jedoch noch viel abstrakter als die oben besprochene Ölfassung aus der Berlinischen Galerie.

Es existieren noch vier weitere Kompositionen Kubickis in diesem Stil gehalten, die ebenfalls Versuche künstlerischer Visualisierung abstrakter Begriffe darstellen. Alle gehen zwar von der alltäglichen Wahrnehmung konkreter Objekte aus, wie z.B. eines musizierenden oder im Gebet knienden Menschen oder auch der den Kopf stützenden Hand – pars pro toto eines Denkers, sowie einer im Balletttanz vibrierenden Frau, doch sind diese realen Motive in den Linolschnitten Baßgeigenspieler, Demut, La pensée und Tänzerin kaum erkennbar. Diese Werke hatte wohl vor Augen der Gründungsdirektor der Berlinischen Galerie, Eberhardt Roters als er feststellte:

Stanislaw Kubicki, ein Deutsch-Pole, malt im Stil eines dynamischen Kubo-Expressionismus, der in Verbindung mit der Berechnung der Bildkomposition aus pythagoreischen Zahlenfigurationen, später immer deutlicher einen metaphysischen Gedankengrund zu erkennen lässt.

Abstrakte Linolschnitte Stanisław Kubickis, 1918-1919
Ekstase, Der Eintretende, Demut, Maternité, Hockende Frau, Tänzerin, La pensée

aus: Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe, Berlin 2007

***
Ihre 12-teilige Aquarellfolge Die drei Sprünge des Wang Lun (1925) inspiriert vom gleichnamigen Roman Alfreds Döblins, stellte Margarete Kubicka (1895-1984) zeit ihres Lebens mindestens acht Mal aus, was darauf hinweist, welche Gewichtigkeit die Künstlerin ihr beigemessen hat. Dieser hat sie auch ihr melancholisches, verschlüsseltes Selbstbildnis beigefügt. Die Folge widerspiegelt ihre Auseinandersetzung mit dem Buch, die wohl die ganze Künstlergeneration prägte und eine Abrechnung mit der Revolution und zugleich einen Ausgleich zwischen den Idealen der vita activa und vita contemplativa schildert.

Vier Werke Margarete Kubickas aus ihrer 12-teiligen Aquarellenfolge Die drei Sprünge von Wan Lun (1925)  nach dem Roman Alfred Döblins sowie ihr dieser Folge angeschlossenes Selbstbildnis
aus: Lidia Głuchowska, Avantgarde und Liebe, Berlin 2007

Die Gestaltung der Figuren in der Aquarellfolge weist Verwandtschaften mit Umberto Boccionis futuristischen Einmaligen Form des Kontinuität im Raum von 1913 auf, am deutlichsten wohl in ihrem Bild Unaufhörlich gellte Wang. Die Bildfläche wirkt in Werken Kubickas lichtdurschienen und transparent. In ihrer Gestaltungsmethode schlugen sich die Entdeckungen der Photokinetik und der Röntgenbilder nieder, was besonders in Bezug auf die Darstellung menschlicher Figuren zum Ausdruck kommt.

Die futuristisch-transparent-figürlichen Werke Margarete Kubickas sind den zumeist statisch-kubistisch-abstrakten Werken ihres Mannes gegenüberzustellen, was ihre künstlerische Eigenständigkeit deutlich bezeugt.

Kubicka äußerte sich in Aquarell(-enfolgen) häufig. Schnell zu gestalten – sie musste ja als Zeichenlehrerin allein den Unterhalt der 4-köpfigen Familie meistern – waren sie gewissermaßen ihr Tagebuch.

Zu den wichtigsten Aquarellreihen, die sie geschaffen hat, zählten – außer den Drei Sprüngen des Wang Lun, solche Visualisierungen des menschlichen Lebens in der Geschichte wie wohl die schönsten – Tode (1927/1928), Frauen (1943) sowie im autobiografischen Werk 1945. Doch eine absolute Sonderstellung in ihrem Oeuvre hat die ihrem Mann glorifizierende Folge Hommage à Kubicki (1924), die ihn als Avantgardekünstler fortschrittlicher sozialen Ansichten in unterschiedlichen Aktivitäten des modernen Lebens darstellt, von denen keineparadoxerweise – mit Malen oder Schreiben gleichgesetzt wird…

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