Peregrini

Vor ein paar Wochen schrieb uns Brigitte über den Heiligen Cuthbert und ihre Wanderungen in Nordengland. Heute eine Erweiterung des Themas, diesmal über Regensburg. Für meine polnische Leser: Regensburg heißt auf Polnisch Ratyzbona. Seit 2002 hat ein polnischer Politologe, Jerzy Jarosław Maćków (geb. 1961) den Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Ost- und Mitteleuropa an der Universität von Regensburg inne. Hier wohnt auch der polnische Komponist Tomasz Skweres (geb. 1984) und ist 1927 Joseph Ratzinger, 2005-2013 Papst Benedictus XVI., geboren.

Brigitte von Ungern-Sternberg

Eine iro-schottische Einwanderung in Deutschland

Regensburg war die erste Stadt, die ich als Jugendliche von einer Ecke zur anderen mit einem Stadtführer in der Hand systematisch ergründet habe. Die Schottenkirche St. Jakob ist mir damals ganz besonders aufgefallen und in Erinnerung geblieben.

So sah die Kirche aus noch 150 Jahre vor meiner Wanderungen, auf einer Aquarell von Wilhelm Rehlen (1796–1831), deutscher Zeichner und Architekt, aus dem Jahre 1816

Regensburg entstand als römisches Legionslager Castra Regina, davon ist noch ein Tor vorhanden. Dann  entwickelte sich der Ort zu einer wichtigen mittelalterlichen Stadt mit gotischem Dom. Es war ab 1683 Standort des ‚Immerwährenden Reichstags’ des Heiligen Römischen Reichs bis zu dessen Ende 1806. Das Haus, in dem die  Reichsstände  tagten, kann besichtigt werden. Das Barockzeitalter prägte die Stadt mit Bauwerken… So weit so gut, Regensburg entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ähnlich wie andere historische Städte in Deutschland.

In einer ruhigen Straße in der Nähe des Domes gibt es eine Kirche, die aus dem Rahmen fällt und die in kein Schema passt, die Schottenkirche St. Jakob bzw. das Schottenkloster. Die Skulpturen des Eingangsportal sind ganz anders als die anderer Portale, seien sie romanisch oder gotisch, sie kommen aus einer fernen Bilderwelt mit Wurzeln in der keltischen Kultur auf den britischen Inseln. Was veranlasste die iro-schottischen Mönche, sich im 11. Jahrhundert in Regensburg niederzulassen und eine Kirche nach ihrem Geschmack zu bauen?

Ein Name wird genannt: Marianus Scotus, geboren in Irland, gestorben in Ratisbon (Regensburg). 1067 verließ er seine Heimat, um eine Pilgerfahrt nach Rom anzutreten, so in einem Artikel.  Und dann heißt es: Wie so viele seiner Landsleute, die den Kontinent besuchten, traf er die Entscheidung, sich in Deutschland anzusiedeln und nicht mehr nach Irland zurückzukehren. Gefiel es ihm in Regensburg besser, war dort das Wetter, das Bier besser? Marianus Scotus gehörte jedenfalls bereits zur zweiten Welle von iro-schottischen Mönchen in Deutschland, er war einer von vielen, allerdings ein Gelehrter, sein Name wurde überliefert.

Die Mönche der ersten Welle traten die ‚Peregrinatio pro Christo‘ ein paar Jahrhunderte früher zur Zeit der Merowinger an, sie bekehrten die heidnischen Germanen zum Christentum, gründeten Kirchen und Klöster, sie hießen Gallus, Columban, Kilian, Bonifatius…

Kamen die ‚Peregrini’ der zweiten Welle, um nachzusehen, ob die Germanen bei der Stange geblieben waren? In Regensburg ist in einem anderen Kloster St. Emmeram begraben, er gehörte zur ersten Welle der iro-schottischen Mönche.

 

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Jedna odpowiedź na „Peregrini

  1. ewamaria2013 pisze:

    Kommentar geschrieben in einer Mail an die Autorin, mir hat es so gut gefallen, dass ich um Erlaubnis bat, die Mail hier zitieren zu dürfen:

    „Liebe Brigitte,
    herzlichen Dank für Deinen schönen, sehr lebendigen Essay zur Schottenkirche. Sie gehört auch zu meinen ersten Regensburger Eindrücken, von Eichhofen her. Bis heute ist das Bildprogramm, das schon die Romantiker als heilige „Hieroglyphen” bewunderten (z. B. Brentano), noch nicht erschlüsselt. Ich gehe oft an der Schottenkirche vorbei, die ja nur ein paar hundert Meter von unserer Wohnung entfernt ist. Die schottischen Mönche haben übrigens bis ins 19. Jahrhundert hinein das Kloster bewohnt, da es ja als ausländischer Besitz nicht säkularisiert werden konnte. Mit Deinem schönen Aufsatz wird die Schottenkirche sicher neue Freunde gewinnen.

    Mit herzlichen Grüßen

    Wolfgang”

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