Frauenblick 15

Monika Wrzosek-Müller

Cherchez la femme Perücke, Burka, Ordenstracht im jüdisches Museum

Die Ausstellung wurde bis zum 27. August verlängert… es lohnt zu gehen, speziell mit einer Führung.

Aufmerksam wurde ich auf die Ausstellung durch ein Plakat geworden, das an mehreren Orten in Berlin hing. Es war die Fotografie eines androgynen Wesens, den Kopf nach vorn gebeugt, halb von hinten, das Gesicht völlig durch die Haare verdeckt, nackt; es sollte quasi wie ein Porträt aussehen. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob das ein Jüngling, ein Mädchen oder eine Frau war. Die Haare waren hinten ganz kurz, vorne aber hingen sie wie ein ganz langer Pony. Es löste bei mir ein Gefühl der Unsicherheit aus, zum einem wusste ich nichts über das Geschlecht, und das Gesicht war durch die Haare auch verdeckt, es irritierte mich.

Also ging ich ins Jüdische Museum und sah mir die Ausstellung an, zum Glück mit einer kompetenten Führung. Da die Kuratoren nicht mit Texten und direkter Vermittlung von Wissen arbeiten, hätte ich vielleicht eher hilflos dagestanden.

Zuerst sind es die Augen der Männer, die Blicke, die dich verfolgen. Unter diesen Blicken beginnt das Nachdenken über das eigene Aussehen – und die Haare haben einen wichtigen Platz in diesen Gedanken. An die Wände der Ausstellung werden Zitate aus der Bibel, dem Koran und dem Alten Testament projiziert, die von der Verhüllung des Kopfes sprechen. Eigentlich sollen in allen Religionen die Frauen ihre Haare bedecken, wenn sie aus angesehenen Schichten kommen. Das Haar wird als sehr intim und wichtig für das eigene Aussehen empfunden. In den Vitrinen sind alle möglichen Formen und Arten weiblicher Kopfbedeckungen ausgestellt; für mich fehlen vielleicht Darstellungen der Art und Weise, wie die jüdischen Frauen ihren Kopf bedecken. Es gibt auch Exponate von Ganzkörperbedeckung, den arabischen Hidschab, der im Persischen Parde genannt wird und immer Vorhang, Schleier, Bedeckung bedeutet, es gibt auch Niqab und Burka bis zum weißen Hochzeits- und dem Trauerschleier aus unserer christlichen Kultur, es gibt auch Platz für die Ordenstracht, die Kopfbedeckung der christlichen Nonnen.

Die Ausstellung will vermitteln, wie Frauen zu der Entscheidung kommen sich zu verhüllen oder auch nicht, zugegeben: nicht alle haben die Wahl. Doch der letzte Schliff oder die Eleganz liegt in den Händen der Frau, und es ist nicht zu leugnen, dass die Frauen mit Kopftuch in der Ausstellung sehr anziehend aussehen. Es werden Videos gezeigt, wie man die Tücher auf dem Kopf bindet und richtig arrangiert, damit es perfekt aussieht; ich finde, und vielleicht will die Ausstellung das auch vermitteln, dass wenn die Frauen ihren Kopf so schön und präzis umhüllen, dann wird das Kopftuch nicht mehr zum Element der Unterdrückung der Frau.

Irgendwo im Raum steht dann auch eine Skulptur, eine Installation. Sie wurde von einer persischen Künstlerin, die in Schweden lebt, Mandana Moghaddam geschaffen. Von Weiten ist sie als eine Frauenfigur erkennbar, die gänzlich aus Haaren geknüpft wurde und in einer Glasvitrine steht. Von Nahem sucht man vergeblich nach dem Gesicht, der Blick verliert sich in der Unmenge von Haaren. Sie ist zwar in einem gläsernen Kasten eingegrenzt, doch die Haare kommen unten aus dem Glas heraus. Natürlich ist das eine Anspielung, dieses schöne, kräftige schwarze Haar, das die Frauen in dem Teil der Welt haben und das sie verstecken müssen. Doch die Skulptur drückt viel mehr aus; sie ist kräftig, und zugleicht zerfließt sie, die Gesichtslosigkeit macht sie auch gruselig. Die Künstlerin hat eine Reihe von „Chelgis“, wie sie das Werk genannt hat, geschaffen. Die Chelgis ist eine Figur aus einem persischen Märchen und bedeutet so viel wie „vierzig Zöpfe“. Im Märchen geht das Mädchen mit den vierzig Zöpfen in einen wunderschönen Garten und wird dort von bösen Dämonen eingeschlossen. In der Umgebung des Gartens leiden die Menschen an Wassermangel, weil das Wasser aus den Quellen, die im Garten sind, aufgehört hat zu fließen. Doch die Menschen können die Dämonen nicht töten und nicht in den Garten eindringen. Die einzige Hoffnung für sie ist Chelgis; sie soll das Lebenselixier der Dämonen finden und es zerstören, dann beginnt das Wasser wieder zu fließen. So hängt alles von der Frau ab, sie muss die Dinge des Lebens regeln und die Menschen beschützen. Für die Künstlerin soll die Figur das repräsentieren.

An einer anderen Wand hängt eine Videoperformance einer jungen Künstlerin, Nilbar Güres; sie heißt Undressing, in der sich die Künstlerin von mehreren Schichten von Schleiern befreit, man steht lange vor dem Bildschirm und schaut gebannt zu, wie sie Schicht für Schicht entfernt, und als man fast schon glaubt, sie würde das Gesicht nie entblößen, kommt es zum Vorschein. Andere Videoinstallationen zeigen, wie die Frauen die Kopfbedeckung arrangieren, und Interviews mit einigen zeigen, wie sie sich damit fühlen und warum sie eine Kopfbedeckung bevorzugen. Es sind Frauen, die freiwillig das Kopftuch tragen. Das Foto aus dem Plakat hängt auch in der Ecke, es ist von einer US-Künstlerin, Anna Shteynshleyger, und es heißt Covered , und obwohl der Kopf bedeckt scheint, sind die nackten, entblößten Schultern und der Rücken das Gegenteil von covered.

An anderer Stelle gibt es Informationen über die Verbote von Verhüllung des Gesichts in Frankreich und vom Baden in Burkinis. Es gibt auch eine Weltkarte, auf der die Regionen farblich gekennzeichnet sind, wo die Frauen welche Kopf- und Körperbedeckung tragen.

Eine andere Welt wird in einer Reihe von Fotografien westlicher Frauen mit Kopfbedeckungen gezeigt: mit Hut, Perücke oder Mütze und ohne. Manchmal kann man die Frau mit einem Hut oder in einer Perücke gar nicht wiedererkennen.

Dann gibt es auch eine Installation von Modenschauen aus Istanbul; da wird ganz genau sichtbar, dass die Welt des Kopftuchs ihren Weg in die ‚High Fassion‘ gefunden hat, alle Elemente der traditionellen orientalischen Kleidung fließen in diese Designerstücke, in die moderne Kleidung ein.

Was sehr positiv an dieser Ausstellung ist: sie drängt niemandem etwas auf, ist neutral bis zum geht nicht mehr, und durch ihre Konzeption zwingt sie den Besucher nachzudenken und sich auseinander zu setzen mit den Fragen von Verbote und Abneigungen. Wie die Kuratorin Miriam Goldmann sagt, sei die Ausstellung „als Kommentar zur Diskussion gedacht und ganz sicher nicht als abschließende Bewertung“.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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