Barataria 43 Atlas der abgelegenen Inseln

Judith Schalansky, die Autorin des Buches, ist, ob sie es weiß und will oder nicht, eine Barataristin erster Klasse. Für die, die es (noch) nich wissen, zur Erklärung: Barataria ist eine imaginäre Insel, die im 2. Teil des Romans Don Quijote durch einen grausamen Witz dem guten Sancho Pansa als sein Gouvernement gegeben wurde. Ich bin die erste Barataristin der Welt, da ich diese Wissenschaftssparte entdeckt, genannt und entwickelt habe. Ihr Hauptziel und -sinn ist, in der Kultur, Sprache, Geschichte und – ja auch – Geographie die Ursprünge und Nachfolgen des literarischen Urmusters zu suchen. Als Gründerin dieses Wissensbereiches bin ich mächtig, manche von mir gefundene (und erfundene) Wissenschaftler zu Barataristen zu ernennen. Natürlich bin ICH die wichtigste Barataristin der Welt :-). Ich schreibe meistens auf Polnisch, aber es kamen schon ab und zu die baratarischen Aufsätze auf Deutsch, wie z.B. HIER oder HIER, aber auch HIER oder Englisch wie HIER. Sowieso ist Polnisch, besonders unter der jetzigen Obrigkeiten, eine Sprache, die schlechthin dafür vorbestimmt wurde, über fantastische, nicht existente Insel zu berichten – bedenken wir nur die letztens so berühmte Nichtinsel (das Nichtland) San Escobar – siehe z.B. HIER oder HIER.

Und noch eine letzte Erklärung. Man könnte meinen, die berühmteste Nichtinsel der Welt ist Atlantis und nicht Barataria. Wohl schon, aber weil sie von vielen doch für eine echte Insel gehalten wird, eignet sie sich nicht besonders gut als Stoff für Wissenschaftler. Man verwickelt sich sofort in die Debatte, gab es sie, oder gab es sie nicht? Dafür ist Barataria als Gründungsmythos ganz klar eine Nichtinsel, eine fiktive Erfindung, die man als Projektionsfläche für viele Theorien und Abenteuern nutzen kann. Man geht nur auf den verflochtenen Wegen der Kultur und muss sich nicht für so was Flüchtiges wie Wahrheit kümmern. Die Barataria als Erfindung wird immer wider benutzt und damit gewinnt die Metapher immer wieder ihre neue Aktualität. Das letzte Mal, dass jemand Gubernator von Barataria genannt wurde, notierten die Barataristen im September dieses Jahres, als die Katalonen versuchten, ihre Unabhängigkeit zu erzwinge. Es ist ihnen nicht gelungen und die spanische Zeitung El Pais schrieb:

La Ínsula de Barataria

Soñé que Don Quijote anda convencido de que Sancho se irá pronto a gobernar la nueva República Catalana. / Ich habe geträumt, dass Don Quixote glaubt, Sancho Pansa sei bald Gubernator der neuen katalanischen Republik. (…) Aber es war nur ein grausamer Witz.

                                        Puigdemont umarmt Artur Mas. LLUIS GENE AFP

Lieber Leser / liebe Leserin, sorge dich nich um den roten Faden dieses Essays. Er geht nicht verloren. Ein Essay ist ein Versuch und es scheint charakteristisch für die Barataristik, dass man in den Text schlangenschaft wandert, um nicht zu behaupten: irrt. Aber irgendwann kommt man zurück.

Also: Judith Schalansky und ihr Taschen-Atlas der abgelegenen Insel. Herausgegeben 2009.

Eine junge Autorin, geboren 1980, schrieb schon im Titel, dass es in ihrem Buch um Träume geht. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. Wie wahr. Lesen wir die Liste: St. Helena, Diego Garcia, Amsterdam, Tristan da Cunha, Socorro… Wieviele von uns waren auf einer von diesen 50 Inseln? Jeder, schreibt Wikipedia, ist eine Doppelseite im Buch gewidmet, die geographische, demographische und historische Angaben, anekdotenhafte Bruchstücke aus der Geschichte der Insel sowie eine Karte im Maßstab 1:125.000 enthält. Gestaltet wurde das Buch ebenfalls von der Autorin. Als Schrift verwendet sie Sirenne.

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Sie ist in Greifswald geboren, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign, unterrichtete typografische Grundlagen an der Fachhochschule Potsdam und lebt heute als freie Schriftstellerin und Buchgestalterin in Berlin. 2006 veröffentlichte sie ihr typografisches Kompendium »Fraktur mon Amour«. 2008 erschien ihr literarisches Debüt, der Matrosenroman »Blau steht dir nicht« (mare). Für ihren »Atlas der abgelegenen Inseln« (mare, 2009) wurde sie mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Im Herbst 2011 erschien ihr Bildungsroman »Der Hals der Giraffe« im Suhrkamp Verlag, der 2012 wieder zum »Schönsten deutschen Buch« gekürt wurde. Judith Schalanskys Bücher sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seit dem Frühjahr 2013 gibt sie im Verlag Matthes & Seitz Berlin die Reihe NATURKUNDEN heraus.

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Polska pisarka w Berlinie
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