Na Saksy 4 Über die Märchen

Łucja Fice

Die letzten Tagen

Dieser Nachmittag war nicht angenehm. Elvira wusste sich für meine freien Stunden zu revanchieren. Sie schickte mich in den Keller, ich sollte den Fußboden wischen, die Regale sauber machen und zweihundert Gläser mit Eingemachtem einsortieren, die vorher sorgfältig geputzt werden mussten.

„Alles muss sauber sein, alles muss tipptopp sein”.

Ich widersprach nicht. Das Alter besiegte mein ich. Diese deutsche Gründlichkeit fand ich entsetzlich. Da half mir aber meine Gewitztheit. Irgendwie musste ich das packen. Ich wickelte ein Buch ins Wischtuch ein und steckte es in die eine Schürzentasche, in die andere kam eine Taschenlampe und holte den Wassereimer und den Mopp aus der Besenkammer.

„Ich gehe in den Keller!”
„In einer Stunde musst du alles schaffen”, erwiderte die Alte hart.

Das war eine angenehme Lesestunde. Ich fühlte mich wie ein kleines Mädchen, dem man das Lesen verboten hat und das es heimlich tun muss. Als ich Elvira die Treppe runterkommen hörte, schaffte ich es, den Fußboden nass zu machen und mit dem Tuch über die Regale zu fahren. Der Betrug war gelungen.

***

Nur noch drei Wochen bis zum Vertragsende. Ich wollte keinen Ärger. Ich fasste den Entschluss. Morgen rufe ich die Agentur und die Tochter der Alten an. Ich wollte nach Hause. Die unwiderrufliche Entscheidung stand fest.

Nach zwanzig Uhr stand das Gießen der Rabatten auf dem Programm. Ich schleppte die Kannen mit zehn Litern Wassern, so dass meine Wirbelsäule quietschte. In diesem Moment hätte ich die Alte ermurksen können. Ich verwarf diese unschönen Gedanken und begann zu singen. Ich wusste es! Meine Heiterkeit würde sie erbosen. Ich reizte sie bis zur Weißglut.

„Schrei nicht so rum!”, brüllte Elvira aus dem Fenster und schaute mich verächtlich an. Sie sah aus wie eine böse Hexe, die sich zum Fotografieren aufplusterte. Die abgewetzte Schürze passte ideal zur abgemergelten Figur dieser langnäsigen Xanthippe. Es fehlt nur noch, dass sie mir einen roten Apfel aus dem Fenster zuwirft, den ich esse, mich vergifte und zu singen aufhöre.
„Willst du mich bezahlen, wenn ich aufhöre?”, entgegnete ich.

Ein anderer hätte wenigstens gelächelt, aber doch nicht diese alte Frau, die Fröhlichkeit unmoralisch fand und sich an Traurigkeit und Tränen ergötzte. Ich war aufgebracht und sang weiter. Die Alte donnerte das Fenster zu. „Hab’ ich denn so falsch gesungen? Mein Gott! Warum bedachtest du mich mit keiner Begabung, auf der ich mein verdammtes Leben stützen könnte”, sagte ich laut.

Uff! Die Arbeit war erledigt, der nächste Tag vorbei und trotzdem dachte ich, ich sei verrückt, dass ich diesen Vertrag nicht sofort kündige.

***

An diesem Tag hatte die Alte einen Termin beim Augenarzt. Ich hatte also frei und konnte sogar telefonieren. Dem Opa tat es auch gut, er bekam rote Wangen, lächelte, trank Wasser und aß die Süßigkeiten, die ich ihm anbot, wofür er sich mit Augenbewegungen bedankte. Ich freute mich darüber. Ich wusste, dass er die Augenblicke liebte, die er mit mir allein verbringen konnte. Seine Frau schenkte ihm sowieso keine Aufmerksamkeit. Er war für sie wie Luft, ein Mann ohne Eigenschaften, er blieb immer im Hintergrund. Ich nahm es dieser Hexe übel, dass sie ihren eigenen Mann so schlecht behandelt, ich war oft frustriert darüber. Für mich war er wertvoll, wie jeder ältere Mensch. Diesen Wert fühlte ich mit den Sinnen, unterhäutig. Ich sah seine innere Ruhe, die zwar zuweilen verflog und in Unruhe oder gar Aggressivität umschwenkte, wenn er mir seine geballten Fäuste unter die Nase hielt. In solchen Augenblicken erklärte ich mir das Verhalten meiner Schützlinge mit ihrem Alter, ihrer Krankheit und Schmerzen. Er hatte ungewöhnliche Augen. Ich schaute gern in diese scharf blickenden Katzenpupillen. Ich wusste ihn zu schätzen und es schmerzte mich, wenn Elvira ihren Mann ein ‚altes Schwein’ schimpfte.

***

Es blieb mir jedoch nichts anderes übrig, als die Agentur zu bitten, den Vertrag zu kündigen. Über diesen Entschluss informierte ich sie telefonisch.

„Ich will nach HAUSE, nach HAUSE!”
„Gabriela, wir beenden diesen Vertrag! Diese Familie verzichtet auf die Dienstleistungen unserer Agentur, also können wir niemanden an Ihre Stelle schicken.”
„Warum?”
„Wir glauben, es wird den Leuten zu teuer.”
„Also muss ich bis zum Schluss bleiben?”
„Genau! Ist aber bald vorbei”, tröstete mich Joanna. Meine Augen wurden feucht vor Ärger. Ich rief die Tochter von Elvira an. Ich hörte sie lallen und verstand nichts, bis auf das, dass sie betrunken ist. Also hatten die Nachbarn doch Recht, dass die Tochter Elviras Alkoholikerin ist, die nie nüchtern wird und dass ich mich nie mit ihr verständigen kann. Ich war sechs Wochen dort und sie verspürte nicht ein einziges Mal das Bedürfnis, ihre Eltern zu besuchen. An diesem Abend wollte ich nicht allzu früh ins Bett, ich legte mich auf Sofa. Die Gedanken in meinem Kopf flogen wie Billardkugeln umher. Im Zimmer befand sich nichts außer der Farbe an den Wänden. So schien es mir zumindest. Mich umspann Langeweile, bis ich etwas wie Flüstern vernahm. Es kam wie aus einem fahrenden Zug, der ruckelte und ratterte. Ich schlief nicht. Obwohl sich Träume bei mir plötzlich einstellen, war ich diesmal hellwach. Ich sah einen Menschenfluss, der über Felder auf mich zukam. Ich schaute sie mir an, wie einen bunten Katalog, in welchem mich die Anzahl der Kleider, Blusen und Hosen entzückte. Über ihren Schultern sah ich etwas oder jemanden, den ich nach der Rückkehr in die Realität vergaß, obwohl mir dieses mit den Sinnen registrierte Bild so realistisch erschien. Ich merkte mir eine weiße, dunkelblau gestreifte Bluse. „Was war das?”, fragte ich mich später.

***

Uff! Ich hab’s geschafft. Der Vertrag ist zu Ende. Mein Koffer steht gepackt in der Diele. Nur noch das letzte Abendessen und das Taxi bringt mich zur Bushaltestelle, ich steige in den Sindbad-Bus und es geht… nach HAUSE. Ich warf den letzten Blick auf mein Zimmer. Ich tanzte meinen Freudentanz und verabschiedete mich von den Wänden. Obwohl ich hier zwei Monate nächtigte, war die Spur, die ich in diesem Zimmer hinterlasse zu zart und zu flüchtig, als dass sie von jemanden vernommen werden könnte. Nicht einmal einen Geruch werde ich hier lassen, denn dieses Zimmer hat mich nicht richtig verinnerlicht. Ich hatte den Eindruck, als verließe ich leere Wände. Ich dachte an Elvira: „Eine furchtbare, alte Frau, die mich fertig gemach hat.” Ihre Verachtung einer Pflegerin gegenüber resultierte vermutlich aus der Sehnsucht nach der Jugend (irgendeinen Grund muss es ja dafür gegeben haben). Ich freute mich, dass ich nicht mehr jeden Tag ihrem Gejammer zuhören, ihre gealterte Haut sehen, den Geruch ihres Schweißes im ganzen Haus einatmen, ihre Sprüche ertragen und ihren Befehlen gehorchen muss. Ihr Lachen, das gar keine Freude versprühte, sondern erzwungen war, verunsichert mich sogar jetzt, als ich das schreibe. Im Grunde waren wir doch beide lächerlich. Zwei alte Frauen, die eine nur etwas jünger als die andere! Wie immer, versuchte ich, alles Unangenehme zu verdrängen. Ich schloss eine Tür hinter mir, die ich nie wieder öffnen werde und ging zum letzten Abendmahl.

Die Alte fragte mich nach meinen Wünschen.

„Was wirst du mit dem verdienten Geld machen? Was würdest du tun, wenn du mehr hättest?, fragte sie, schief lächelnd.
„Musst du auch jetzt noch gehässig werden? Ich habe es doch redlich verdient, also ist es nicht deine Sache.”
Die Seniorin brachte mich zum Taxi, das vor dem Haus wartete. Sie bezahlte die Fahrt, dann verabschiedeten wir uns.
„Behalte uns in guter Erinnerung!”, bat sie. „Entschuldige, dass du schwer arbeiten musstest, aber ich habe dich doch dafür bezahlt.”
Elvira zog aus dem Körbchen ihres Rollators ein schwarzes Täschchen, das mir schon früher aufgefallen ist.
„Das ist für dich, für den Silvester deiner Träume”.
Ich spürte eine angenehme Wärme in der Herzgegend, nichts Besonderes, aber wohlig eben. Das Täschchen schien mir irgendwie magisch. So eines würde ich nirgends zu kaufen bekommen.
Diesen Vertrag überlebte ich wie eine schwere Krankheit. Aber bevor ich zuhause ankam, waren alle Plackereien und Unannehmlichkeiten vergessen. Diese Fähigkeit, vergessen zu können, freute mich. Ich war zufrieden, dass ich die Alte, die Macht über mich hatte, besiegte. Und diese Zufriedenheit war das Wichtigste.

Zu Hause

Mein Mann war nicht auf meine Ankunft vorbereitet, wie letztens übrigens immer. Ich habe diese Veränderung bemerkt. Ich bat ihn, mir einen Kaffee zu machen. Ich lächelte mein Schicksal an, ich hatte Arbeit, ich war gesund. Und nach dem Frühstück folgte das große Auspacken.

„Und das ist das magische Täschchen für dem magischen Silvester.” Ich warf es auf den Tisch und widmete mich wieder dem Leeren meines Koffers.
„Weißt du überhaupt, was in dieser Kosmetiktasche drin ist?”, fragte mein Mann
„In welcher Kosmetiktasche?”
„Na in diesem Täschchen.”
„Was soll denn da drin sein?”
„Schau ‚mal.” Mein Mann holte ein Geldbündel raus und breitete die Scheine wie Spielkarten auf dem Tisch aus. Er zählte. Ich stand wie versteinert da. Ich traute meinen Augen nicht. Es waren sechzig Fünfeuroscheine. Ich begriff, dass die Frau jeden Tag fünf Euro sparte, um mir zum Abschied eine Überraschung zu bereiten und das Sparen schmackhaft zu machen, wovon sie ja so viel hielt. Ich war gerührt. Nun verstand ich, was Elvira meinte, als sie sagte:
„Was würdest du tun, wenn du mehr Geld hättest?” Ich weiß noch, was ich damals gedacht habe. Dieses Märchen kam also auf meine persönliche Bestellung, dessen war ich mir vorher gar nicht bewusst. Eines ist aber sicher! Man bekommt kein Geld für umsonst. Das ist die dritte WAHRHEIT, die ich entdeckte, obwohl ich es eigentlich immer wusste. Ich dachte: „War es mein Wunschdenken, das diese Belohnung erwirkt hat?” Existiert in dem uns umgebenden elektromagnetischen Feld wirklich ETWAS neben mir? Ist die Welt vielleicht ein Spiegelbild meiner Träume? Oder der Punkte in meinem Inneren? Ich erinnerte mich an die Worte meiner Mutter: DAS LEBEN LIEGT HINTER DEM KRISTALLSPIEGEL. Oder bin ich vielleicht ein kosmisches Spiel, Teil eines Hologramms und das Leben ist eine Magie?

Ich ließ diese Gedanken fallen, setzte mich hin und sagte zu meinem Mann: „Liebling! Vielleicht sind es die Quanteneffekte, die die Türen zum freien Willen öffnen und Möglichkeiten zur Wunscherfüllung liefern? Vielleicht hängt alles von uns selbst ab? Wir bestehen doch aus Gedanken und Gedanken sind eine Art von Wellen.”
„Du glaubst wohl an Märchen? Du denkst doch nicht logisch. Zum Denken verwendet man doch das Gehirn. Unsere Welt wird, mein Dummchen, von physikalischen Gesetzen regiert, die unter jeglichen Bedingungen objektiv und verifizierbar sind.”
Ich war da anderer Meinung.
„Du weißt doch ganz genau, dass nicht nur Philosophen, sondern auch moderne Wissenschaftler das Kausalgesetz und die materielle Welt anzweifeln, so wie sie von dir, von uns allen wahrgenommen wird. Angezweifelt wird bereits das Paradigma, nach dem unsere Welt ewig ist, mein Lieber. Die Theorien von Newton und Einstein sind zwar richtig, aber inkomplett. Unsere Welt ist komplizierter und unvoraussehbarer als es die größten Denker früher annahmen. Na gut! Du glaubst an die rationale Ordnung der Dinge, wo es keinen Platz für übernatürliche Phänomene gibt. Und ich denke, dass die Quantenphysiker schon bald eine vernünftige, wissenschaftliche Erklärung für diese, doch in der Natur stattfindenden Prozesse und Erscheinungen finden werden.”
„Ja, meine Liebe, ich bin ein Materialist und Rationalist. Und solche Menschen lassen keine anderen Erklärungen gelten als die, die der gesunde Menschenverstand liefert.”
„Hör’ einmal zu, du Dämlack…”, revanchierte ich mich. „Allein die Tatsache, dass diese komische Welt, das Leben und unser Bewusstsein entstanden, ist unwahrscheinlich genug und trotzdem akzeptierst du das. Ich akzeptiere mein übernatürliches Element, das heißt meine Träume und andere Geisteszustände. Die wirkliche Natur der Welt ist noch nicht erforscht, also sei dir nicht so sicher.”
Ich kannte meinen Mann und wusste: wenn er an seinen Daumen zupft, dann heißt es, dass er sich stark konzentriert.
„Und was mein Gehirn anbetrifft – ich leihe mir von dir die Fernbedienung mit Zugriff zu deinem Kopf.”
Er stand auf, trat an mich heran und nahm mich in seine breiten Arme und ich ließ mich umarmen. Damit war die Diskussion beendet.

***

Der Bus fuhr weg und ich stand mit meinem Koffer da und schaute mir das zweistöckige, vornehme, mit einem Gitter aus Gusseisen umsäumte Haus an. Die dekorativen Spiralen und spindelförmig gebogenen Stäbe ließen keinen Zweifel daran, dass die Umzäunung nicht allein als Zierde gedacht war. Ich konzentrierte mich. Meine langjährige Erfahrung im Arbeitstourismus lernte mich, über die Qualität des Vertrages erst nach einigen Tagen zu urteilen. Und mein Instinkt gebot es mir, im Gedächtnis zu wühlen.

Hinter dem Tor wartete eine neue Welt und ein neues Märchen auf mich. „Wer werde ich hier sein?”, dachte ich, bevor ich auf die Klingel drückte. Ich war froh gesinnt und optimistisch eingestellt. Vor einiger Zeit habe ich ein neues Programm in meinem Kopf eingespeichert: Null Angst, keine unerwünschten Vorstellungen, keine negativen Gedanken. Die Welt ist schön und sie wird dich schon eines schönen Tages von selbst anlächeln, in dem Moment, wo du es gar nicht erwartest. Ich las die Inschrift, die auf dem Schild am Tor eingraviert war:

DU SIEHST MICH NICHT, DU HÖRST MICH NICHT, ABER GLAUB MIR, ICH BIN DA”.

Mein neuer Koffer war leichter als sonst und ich war auch leicht, innen fast leer. Das erste Klingeln, dieser erste Moment, der für die Qualität des Vertrags ausschlaggebend ist. Oben auf der Hauswand stand das Baujahr: 1834. Ich hob den Blick, schaute mir das Haus mit den eingebauten Holzbalken an. Ein neues Dach. Hölzerne, dunkelblaue Außenjalousien machten das Haus noch reizvoller. Achtzehn Uhr.

Also soll das neue Märchen geschehen, denn das Leben ist für mich nur noch ein Märchen. Ich wunderte mich regelrecht, dass in mir nichts aufstieg, keine Angst, keine Furcht.

Irgendjemand machte das Tor auf und… fünf Personen kamen aus dem Haus, um mich zu begrüßen. Plötzlich standen auch zwei Hunde da. Erst jetzt verstand ich die Inschrift auf dem Schild am Tor. Die Hunde begrüßten mich wohlwollend und wedelten mit den Schwänzen. Alle lächelten mich an. Ich revanchierte mich und verschenkte auch das Beste, was ich in diesem Moment hatte. Die Begrüßungszeremonie prägte sich wie ein goldenes Siegel in meiner Seele ein. Ich fühlte mich so, als hätte dieses Haus auf mich gewartet.

Ich bin Klaudia, die Tochter vom Heinz, den du betreuen wirst. Papa ist noch im Pflegeheim. Wir holen ihn am Montag ab.

Dann kam Martin, Klaudias Mann und ihr Bruder Thomas mit seiner indischen Frau dran. Vor dem Haus wuchsen zwei große Palmen. Martin nahm meinen Koffer. Wir gingen hinein.

Das Gästezimmer war voller Blumen und ich fühlte mich, als hätte mir jemand einen Kranz aus Tausendschön aufgesteckt. Ich fühle mich damals wirklich wie ein Tausendschön und bedankte mich beim Schicksal für diese herzliche Begrüßung. Ich hatte keine Angst, so bekam ich das, was ich wollte.

„Ich heiße Helga, mein Mann hatte einen Schlaganfall”, im Gesicht der Frau malte sich Unsicherheit und Bangigkeit.
Für ihr Alter sah sie sehr gut aus. Es war keine gebückte Fünfundsiebzigjährige, sondern eine attraktive Frau. Ich reichte ihr die Hand und sagte tröstend:
„Machen Sie sich keine Sorgen, es wird alles gut werden. Ich habe zehn Jahre Erfahrung im Umgang mit kranken Menschen.”
„Oh! Gott sei Dank!”
„Aber… Mein Deutsch ist keineswegs perfekt, mit der Grammatik hapert es. Dafür ist mein Wortschatz recht groß, so dass ich mich gut verständigen kann. Ich spreche auch Englisch.”
„Wunderbar!”, sagte Martin. „Wir sprechen alle Englisch.”
„Na, dann hätte ich es nicht besser treffen können”, ich verschenkte mein Lächeln und wusste genau, wie die Konversation aussehen wird. Doppelsprache, Denglisch, also so, als würde ich eine neue Sprache kreieren. Ich bin die Schöpferin einer neuen Sprache, der Gabi-Sprache.

Das Gespräch war eine Wonne. Ich erzählte von mir, von meiner Kindheit und vom Kindergarten, als die Erzieherin zu mir sagte: „Gabi! Du wirst einmal eine Pflegerin oder eine Ärztin werden.” Ich konnte wirklich gut umgehen mit den Kleinen. Ja! Ich wollte immer Ärztin, Kinderärztin werden und wurde Chemikerin. Diese Erinnerung war dann lange verschüttet, sie kam erst wieder hoch, als ich Pflegerin wurde. Helga erzählte von ihrer Familie, über ehemalige Pläne, Träume, über den Umzug in dieses große Haus. Es machte Spaß, ihr zuzuhören. Thomas, der Sohn Helgas, machte einen unbekümmerten Eindruck, er wirkte so, als hätte er nie im Leben irgendwelche Probleme gehabt. Ständig lächelnd bedachte er uns mit witzigen Sprüchen und ich ließ sie alle in meine etwas irrationale Welt hineinblicken. Ich dozierte, dass das Leben keine Schicksalsfügung ist, sondern dass wir es selbst gestalten. Und diese Realisten hörten mir zu, als würde ich eine neue Pforte vor ihnen öffnen. Ich wollte Helga vor allem Schlimmen beschützen, was auf sie zukommen würde als der gelähmte Ehemann zurück nach Hause komme. Immerhin bin ich ja deswegen zu ihnen gekommen.

Somit beenden wir diese kleine Reihe der Texte aus dem neuen Buch von Łucja Fice über ihre Erfahrungen als, wie sie es selber sagt, Arbeitstouristin in Deutschland. Frühere Beiträge findet man HIER, HIER und HIER. Das Deutsch ist von Małgorzata Behlert. Will man mehr lesen, muss man es entweder auf Polnisch machen oder einen Verlag überzeugen, dieses Buch zu verlegen. Das werden wir alle herzlich begrüssen, die Autorin, die Übersetzerin und ich, die Administratorin dieses Blogs.

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Polska pisarka w Berlinie
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