Frauenblick

Monika Wrzosek-Müller

Feiertage, Irving Penn Centennial, Der Jahrhundertfotograf

Ostern war und ist für mich eigentlich die Zeit der Ausflüge, der Unternehmungen, wenn es geht ins Freie und weg aus der Stadt. Doch wenn das Wetter nicht anders erlaubt auch in der Stadt; sich anschauen, was die Hauptstadt so anbietet. Es herrschte immer die Meinung, Berlin sei ein Hype, wenn es um Ausstellungen geht. Lange Zeit galt das auch für mich im Hinblick auf Berlin schon, doch seit circa zwei Jahren gab es keine so großen gelungenen Ausstellungen mehr, es wird viel renoviert und restauriert, gebaut und ausgebessert, dies und jenes ist vorübergehend geschlossen, noch nicht geöffnet, gerade in Planung… doch wir leben nur einmal, und alles was nach uns kommt, ist irgendwie für uns selbst irrelevant.

Desto mehr freute ich mich, als wir am Ostersonntag beim scheußlichsten Wetter aller Zeiten in die C/O Berlin gingen und uns eine wirklich gelungene Ausstellung ansahen. Der Name des Fotografen war schon ein Versprechen, doch die Zahl der Werke und ihre Gliederung übertraf meine Erwartungen. Sie wurde vom Metropolitan Museum of Art in Zusammenarbeit mit der Irving Penn Foundation verarbeitet; zugute kamen die Schenkungen von 180 Arbeiten oben genannter Stiftung an das Metropolitan Museum, so dass man in den Genuss von 240 Arbeiten des Fotografen kommt. Es sind Arbeiten aus verschiedensten Bereichen; das Einzige, was fehlt, sind Landschafts- und Architekturfotografien, Motive, die bei vielen anderen Fotografen als Hauptmotiv gelten. Penn hat sich eindeutig der lebendigen Dingen verschrieben: den Menschen. Wir erleben verschiedene Gattungen seiner Fotokunst – Akt-, Mode- und eben Porträtfotografie; das Gros der Arbeiten sind Porträts, die er auch neu definiert und oft die ganze Gestalt des Menschen zeigen. Seine Arbeiten sind immer auf das Wesentliche reduziert, zeigen berühmte Menschen eingezwängt in eine Ecke, oder sitzend auf einem Hocker, der nur mit einem grau-beigen Teppich bedeckt wurde. Übrigens ist auch der Teppich in der Ausstellung zu bewundern. Penn arbeitete seit seinen jungen Jahren als Coverfotograf für Vogue, er soll 166 Titelbilder für diese berühmte Modezeitschrift geliefert haben. Es gibt also in der Ausstellung wunderbare Fotos der Titelseiten mit den schicksten, elegantesten Frauen der Welt. Seine zweite Frau Lisa Fonssagrives-Penn wurde zum beliebtesten Objekt seiner Modefotografie; es sind Bilder, die exquisite Eleganz und eher kühle Weiblichkeit zur Perfektion bringen. Kein Wunder, dass ihn in den folgenden Jahren die Fotografen der jüngeren Generation wie Richard Avedon, Annie Leibowitz oder Helmut Newton versucht haben zu kopieren.

Penn selbst bleibt nicht nur bei der Modefotografie; er reist auch in ferne Länder, 1948 nach Peru, später in den sechziger Jahren nach Neuguinea und Marokko, überall fotografiert er Menschen in einfachen Studios ohne aufwändigen Hintergrund. Meistens mietet er das Atelier des dortigen Stadtfotografen und wartet auf dessen Kunden, die zum Fotografieren kommen. Interessant ist, dass er die Fotografien für die Zeitungen/Magazine farbig drucken lässt, doch für größere Formate und Ausstellungen zieht er die Bilder immer schwarz-weiß ab, auch alle Porträts sind schwarz-weiß, doch da spielen die Grautöne eine große Rolle. Seine Rolleiflex-Kamera war in der Ausstellung auch zu sehen. Sein Interesse an Menschen geht noch weiter und in der Serie The Small Trades (kleines Gewerbe) stellt er sie in ihrer Arbeitskleidung und mit den entsprechenden Requisiten dar. Es finden sich darunter: Bäcker und Kellner, Friseure und eine Ballonverkäuferin, Schornsteinfeger, Metzger etc… es gilt für ihn das Alltägliche ungeschönt mit der Kamera festzuhalten.

In all den Jahren hörte Penn nicht auf zu zeichnen und zu malen, auch wenn er in diesem Kunstzweig keine Erfolge feierte, half ihm die Beschäftigung damit bei seiner Arbeit als Fotograf. Zu seinen Lieblingsmalern gehörten Surrealisten, darunter Giorgio de Chirico, dessen menschenleere Landschaften ihn faszinierten. Die Liebe zur Kunst ist besonders in späteren Jahren sichtbar, als er sich den Stillleben widmet. Da stellt er alle Details sehr bewusst zusammen, man hat das Gefühl es sind Gemälde, die im Spiel des Schattens und Lichts den Betrachter ansprechen. Manche der Arbeiten erinnern mich an die Bilder meines Lieblingsmalers Giorgio Morandi, bei denen es um Nähe und Entfernung geht. Es sind Stillleben zusammengestellt aus alten, gefundenen Stücken von Röhren in verschiedenen Größen. Wunderschön sind seine Fotos von Mohnblühten.

Es gibt auch eine Serie von weiblichen Aktfotos, die mir vielleicht am wenigsten zusagen. Es fällt auf, dass es ihm nicht um die Schönheit dieser Körper geht, sondern um die Form. Auch das Verfahren, wie er die Abzüge produziert, ist eine mühsame Arbeit an der Perfektion. Man spürt überall, in jedem Bild, dass er mit seinem Blick den Gegenstand der Fotografie veredelt, aufwertet, einmalig macht. Es sind auf keinen Fall Schnappschüsse.

In allen Genres wird seine unheimliche Faszination an der Arbeit als Fotograf sichtbar.

Eine Ausstellung, die man nicht verpassen sollte. Ist auch bis 1. Juli in C/O zu sehen.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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