Das Märchen von den Zwillingen 2

Krzysztof Jagielski
übersetzt von Tibor Jagielski

Der Himmelhohe Birnbaum

Die Mädchen gingen zu der ausgebrannten Eiche. Dort warteten schon der Rabe Hollo, der Schäferhund Lusto und die Feldmaus Okosch auf sie.

„Ich komme, oder besser gesagt, ich fliege mit euch,“ krähte von dem Ast der Rabe Hollo „ Ich werde euch zu Mut verhelfen“

„Ich werde auf euch aufpassen,“ bellte der Schäferhund Lusto im Bass und wedelte mit dem Schwanz.

„Auch ich werde euch in der Not nicht verlassen. Ich habe euer Gespräch mit Opa Ferenc mitbekommen,“ piepste die Feldmaus Okosch, die auf dem Rücken des Hundes saß.

Die Zwillinge steckten die aus der Baumhöhle herausgenommene Äxte, das Glöckchen, den Feueranzünder, und die kraftspendenden Tropfen in ihre Taschen, schulterten die Bögen und die Schnüre, nahmen die Stöcke in die Hände und gingen, gemeinsam mit den Tieren, in Richtung des höchsten Berges los.

„…Und hinter diesem Berg wird es sechs und sieben Flüsse geben. Auf der anderen Seite werdet ihr den schlafenden Riesen finden. Im linken Ohr hält er einen Schlüssel versteckt, mit dem man den Pass zum Himmelshohen Baum öffnen kann. Hütet euch, den Riesen zu wecken, sonst wird er euch auffressen…“ – so sprach Janos im Traum zu den Mädchen.

Nach vielen Tagesmärschen überquerten sie sehr müde den letzten Fluss.

Am Fuße des senkrecht aufsteigenden, spiegelglatten Berges, dessen Gipfel sich in den Wolken verlor, schlief ein Riese, so groß, dass sein Cousin Goliath, ihm gegenüber, wie ein Zwerg aussah.

Ich sage Euch das nur, damit Ihr Euch vorstellen könnt, wie riesig er war. Sein Zeigefinger war hundert Meter lang.

Das Hindernis schien unüberwindlich zu sein. Und so standen alle hilflos und ratlos herum.

Nur die Feldmaus Okosch lief an dem schlafenden Riesen entlang und sagte schließlich:

„Ich hole den Schlüssel und lasse ihn zu euch runter fallen“

Hollo rief: „Warte mal. Setz dich auf meinen Rücken, ich flieg dich auf seinen Arm.“

So gelang es Okosch, das Ohr des Riesen zu erreichen, das so groß war wie dreißig Elefantenohren.

Sie hatten Glück. Der Schlüssel lag am Ohrenrand und kam duch das Schnarchen des Riesen immer mehr zum Vorschein. Ohne zu warten, da sich der Riese gefährlich zu drehen begann, zog Okosch den Schlüssel und ließ ihn herunterfallen. Sie selbst rutschte auf dem Ärmel des Riesen wie auf einer Eisbahn mit großer Geschwindigkeit herunter, machte einen Purzelbaum über seine Finger und landete weich auf dem Rasen.

Der Schlüssel war nicht groß, ebenso wie das Schloss in der Felsspalte. Und als Oronka ihn drehte, sprangen plötzlich zwölf Riesenriesen heraus und fingen an zu klagen, dass man sie aufgeweckt hatte. Zum Glück waren sie zahm wie Rehe und riefen mit milden Stimmen:

„ Wem sollen wir helfen? Wem sollen wir helfen?“

Der Rabe Hollo flog um ihre Köpfe und krähte so laut wie möglich:

„Passt auf! Passt auf! Unter euren Füßen warten die Zwillinge Orsolya und Aranka, eure Gebieterinnen aus Siebenbürgen. Verneigt euch vor ihnen.“

Die Riesenriesen konnten die Mädchen und ihre Begleiter kaum sehen. Doch sie vernahmen ihre Stimmen:

„Seid gegrüßt, verehrte Onkel. Bitte, macht uns den Felsen auf. Wir sind unterwegs zum Himmelhohen Birnbaum, um Großvater Ferenc zu retten. Gott soll euch gesund erhalten.“

So schön sprachen die beiden, dass die Riesenriesen sich mit ihren schon geweckten Brüder, sich auf die Felsen stürzten und sie zur Seiten schoben. Das war nicht einfach, weil der Berg selten geöffnet worden war und mächtig verrostet zu sein schien.

Eine grüne Ebene öffnete sich vor ihnen, die wie die Puszta aussah, und weit, weit weg am Horizont sahen sie einen einsamen Birnbaum. Wie groß mochte er sein, dass man ihn von hier aus sehen konnte?. Die Reisenden bedankten sich herzlich bei den Riesenriesen für deren Hilfe.

„Stets zu Diensten,“ antworteten die Riesenriesen, „vor allem für so nette und gut erzogene Gäste. Solltet ihr in Not sein, ruft uns zu Hilfe. Wir kommen gleich.“

Das Gras roch nach frischem Thymian, der Himmel war wolkenlos, und Lerchen schwirrten in der Luft und begleiteten die Wanderer mit ihrem Gesang. Die Feldmaus Okosch reiste auf dem Rücken von Lusto, und der Rabe Hollo nahm Platz auf dem Arm von Orsolya und gönnte sich ein Nickerchen, während die Mädchen unermüdlich, Stunde um Stunde, in Richtung des langsam größer werdenden Baumes liefen. Spät am Abend erreichten sie ihr Ziel – den Himmelhohen Birnbaum. Man brauchte mindestens vier Stunden, um ihn zu umkreisen. Seine Wurzeln waren so dick wie eine Scheune. Sein poröser Baumstamm, war mit Moosen und Flechten übersät. Er bot Platz für unzählige Vögel und andere Tiere und reichte hoch über die Wolken. Der Rabe Hollo, als Kundschafter ausgeschickt, kam atemlos zurück, doch er hatte nicht einmal die Hälfte der Strecke nach oben geschafft.

Die Reisenden machten Rast unter einer haushohen Wurzel. Die Zwillinge entfachten ein Feuer und kochten eine Suppe, die sie aus den unterwegs gesammelten Kräutern und Früchten zubereiteten.

Die Feldmaus Okosch lud ihre hier zahlreich wohnende Verwandtschaft ein. Der Rabe Hollo besuchte seine lange nicht gesehenen Freunde, die hier wohnten. Als das Feuer ausging, kuschelten sich beide Mädchen an den Schäferhund Lusto und schliefen fest ein.

Am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, fing die mühsame Kletterpartie an. Für den Schäferhund Lusto erwies sie sich als besonders schwierig. Die Zwillinge benutzten also die Leinen, um an den unüberwindlichen Stellen den Hund hochzuziehen. Dort, wo der Stamm sehr glatt war oder die Risse in der Rinde zu weit, benutzten sie die Äxte. Der Rabe Hollo flog unbekümmert um ihre Köpfe herum und machte überflüssige Bemerkungen, bis Orsolya den Geduldsfaden verlor und rief:

„ Wenn du uns nicht hilfst, werden wir den Wipfel nie erreichen! Nimm die Leine in den Schnabel und winde sie um den Ast….Ja, so ist es richtig; jetzt hält sie, danke.“

Die Feldmaus Okosch suchte ständig nach dem besten Kletterweg. Ihre scharfen Nägel erwiesen sich als ideal auf diesem beschwerlichen Weg. Als Gebirgsbewohner, war sie ein ausgezeichneter Kletterer und ging allen anderen voran. Orsolya und Aranka

haben ihr diese wichtige Aufgabe anvertraut, und die Maus löste sie ausgezeichnet. Manchmal kamen Augenblicke des Grauens, als Okosch auf einen Uhu, einen Falken oder einen Adler traf.

Doch der Rabe Hollo flog voraus und warnte sie von den drohenden Gefahren.

Sie kamen sehr langsam voran auf dieser gefährlichen Besteigung. Ein einziger Augenblick der Unaufmerksamkeit könnte den Tod bedeuten. Oft fielen Riesenbrocken von Baumrinde wie eine Gebirgslawinen herunter.

Spät am Abend fanden die Wanderer eine große Baumhöhle. Dort gab es einen kleinen Teich aus dem man trinken und in dem man sogar baden konnte. Aranka entfachte das Feuer und Orsolya fand eine Harzader, die sich als schmackhaft und süß wie Honig erwies. Auf diese Art bekamen sie ein ausgezeichnetes Abendessen. Und wie am Vorabend kuschelten sich die Zwillinge an den Schäferhund Lusto. Auch die Feldmaus Okosch fand im Riesenfell des Hundes ihren Platz. Nur der Rabe Hollo hielt schläfrig Wache am Rande der Höhle.

Die Mädchen hatten schon aufgehört, die Tage des Kletterns zu zählen. Sie wussten nicht mehr, ob es Donnerstag oder schon Sonntag war. Doch sie kamen den Wolken immer näher. Es wurde merklich kälter, und die Zwillinge zogen ihre Schaffelljacken an. Die Winde wurden so stark, dass der Rabe Hollo Schwierigkeiten mit dem Fliegen bekam. Aranka und Orsolya fingen zu zweifeln, ob sie das Ziel je erreichen würden. Sie waren sehr, sehr müde, und das Klettern wurde für sie immer schwieriger. Manchmal weinten sie in Erinnerung an die warme Stube zu Hause…Dann griffen sie zu dem Glöckchen, und sein Klang gab ihnen Trost, Wärme und neue Kräfte.

Eines Tages gerieten sie in schwarze, undurchdringliche Wolken. Eine klebrige Dunkelheit umhüllte sie; die Zwillinge spürten sie an ihren Gesichtern und Händen. Und in dieser Dunkelheit vernahmen sie plötzlich unheimliches Weinen, Winseln und Klagen. Etwas Unbeschreibliches näherte sich den Wanderern und flößte ihnen Angst ein.

Okosch schlüpfte unter das Hemd von Aranka und zitterte erschrocken; der Rabe Hollo versteckte sich unter dem Bauch des Schäferhundes, und selbst der blieb an den Beinen der Mädchen stehen und knurrte.

Die Zwillinge zündeten Fackeln an und hielten sie hoch über ihre Köpfe. Sie sahen, dass sie sich an einer Weggabelung befanden. Auf dem rechten Ast, der größer als ein Weg war, sahen sie ein Riesennest, in dem hundert oder mehr Kühe Platz gefunden hätten. Überall lagen Knochen und dampfende Körperreste von Tieren und Vögeln, und aus seiner Mitte stiegen beißende Schwaden von Schwefelrauch.

Plötzlich ertönte ein so schreckliches Geheul, dass der ganze Ast zu beben begann.

Die Mädchen fielen um, doch glücklicherweise gingen die Fackeln nicht aus. Lusto kugelte sich wie ein Ball in Richtung des Nestes herunter, doch er blieb am Rande des Nestes inmitten der abscheulichen Gerippe stecken. Der Rabe Hollo verschwand in einem Versteck.

„Wer wagt mich zu wecken? Wer zu mir kommt, wird aufgefressen!“, heulte der Teufel unvermittelt.

Er schwebte über den Mädchen auf seinen Drachenflügeln und war mit schwarzen Schweineborsten bedeckt, seine Beine hatten Hufe, und seine Tatzen waren mit säbellangen und messerscharfen Klauen bestückt. Aus seinem Rachen ragten die mit grünem Speichel bedeckten, spitzen Zähne. Zwischen seinen hervorquellenden Augen wuchs ein spiralförmiges Horn.

Aranka und Orsolya erstarrten zuerst vor Schreck, doch sie erinnerten sich sogleich an den Rat des Janosch und warfen mit einer Fackel nach dem Teufel.

Der bekam einen solchen Schreck, dass er von dem Nest wegflog und anfing wie Espenlaub zu zittern. Die Macht der Mächte, die den Himmelhohen Birnbaum bewacht hatte, fiel von ihm ab. Jetzt sah er wie ein alter, hilfloser Hahn.

„Sei gegrüßt, Herr Teufel, hab keine Angst. Wir kommen zu dir auf der Suche nach der Frucht des Lebens. Sei so nett und zeige uns den Weg, dann lassen wir dich in Frieden.“

Der Teufel beruhigte sich, als er merkte, dass die Mädchen ihm nichts antun wollten.

Die Feldmaus Okosch schlüpfte aus dem Hemd von Aranka heraus und nahm Platz an ihrer Schulter; der Rabe Hollo flatterte – der Teufel weiß woher! – hervor und nahm auf dem Kopf von Orsolya Platz, und der Schäferhund Lusto richtete sich auf und fing an mit dem Schwanz zu wedeln.

„Kehrt um,“ sagte der Teufel mit der Stimme, die lieblich klingen sollte, aber nicht überzeugend klang. „Kehrt um, hier endet der Baumstamm. Der Erzengel bewacht mit den Schwert der Wipfel, rechts von ihm befindet sich das Land der Drachen, über dem Baum herrscht der Gott Isten, und links ist das Land der Nymphen, dessen Königin jeden Eindringling von dem Baum herunterstürzt. Doch wenn ihr sagt, ihr wollt in ihre Dienste eintreten, dann wird sie euch verschonen, und euch vielleicht, wenn sie zufrieden mit euch ist, die Frucht des Lebens schenken.

Ich rate euch jedoch umzukehren. Wenn ihr wollt, fliege ich euch zu der Ebene zurück.“

„Vielen Dank für deine kostbare Anweisungen und Ratschläge,“ antworteten die Mädchen. „Ohne sie wären wir verloren. Doch wir müssen weiter, Opa Ferenc wird von Tag zu Tag schwächer. Wir gehen ins Land der Nymphen. Obwohl du ein Teufel und Feind des Lichtes bist – Gott sei dir gedankt.“

Als der Teufel diese Worte hörte, griff er sich an die Ohren, verlor das Gleichgewicht und stürzte aus dem Nest mit einem Winseln hernieder.

Der Platz blieb aber weiterhin unheimlich. Die Wanderer verließen ihn schnell und wandten sich nach links, zu dem Land der Nymphen.

Fortsetzung folgt.
Bild – Tibor Jagielski

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3 odpowiedzi na „Das Märchen von den Zwillingen 2

  1. tibor pisze:

    bystro, bystro, pani gospodyni!
    a ja w miedzyczasie zrobilem salatke
    Salatka sledziowa po szczecinsku
    2 funty ziemniakow ugotowac w mundurkach, obrac, pokroic
    funt filetow sledziowych(matjesy), pokroic,
    pol funta ogorkow kiszonych, pokroic
    2 duze cebule pokroic
    wszystko zmieszac z lyzka dobrej oliwy i ostrej musztardy, sokiem jednej cytry,
    koperkiem,pieprzem, sola i cukrem(do smaku)
    postawic w chlodnym miejscu na kilka godzin

  2. tibor pisze:

    Salatka po szczecinsk ( bez sledzi )
    1 galazka rozmarynu – posiekac
    1 gaazka oregano – posiekac
    2 funty ziemniakow ugotowac w mundurkach, obrac, pokroic
    pol funta ogorkow kiszonych, pokroic
    2 duze cebule pokroic
    100 g oliwek zielonych, 100 g czarnych pokric
    wszystko zmieszac z 2 lyzkami dobrej oliwy i 1 ostrej musztardy,
    sokiem jednej cytry, koperkiem,pieprzem, sola i cukrem(do smaku)
    postawic w chlodnym miejscu na kilka godzin

  3. Anne Schmidt pisze:

    Liebe Ewa,

    vielen Dank für die Zusendung dieses poetischen Märchens; ich werde es an Armin weitersenden.

    Viele, liebe Grüße

    Anne

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