Das Märchen von den Zwillingen 3

Krzysztof Jagielski
übersetzt von Tibor Jagielski

Die Königin der Nymphen Tuende und ihr Land

Die Wanderer kamen rasch voran, da der Weg nur sanft anstieg und es keine Hindernisse gab. Sie wussten nicht, wie weit es noch bis zum Land der Nymphen war, doch sie kannten die Richtung, und das versetzte sie in gute Stimmung. Um das Essen brauchten sie sich nicht zu kümmern, weil sie unterwegs Früchte, Kräuter, süßen Harz und Käferlarven in Mengen fanden.

Das Ziel ihrer Reise schien immer näher zu kommen. Ein glänzender Nebel umhüllte sie. In der Luft schwirrten goldene Faden und der Rabe Hollo flatterte ihnen nach, um sie mit dem Schnabel einzufangen.

„Ich werde mir ein goldenes Nest bauen, ein goldenes Nest!“, krähte er begeistert.
„Wenn du hier bleiben wirst, dann tue es“, machte sich die Feldmaus Okosch über ihn lustig. „Doch pass auf, dass du nicht zu viel runterschluckst, sonst kannst du nicht mehr fliegen“.
Der vorausgeeilte Schäferhund Lusto kam fast atemlos zurück und rief:
„Ein Schloss, ein goldenes Schloss! Riesig! Kommt schneller..!“

Der Nebel löste sich auf, und sie sahen die, hoch in die Luft ragenden Türme des Schlosses, das mit saphirgrünen Wassern umgeben war. Da es noch weit entfernt zu sein schien, entschlossen sich unsere Freunde, ein Nachtlager aufzubauen und erst am nächsten Morgen den Weg fortzusetzen. Auf einer saftiger Wiese, wo Unmengen von farbenprächtigen Schmetterlingen schwirrten, ließen sie sich nieder und entfachten ein Feuer.

Plötzlich sprang der Schäferhund Lusto auf:
„Seht! Seht! Ein Knochen! Ich habe davon geträumt, und er liegt da!“
„Ich will ein Stück Käse…“, piepste die Feldmaus Okosch. Doch nichts geschah.
„Du musst träumen, träumen!“, bellte Lusto.
Okosch schloss die Augen und fing aus ganzen Kräften zu träumen an. Und… vor ihr lag ein prächtiges Stück goldgelben Käses.
Der Rabe Hollo wollte auch mitmachen und bedeckte seinen Kopf mit den Flügeln… und rief voller Begeisterung:
„Hurra!“… Vor ihm stand ein Topf voller fetter Würmer.

Jetzt waren Aranka und Orsolya an der Reihe. Sie träumten von einem warmen Bad und neuen Kleidern und… vor ihnen dämpfte gleich eine Badewanne und daneben stand eine Kiste mit zauberhaften Kleidern…

Es könnte nichts anderes bedeuten, als sie im Land der Wunschträume angekommen sind.
Nach dem Bad träumten die Mädchen von einer guten Nacht und schliefen augenblicklich fest ein. Doch dieser Schlaf sollte nicht lange dauern. Ein Löwengebrüll weckte sie auf:

„Steht auf! Ihr sollt uns zum Palast begleiten. Unsere Herrin Tuende, die Königin der Nymphen, ruft euch.“
Aus dem tiefen Schlaf erwacht rieben sich die Mädchen erschrocken die Augen. Vor ihnen standen tatsächlich die Löwen. Der älteste von ihnen, mit einer Silbermähne bedeckt, sagte:
„Unsere Herrin hat schlechte Laune. Doch, obwohl sie für Fremde ein Herz aus Eis hat, wird sie euch nichts antun. Reisst euch zusammen und kommt mit uns mit.“

Millionen von Sternen der Milchstrasse glänzten über den Köpfen der Zwillinge. Orsolya und Aranka erinnerten sich an des Großvaters Worte: „Die Sterne sind die Seelen unserer Vorfahren und helfen euch bei jeder Gefahr“. Sie fassten Mut und standen auf.

Viele Tiere schauten den Wanderern zu: der Wolf und das Reh, der Hase und der Fuchs, die Katze und die Maus, der Falke und das Kaninchen. Und alle schienen in Eintracht und in Freundlichkeit verbunden zu sein.

Unterwegs entpuppte sich der alte Löwe als gesprächig, und so erfuhren die Mädchen nicht nur, dass er Hofmarschall war, sondern auch vieles über das Land der Nymphen und seiner Königin.

„In unserem Königreich bauen wir die Häuser nur aus Gold. Und darauf sind wir stolz. Die Königin Tuende herrscht schon seit einer Ewigkeit. Unser Land wird auch das Land des Ewigen Lebens genannt. Wir altern sehr langsam. Ich selbst bin schon über hunderttausend Jahre alt, obwohl ich viel jünger aussehe, nicht wahr?“, fragte der alte Löwe und wackelte kokett mit seiner silbergrauen Mähne.

„Bei uns gibt’s ewigen Frühling und die Blumen blühen ständig. Und weil hier jeder Traum in Erfüllung geht, haben wir schon alles und brauchen eigentlich nicht mehr zu träumen. Und alle Einwohner, Nymphen und Tiere, leben hier in Eintracht und in gegenseitiger Liebe, wie könnte es auch anders sein, nicht wahr?“, plapperte der alte Löwe, während sich die Wanderer dem goldenen Schloss immer mehr näherten.

Es kamen immer mehr Tiere als Schaulustige hinzu. Die Kunde von der Ankunft der Zwillinge verbreitete sich wie Lauffeuer. Die Mäuse wunderten sich, dass die Feldmaus Okosch ihnen so ähnlich sah. Die Hunde jedoch konnten in Lusto kaum einen Verwandten erkennen, da die Siebenbürgischen Schäferhunde eher einem Wollknäuel ähnelten als einem richtigen Hund. Der Rabe Hollo stellte fest, dass sein Schnabel viel größer war, als der der einheimischen Raben.

Der alte Löwe sprach unterdessen weiter:

„Unsere Königin ist eine Göttin des Lichts und des Lebens, der Sonnenstrahlen und aller Tiere. Sie liebt ihre Untertanen grenzenlos, doch für Fremde hat sie ein Herz aus Eis. Ich kann mich an eine Begebenheit erinnern…,“ seine Stimme stockte kurz „ Ah… wir sind schon vor dem Haupttor.“

An den Seiten der Hängebrücke, die zum Schloss führte, standen in Habachtstellung die Wachen, die aus Rehen und Hunden bestanden. An ihnen vorbei gingen die Wanderer, vom alten Löwen geleitet, auf das Schloss zu.

Die Straße war mit Silber gepflastert. In den Häusern aus Gold gab es Fenster ohne Scheiben, und die Türen waren weit geöffnet. Hier regnete oder schneite es nie und es gab keine Winde. Es gab auch keine Geschäftshäuser, da man sich doch alles, was man brauchte, erträumen konnte.

Schließlich kamen sie an den Palast der Königin. Er war von wunderbaren Gärten, voll von prächtigen Blumen und wundersamen Bäumen umgeben. Vor dem Eingangstor salutierten die aus Adlern und Kaninchen bestehenden Wachen. Der alte Löwe kämmte sich noch schnell seine Mähne glatt. Auch Aranka und Orsolya ordneten ihre Kleider und Haare. Die Feldmaus Okosch nahm Platz auf dem linken Arm von Aranka, während der Rabe Hollo auf dem rechten Arm von Orsolya Platz fand. Der Schäferhund Lusto schüttelte sorgfältig sein Fell. Und so betraten sie das Schloss.

Fortsetzung folgt.
Bild – Tibor Jagielski

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2 odpowiedzi na „Das Märchen von den Zwillingen 3

  1. Anne Schmidt pisze:

    danke für die Zusendung der fantasievollen Geschichte

    Anne

  2. tibor pisze:

    danke, liebe Frau Anne Schmidt, nach den Ferien geht es weiter
    tibor

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