Hungrige Zeiten

Es ist zu heiss zum Essen. Um die Gelegenheit zu nutzen, mache ich, nach dem Beispiel von Doktor Jackson, ein 3-Tage-Programm des Nicht-Essens. Gesundheitsfasten ist zu leichtes Wort dafür. Aber egal. Ich bin nicht zu sehr hungrig (gewesen – die 3 Tage sind schon vorbei, wenn ihr es liest), aber Hunger ist immer noch da. Und mit ihm auch laute Versuchungen, überall wo man nur hinschaut. Da wird leckeres Eis verkauft (Vanille & Marille Eismanufaktur), hier sitzt eine Frau alleine am einen kleinen Tischchen und bekommt gerade eine Kaloriebombe ganz in Altrosa und Grün, och lecker…
Ich flüchte mich nach Hause, wo zwar unter dem Dach die Temperaturen über 40 Grad herrschen, aber die Versuchung viel geringer ausfällt.
Ich werde mich hinlegen und etwas sehr leichtes lesen (leichte Kost! hahaha!), schiebe also weg alle harte Schinken (Schinken! hahaha – na ja, ich bin zwar eine Vegetarierin, aber Schinken ist, mindestens theoretisch – auch essbar) und hole mir ein Buch von Jalid Sehouli, Marakesch, das mir vorgestern Monika brachte. Sie war im Marakesch, schrieb darüber

Ich gehe unter die Dusche (3 Mal am Tag!), lege mich hin (man soll viel liegen!), trinke grünen Tee (2 bis 3 Liter am Tag!) und lese… Glaubt mir oder nicht, aber es ist ein Buch übers Essen (Entschuldige, Professor Sehouli, ich weiß, ihr Werk hat auch andere Schichten, die viel tiefer reichen)… Schon der Untertitel des Buches betrifft das Essen: Viele Geschichten in einer Geschichte oder Die besondere Geschichte der Pastilla… Und Pastilla, auch Bastilla, Bstilla oder Bsteeya (und auch wenn man es nicht weißt, erfährt man sofort, weil es ein Buch über Pastilla ist) ist etwas Essbares! Und wie! Am Ende des Buches gibt es mehrere Rezepte für Pastilla.
Pastilla, schreibt der Autor, verbindet verschiedene Aromen und ist eine Komposition aus Fleisch (und Fisch oder Milch) und knusprigen, warmen, übereinandergeschichteten dünnsten Teigblättern mit süßen Gewürzen. Das Huhn (oder Fisch und Frutti di Mare, oder Ente, oder, och je, Tauben) wird vorsichtig gekocht, die Knochen werden entfernt, das Fleisch zerkleinert und geröstete gemahlene Mandeln beigegeben. Puderzucker und Zimt runden das Gericht ab.

Der Autor isst eine Fischpastilla bei Khalid, einem marokkanischen Freund, dann fährt er nach Hamburg und in Piment, einem kleinem, elegantem Restaurant, wo der marokanische Koch gerade als Koch des Jahres gekürt wurde, isst er Pastilla mit Ente und diese beide Pastillas ändern plötzlich seine ganze Lebenseinstellung. Er ist in Deutschland geborener erster Professor (der Medizin) mit marokkanischer Familiengeschichte, total modern und westlich, und plötzlich findet er, dass ein New-York-Bild, das seine Wohnung ziert… Na ja, lassen wir es den Autor erzählen, er ist ein richtiger Geschichtenerzähler von Djemaa el Fna, den Platz der Toten, Hauptmarkt in Marrakesch, der berühmte Nachtmarkt …

Ich schaute etwas müde, aber wach genug auf das Bild und fühlte, dass es nicht das richtige Bild für meine Wohnung war. Nach dem Erlebnis mit Enten-Pastilla empfand ich, dass ich das Bild durch etwas Orientalisches zu ersetzen habe.
Am nächsten Tag erzählte ich Khalid von meiner kulinarischen Erfahrung in Hamburg und das ich ein orientalisches Bild für meine Wohnung suchte. Khalid sagte, er würde mir ein besonderes Bild besorgen.
Etwa eine Woche später erhielt ich einen Anruf: „Das Bild ist da!” Ich fuhr umgehend zu Khalid und traute meinen Augen nicht. Das Bild zeigte einen Blich auf den Markt von von Djemaa el Fna. Man schaut hindurch zwischen zwei Orangenverkäfer-Wagen, die an ältere englische Pferdekutschen erinnern und an denen frisch gepresster Orangensaft zu kaufen ist. Im Hintergrund erkennt man andere Verkaufsstände, zum beispiel einen Dattel- und Nuss-Verkäufer, weiter dahinter eine der Moscheen auf dem Platz. Der Marktplatz ist noch nicht voll, es scheint Spätnachmittag zu sein, die Zeit, wenn die Vorbereitungen für den Abend beginnen. Das Bild schien mir so vertraut, als hätte ich diesen Blick auf den markt schon seit Jahren in meinem Herzen getragen.
Etwas Besonderes an dem Bild ist auch, dass es sich dem Licht in der Wohnung anzupassen scheint. Abends hat man das gefühl, auf dem Bild sein es neunzehn Uhr; morgens kommt es mir vor wie eine Szene um acht Uhr früh.

So sind die Geschichten, die der Professor erzählt… Das Kulinarische ist dafür da, um etwas anderes erzälen zu können. Aber das Kulinarische ist nicht nur der Vorwand. Und am Ende des Buches gibt es leckere Rezepte. So viel zumindest vermute ich. Ich hungre immer noch und sowieso sind die Rezepte für Fleischfresser oder eventuell Milchtrinker… Also nichts für hungrige Zeiten einer Vegetarierin…

Reklamy

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
Ten wpis został opublikowany w kategorii Ewa Maria Slaska i oznaczony tagami , , , , , . Dodaj zakładkę do bezpośredniego odnośnika.

Jedna odpowiedź na „Hungrige Zeiten

  1. tibor pisze:

    Nahrungssorgen

    Wir speisen
    Tiere
    da bleibt offen
    wer wen
    verspeist

    nicht Geschmacksfrage
    nicht Frage des Ausdrucks
    Moral
    oder freien Wahl
    sondern die Frage der Macht

    Erich Fried (1921 – 1988)

    Zmartwienia z odżywianiem

    Jemy
    zwierzęta
    nie jest jednak pewne
    kto kogo
    zjada

    to nie sprawa smaku
    wyrazu
    moralności
    czy wolnego wyboru
    tylko kwestia władzy

    (po polsku – tibor)

Skomentuj

Wprowadź swoje dane lub kliknij jedną z tych ikon, aby się zalogować:

Logo WordPress.com

Komentujesz korzystając z konta WordPress.com. Wyloguj /  Zmień )

Zdjęcie na Google+

Komentujesz korzystając z konta Google+. Wyloguj /  Zmień )

Zdjęcie z Twittera

Komentujesz korzystając z konta Twitter. Wyloguj /  Zmień )

Zdjęcie na Facebooku

Komentujesz korzystając z konta Facebook. Wyloguj /  Zmień )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.