Ein Mann, ein Werk, ein Grab (und die Frauen)

Ich gehe, o, Herr, in deine Hand zurück, schrieb man auf der Gruft-Mosaik über Eheleute Zeitler.

Carl Ludwig Zeitler und Agnes

Hand aufs Herz – nie gehört, oder?

Natürlich nicht, dabei bewirkten sie beiden so viel, das ich als Chronikarin gar nicht weiß, wo beginnen?

Auf dem Foto rechts ist es vielleicht nicht genug deutlich. Schauen wir genauer:

Stiftung für Weber und Wirker. Stiftung für Mathematiker und Naturkundestudierende. Stiftung für Theologen und Philologen. Aber auch: Stiftung für  Witwen und Weisen. Stiftung für Handwerker und Kunstschüler.

Zeitler war im Vorstand der heute so berühmten Urania. Für seine Studenten errichtete auf dem Studienhaus Friedenstraße/Büschingstraße eine Sternwarte mit Drehkuppel (im 2. Weltkrieg zerstört), im ersten Stockwerk einen Konzertsaal und im Untergeschoss eine Kochschule für Mädchen.

Klar. XIX Jahrhundert. Jahrhundert der Vereine und Stiftungen, der Philantropie, der sozialen Verantwortung. Aber auch ein Jahrhundert, in dem es noch keine Gesetze gab, die für Wohlergehen der Arbeiter, der Handwerker, der Bürger sorgten. Es herrschte wilder Kapitalismus, die Zeit der unglaublicher Armut und unvorstelbarer Ausbeutung. Zeit, dass manche halfen und die anderen für soziale Gerechtigkeit kämpften. Und die Reichen wurden immer reicher und die Armen immer ärmer.

Es war Zeit für Gutmenschen und Bösmenschen. Die Zeitler waren gut. Auf dem Mosaik trug sie ein Diadem, er einen Einstecker mit Edelweiß. Bevor ich im Google die Symbolik von Edelweiß finde, weiß ich schon, dass wenn etwas mit den Worten „edel” und „weiß” zu bezeichnen ist, muss es edelweiß sein, das edelste, was es gibt.

Ach, na ja, bevor ich in der Wikipedia zu der Pflanze komme, zeigt sie mir die militarische Edelweiß-Operation während des 2. Weltkrieges:
Es war der Deckname für den ab 23. Juli 1942 durchgeführten zweiten Teil der deutschen Sommeroffensive in Russland. Ziel der Operation war es, die Ölvorkommen in und um Baku zu sichern.

So ist es im Leben – nichts kann sich von dem Bösen retten, kein Symbol, kein Wort, keine Farbe. Denken wir nur an das Wort „Sicherheit”.

Die Blume aber, das Alpen-Edelweiß, ist eine der bekanntesten und symbolträchtigsten Blumen überhaupt.

Eine Polin in mir fragt sich, wie es sein kann, dass diesselbe Blume auf Polnisch – szarotka – etwas kleines, graues und belanglosen bedeuten kann?

Bekannt wurde die Pflanze zuerst als Symbol der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sissi). Ein 1865 gemaltes Porträt des Malers Franz Xaver Winterhalter zeigt die Kaiserin Elisabeth mit neun in ihr Haar geflochtenen künstlichen Edelweiß-Sternen. Der Schmuck aus Edelmetall und Diamanten wurde in den Jahren nach 1850 vom damaligen Hof- und Kammerjuwelier Alexander Emanuel Köchert entworfen und gestaltet. Um die alpine Pflanze ranken sich in der k. u. k Monarchie mit der zunehmenden Verehrung der Kaiserin Sissi immer mehr romantische Mythen. Nur verwegenen Kletterern gelänge es, ein Edelweiß zu pflücken. Es verkörpere Werte wie Mut, Treue und Gemeinschaft. Das Edelweiß solle gemäß solchen Mythen aus Tränen entstanden sein, welche die Eisjungfrau über die Untreue ihres geliebten Jägers vergoss. Vor ihrem Todessprung zauberte sie darauf Tränen in Form von Edelweißsternen an den dortigen Felsen. Jeder, der nach dem Edelweiß in den Felsen greife, solle fortan zu Tode kommen. Um ein Aussterben der symbolträchtigen Art zu verhindern, wurde sie schon früh unter Naturschutz gestellt. Bald wurde das Edelweiß als Symbol von zahlreichen alpinen Vereinen und Verbänden übernommen.

Und tatsächlich, auf Polnisch bedeutet die Blume gar nicht so viel, ausser, dass sie, wie in jedem Alpinen Gebiet, ein Motiv in Auszeichnungen und Souvenirs der Region ist. Aber immerhin schreibt man in Polnischer Wikipedia, dass die Blume in der Schweiz eine Nationalblume und Symbol der Unberürtheit und Reinheit ist.

Über Bedeutung des Grabesschmuck Zeitlers habe ich nirgendwo Antwort gefunden. Ich vermute, es ging um Mut, Treue und Gemeinschaft und nicht um Reinheit und Unberürtheit.

Der Baumeister und Architekt Carl Ludwig Zeitler (1835-1910), Sprössling einer zu großem Reichtum gekommenen Weberfamilie, betätigte sich gemeinsam mit seinen Brüdern Zeit seines Lebens als Förderer der Wissenschaften und Begründer verschiedener wohltätiger Stiftungen. Hierzu gehörten etwa eine Weberstiftung (1889), das Wilhelm-Zeitler-Frauenheim (1894) und ein Studienhaus mit Sternwarte und Konzertsaal (Ludwig-Zeitler-Studienhaus, 1901). Nach dem Tod ihres Vaters Johann Jakob Zeitler (1807-1871) ließen die Söhne nach eigenem Entwurf Carl Ludwig Zeitlers ein neugotisches, äußerlich in hohem Maße auch antiken Vorbildern folgendes Mausoleum errichten. Der granitverkleidete, hohe Gruftbau mit seitlichen, durch gotisierende Gusseisengitter abgegrenzten Gärtchen fällt besonders durch seine Fassadeninschriften auf, die die Familiengeschichte erhellen und an der linken Seitenwand – als kulturgeschichtliche Besonderheit – eine Art Bauurkunde enthalten. Diese berichtet in dreizehn Zeilen von den Veränderungen, die sich nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und während der Bauzeit der Grabanlage (1871-75) ereigneten: Detailliert wird auf Arbeitslöhne und Materialkosten hingewiesen sowie auf die einschneidende Umstellung der bislang üblichen Maßnormen (Länge, Volumen und Gewicht), beispielsweise wurden Ruthe, Fuß und Zoll vom Meter verdrängt. Ebenso wird die Einführung der neuen Gold(mark)-Währung erwähnt, die den Taler ablöste, sowie die Entstehung neuer Gesetze. Das Innere des Bauwerkes ist mit einem farbenprächtigen Mosaik geschmückt, das die Bildnisse des Erbauers und seiner Ehefrau zeigt, sowie mit einem gusseisernen Relief mit der Darstellung der drei Frauen am Grabe.

Im Jahr 2004 ließ die Arbeitsgemeinschaft für die historischen Friedhöfe und Kirchhöfe e.V. Erhaltungsmassnahmen und die Erneuerung der Inschriften an den Wänden des Mausoleums durchführen.
Der Innenraum des Mausoleums wurde in ihrem Auftrag 2018 restauriert. Die Arbeitsgemeinschaft veröffentlichte ausserdem im Oktober 2012 anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens die Memoiren von Carl Ludwig Zeitler. Und dies ist eine ausserordentlich interessante Lektüre. In einer Woche veröffentliche ich hier ein Fragment dieses Buches. Über Agnes…

Und die Frauen.

Zuerst natürlich Agnes, die Ehefrau von Carl Ludwig, die Frau im Edelweiß-Diadem.
Dann die Hanna Wilhelmine Zeitler mit Ihren drei Söhnen am Sarg des Johann Jakob Zeitler, der 1871 verstorben war und für den das Mausoleum errichtet wurde.


Aber  auch im 21. Jahrhundert sind es die Frauen, die sich um das Mausoleum kümmern. Man muss hier unbedingt Doris Tüsselmann erwähnen, die langjährige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für die historischen Friedhöfe und Kirchhöfe Berlins e.V. (auf dem Foto unten steht sie rechts).

Die Renovierungsarbeiten im Innenraum des Mausoleums übernahm mit ihren Mitarbeiterinnen die schöne Restauratorin, Joana Pomm.


Mausoleums Zeitler
Georgen-Parochial-Friedhof I, Greifswalder Straße 229 – 234
10405 Berlin-Prenzlauer Berg

Im Mausoleum sind beerdigt worden: Johann Jakob Zeitler (†1871) und seine Ehefrau Wilhelmine (1809–1893) – die Eltern von Carl Ludwig, sein Bruder Emil (1845–1891), sein Halbbruder Carl Ferdinand Gläser (1829–1883), Zeitlers Frau Agnes (1843–1901) und er selbst.

Der Friedhof – von einer der ältsten evangelischen Gemeinde Berlins auf einem früheren Weinberg angelegt – wurde 1814 eingeweiht, war bald belegt und wurde 1832 und 1842 erweitert.

Er wurde in klassischer Kreuzform mit Alleen entlang der Hauptwege auf einem Hang – früher ein Weinberg – angelegt. 1970 wurde er auf Beschluss des Magistrats geschlossen und erst nach der Wende 1991 wieder eröffnet. In der Zwischenzeit war der etwa 40 Hektar große Friedhof stark verwildert und verfallen, weshalb seit der Wiedereröffnung umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Auf dem Friedhof ruhen einige Berliner Größen und schöpferische Persönlichkeiten: darunter der Komponist und Kapellmeister August Eduard Moritz Conrady (†1873), der Baumeister Carl Ludwig Zeitler (†1910), der Theaterintendant Franz Wallner (†1876) und der Gründer der ersten Blindenschule Deutschlands, Johann August Zeune (†1853).

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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Jedna odpowiedź na „Ein Mann, ein Werk, ein Grab (und die Frauen)

  1. ewamaria2013 pisze:

    Okazuje się, że przywołałam tu Sisi rocznicowo.
    Danusia Starzyńska-Rosiecka na FB:
    W 120 rocznicę śmierci Elżbiety Amalii Eugenii von Wittelsbach, księżniczki Bawarii, cesarzowej Austrii i królowej Węgier. Portret cesarzowej Sissi, bo tak ją nazywali rodzice, mąż Franciszek Józef I i poddani, namalował Franz Xaver Winterhalter w 1865 r. (wisi w pałacu Hofburg w Wiedniu).
    Elżbieta zmarła 10 września 1898 r. w Genewie w Szwajcarii. Czekała przy molu na parowiec wycieczkowy, gdy została zaatakowana przez włoskiego anarchistę Luigiego Lucheni, który wbił jej pilnik w serce. Jak później mówił chciał po prostu zabić jakiegoś władcę, nieważne jakiego.

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