Starke Frauen vor 100 Jahren 1

Vergessen und nie wieder entdeckt… Heute wäre sie 160 Jahre alt.

Franziska Mann

Freude am heiligen Zorn

Und damit ist nicht Franciszka Mann, auch Franziska Mann, Franceska Mann, Franciszka Mannówna, Künstlername Lola Horowitz, gemeint, eine polnisch-jüdische Tänzerin, die nach Augenzeugenberichten angesichts ihrer kurz bevorstehenden Ermordung im KZ Auschwitz-Birkenau SS-Männer angriff, einen tödlich verletzte und einen weiteren verwundete. Sie wurde 1917 geboren, starb im Oktober 1943.

Nein, damit meine ich eine deutsche Schriftstellerin, am 9. Juni 1859 in Kolberg (heute: Kołobrzeg, Polen) geboren, wo ihr Vater, ein berühmter Mediziner, einen modernen Kurort aufbaute. Sie ist jedoch in Berlin aufgewachsen und auch später hier am 8. Dezember 1927 gestorben, inzwischen aber war sie drei Dekaden in Stettin ansässig. Sie war Schwester von Magnus Hirschfeld. Ihre Eltern waren der jüdische Arzt Hermann Hirschfeld und dessen Frau Friederike Mann. Die Familie ist nicht mit Thomas und Heinrich Mann verwandt. Franziska heiratete den 17 Jahre älteren Bruder ihrer Mutter also ihren Onkel. Sie zogen nach Stettin, wo sie zwei Söhne zur Welt brachte. Franziska schrieb ca. 20 Bücher, Romane, Essays, Kinderbücher, galt auch als wichtige Publizistin zum Thema Frauenwahlrecht. Sie engagierte sich im linken Spektrum der bürgerlichen Frauenbewegung und 1918 gemeinsam mit ihrem Bruder veröffentlichte sie eine Broschüre Was jede Frau vom Wahlrecht wissen muß.

Ihr Bruder, der Sexualforscher und -reformer Magnus Hirschfeld war als Jude und Sozialist, als unabhängiger Wissenschaftler, vermögender Unternehmer und Institutsbetreiber ein zentrales Feindbild der Nationalsozialisten. Sein Institut für Sexualwissenschaft wurde am 6. Mai 1933 geplündert und Teile der umfangreichen Bibliothek wenige Tage später auf dem Berliner Opernplatz verbrannt.

Ich habe ein Buch von ihr gelesen. Und auf kleine Bibliothek-Zettelchen (siehe unten) ein paar Zitate aufgeschrieben. Es ist ein kleiner Ratgeber für eine freie, emanzipierte Frau vom besseren Hause.

Franziska Mann, Den Erwachenden

Die Emanzipation der Frau muß von ihr selbst ausgehen. Die Frau, die ihre Seele wegwirft an Lappen, Bänder, Tand und entstellende Aufpfropfungen, darf nicht emanzipiert werden.

Je hygienischer wir denken lernen, desto bezwingeder wird unsere Lebenskraft sich entfalten.

Der Frauen neue Rechte bedeuten wenig, solange der Boden, auf dem sie sich entwickeln könnten, von den alten Ungerechtigkeiten unterhöhlt bleibt. Wir brauchen keine neue Freiheiten, wenn wir die alten erkennen und ausnutzen.

Aber auch:

Besiegte, Untergehende sind wir nur dann, wenn wir bleiben, die wir waren.

Es sind endlich Tage gekommen, dass der Elend nicht Schicksal sein muss, sondern Schuld. Berufsausbildung soll der Begabung entsprechen und nicht standesgemäß sein. Der Geldlohn ist nicht genug, man braucht auch Anerkenung, Unterstützung. Die werdende Mütte brauchen eine Bildung. Nur die modernen, freie Frauen können freie Bürger zur Welt bringen.

Du darfst nicht unethisch sein. Sei nicht launisch. Sei gerecht. Sei mutig, pünktlich, sei allen gegenüber gleichmütig. Sprich nicht über andere Klasse und Rasse mißbilligend. Hege keine Standesdunkel. Abstammung bedeutet nichts. Die Unrechte sind den Menschen schon vor ihrer Geburt getan.

Einst dachte ich, die Menschen müssen leiden, um stark zu werden. Jetzt denke ich, sie müssen Freude haben, um gut zu werden.

Wir brauchen aber auch Freude am heiligen Zorn.

Freie Selbstbestimmung junger Menschen gilt als erreicht, jetzt ist es die Aufgabe – man muss all seine befreite Kräfte für die Rechte der Anderen einsetzen. Der Weise fühlt die Leiden der Anderen und setzt sich gegen Vorurteile und soziale Bürden.

Man müsse neue öffentliche Meinung bauen, man braucht dazu Kühnheit und Einsicht.

Sei im Herzen stille gute Frau. Sei weniger „echtes Weib” als ein „ganzer Mensch”. Belächle die Frauen, die glauben, sie leisteten dem Staate etwas, nur weil sie das Wahlrecht gewannen. Wir müssen mit beispiellosen Zähigkeit den Glauben an Menschheit festhalten. Setze Vertrauen in die Menschheit!

Eine alte Erfahrung will lehren, Vernunft und Liebe hätten nichts miteinander zu tun, ich aber behaupte, dass gerade Vernunft die Liebe erzeugen könnte, welche der Welt fehlt. Glückliches Familienleben baut sich nicht auf blinden Gehörsam auf. Männer sollen lieber mit der Vernunft der Frau leben, als über Unkenntnis der Frau herrschen.

Soziale Probleme bestünden gar nicht, wäre jedermann bemüht zur Schaffung von Verhältnissen beizutragen, die es möglichst vielen Menschen erleichtern, gut zu bleiben.

Man muß unmittelbar zeigen, dass Gute und Gerechte das Selbstverständlicheist.

Eigentlich habe ich von Selbstverständlichen gesprochen. Aber ist nicht vielleicht der Grund all unseres heutigen Elends der, das Selbstverständliche nie zu Selbstverständlichen wurde?

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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