Woodstock vor 11 Jahren (Reblog/Reprint)

Jacek Slaski

TIP Berlin

Auch 39 Jahre nach dem berühmtesten Musikfestival der Popgeschichte wird im
idyllischen Woodstock der Mythos der Hippiebewegung liebevoll gepflegt.

Die andere Stadt: Woodstock

Tatsächlich war „Woodstock“ gar nicht in Woodstock. Jenes drei­tägige Ereignis, das vom 15. bis 18. August 1969 durch die Kombination aus schlechtem Wetter, schlechten Drogen, einer chaotischen Organisation und einer halben Million Hippies zum Schlüsselmoment der 60er Jahre wurde, musste wegen des riesigen Andrangs auf Max Yasgurs Felder in der Nähe der Kleinstadt Bethel verlegt werden, ganze 69 Kilometer von Woodstock entfernt.

Doch das hat dem Ort nicht geschadet. Heute sieht das malerische Städtchen am Fuße des Cat­skill-Mountain-Naturschutzreservats immer noch aus wie ein am Leben erhaltener Hippietraum. Die beschauliche Stadt bietet alles, was langhaarige Freaks, liberale Aussteiger und Künstlerseelen zum Leben brauchen. Eine entspannte Atmosphäre, viel Natur und frische Luft, gesundes Essen und nicht zuletzt ausreichend Rockmusik. Kleine Läden mit Kunsthandwerk, bunten Hemden und selbst gemachtem Schmuck prägen den Ort, dazu gesellen sich Galerien, Plattenläden, Cafés und Restaurants mit vegetarischen Spe­­zialitäten.

Künstler ohne Ende

„Drei Vier­tel der Leute hier sind entweder vollständig oder zumindest teilweise künstlerisch tätig“, sagt Barry Samuels, der Vorsitzende der Handelskammer in Woodstock. Der kleine Mann mit verwuscheltem grauen Haar und Nickelbrille steht vor einer bunten Holzhütte mit Peace-Zeichen auf dem Dach, dem Hauptsitz der hiesigen Händlergilde, und sinniert über die Geschichte dieses besonderen Ortes.
Die weltoffene und kreative Stimmung, die Woodstock seit jeher umgibt, war schon früh für die New Yorker Bohemiens attraktiv. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog es sie in diese abgeschiedene Gegend mit Wäldern, Bergen und Flüssen. Der Engländer Ralph Whitehead gründete um 1903 die Byrdcliffe Arts Colony, die noch heute von dieser Tradition zeugt. Viele der damals errichteten Holzhäuser, in denen Künstler, Schauspieler, Dichter und Journalisten lebten und arbeiteten, sind noch heute zu besichtigen.

Später folgten die Beatniks, die Folkszene und die Hippiebewegung. „David Bowie, Thelonious Monk, Lee Marvin, Van Morrison und Ethan Hawke haben hier alle eine Zeit lang gelebt“, sagt Samuels nicht ohne Stolz. Bob Dylan zog sich 1966, nach seinem tragischen Motorradunfall, dorthin zurück. In Woodstock erschuf er gemeinsam mit The Band in einer rosafarbenen Scheune namens Big Pink seine Vision einer uramerikanischen Musik. Nachzuhören sind die Ergebnisse auf den Alben „The Basement Tapes“ oder „Music from Big Pink“. Wer sucht, kann Big Pink entdecken, allerdings befindet sich das Anwesen in Privatbesitz, außer der Erinnerung ist wenig geblieben. Besser man kehrt gleich bei dem 68-jährigen The-Band-Schlagzeuger Levon Helm ein. Der lebt immer noch in diesen Wäldern und organisiert gelegentlich in seiner Scheune die „Midnight Ramble“-Konzerte. Für Musikfans eine einmalige Gelegenheit, den alten Geist von Woodstock zu spüren.

Ausgeglichener Wallfahrtsort

„Früher, vor dem legendären Festival, trafen sich Bands aus der Umgebung auf einem leeren Feld und spielten Blues, Country und Folk, aber auch Kammermusik und klassische Werke, und die Bewohner holten ihre Picknick­körbe raus“, erinnert sich Samuels. 1969 sah aber alles anders aus. Die musikalische Revolution war im vollen Gange und das geplante Woodstock Music and Art Fair Festival drohte den überschaubaren Rahmen zu sprengen. Darum muss­ten Jimi Hendrix, Janis Joplin und Santana bei Bauer Yasgur spielen.
Woodstock wurde trotzdem als Symbol der Hippiebewegung zum Wallfahrtsort. Alles strahlt Ausgeglichenheit aus. Die Hotels heißen Harmony House oder Dharma Guest House, im Woodstock Farm Sanctuary leben Kühe und Schafe, die vor dem Schlachthaus gerettet wurden, und in vielen Fens­tern hängt das freundliche „Freaks Welcome“-Schild. Das zeugt nicht nur von der friedlichen Philosophie der Hippies, sondern auch von ihrem Geschäftssinn. Mag die Bewegung in den 60ern an­ti­ka­pi­ta­lis­tisch gewesen sein, heute wis­sen die Freidenker von einst durchaus, wie man sich aus den Ideen der Vergangenheit ein angenehmes Leben in der Gegenwart einrichten kann. Und das allein ist schon bewundernswert.

Anreise
Von New York City etwa zweiStun­den mit dem Auto. Mietwagen am besten in Deutschland reservieren, das ist günstiger als vor Ort, z.B. www.billiger-mietwagen.de/Autovermietung-new-york.html

Woodstock_Jacek Slaski

Ansehen
Byrdcliffe Arts Colony Die um 1903 errichteten Holzhäuser der ersten Künstlergeneration in Woodstock, Upper Byrdcliffe Road, www.woodstockguild.org;
Artist Cementary: Auf dem kleinen Friedhof wurden berühmte Bewohner Woodstocks beerdigt.
Buddhistisches Kloster: Oberhalb des Stadtzentrums, am Ende der Meads Mountain Road. Dort beginnen auch die Wanderwege in die Catskill Mountains.

Midnight Ramble Konzertreihe in der Scheune von Levon Helm, Schlagzeuger von The Band, Infos unter www.levonhelm.com

Essen und Trinken
Joshua’s Restaurant im Zentrum (51 Tinker Street) ist seit 30 Jahren eine Institution. Das „Gourmet Magazin“ nennt das Bear Café (295 Tinker Street) als beste Adresse.

Übernachten
Zentral: Phoenicia Belle (73 Main Street, http://www.phoeniciabelle.com, ab 90 Dollar/Nacht) und Twin Gables Guest House (73 Tinker Street, www.twingableswoodstockny.com, ab 84 Dollar/Nacht)


Zugabe vom Sommer 2019: Zum 50. von Woodstock: 100 beste Hippie-Songs

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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3 odpowiedzi na „Woodstock vor 11 Jahren (Reblog/Reprint)

  1. Teresa Ru. pisze:

    Sehr interessanter Beitrag,
    einladend…..
    T.Ru.

  2. tibor pisze:

    es war, eine ungewollte, aber doch eine schlammschlacht und nicht so frei, am rande, wie heute gedacht wird (gab auch 10 jahre knast für 2 joints);
    was eigentlich übrig geblieben ist,aus diesen zeiten, ist die , die immer bleibt,und diesen falle keine schlechte, die musik;

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