Reblog für eine Archäologin

Vor ein paar Wochen publizierte (rebloggte) ich HIER eine Fantasy-Liebes-Geschichte über Pompei und Ausbruch des Vesuvs vor 1940 Jahren. Jetzt lasse ich die Wissenschaft zum Wort. Und das erste, was die Wissenschaft uns sagt, ist es, dass der berühmteste Vulkansausbruch der Welt nicht am 24. August, wie bis jetzt vermutet, sondern eben im Oktober statt fand. Zwei Monate Unterschied. Für Archäologen kein Grund zu sorgen. Wir bewegen uns eh in der Zeitfenster von Jahren, Jahrzenten, Jahrtausenden oder gar mehr.

Technologischer Durchbruch

Werden die verkohlten Papyri aus Pompeji nun endlich entziffert?

Jene Schriftrollen, die beim Ausbruch des Vesuv zerstört wurden, könnten dank neuer Methoden lesbar werden. Womöglich befinden sich darunter verschollene Klassiker

Klaus Taschwer

4. Oktober 2019

Was mag wohl in dieser antiken Schriftrolle stehen? Sollten die neue „Durchleuchtungsmethode” Erfolg haben, könnten womöglich sogar verschollene Klassiker der Antike entdeckt werden.
Foto: The Digital Restoration Initiative/University of Kentucky/PA

Wann genau der Vesuv im Jahr 79 unserer Zeitrechnung ausbrach, ist fast 2000 Jahre später immer noch unklar. Erst vor einem Jahr stieß man bei Ausgrabungen in Pompeji auf ein Graffito, das vermutlich vom 17. Oktober des Jahres 79 stammt. Deshalb nimmt man nun an, dass die verheerende Eruption, die Pompeji, Herculaneum und zwei weitere Städte unter einer bis zu 25 Meter hohen Schicht aus vulkanischer Asche und Bimsstein begrub, am 24. Oktober stattgefunden haben dürfte.

Fast 1700 Jahre später begann man dort mit den wissenschaftlichen Ausgrabungen. Und bereits im Jahr 1752 entdeckte man bei Grabungen in Herculaneum eine Sammlung von etwa 1800 Schriftrollen. Fundort dieser bis heute einzigartigen Bibliothek war übrigens eine Villa, die dem Schwiegervater von Julius Cäsar gehört haben dürfte.

Einzige „erhaltene” antike Bibliothek.

Diese Schriftrollen, die heute zum Gutteil in der Biblioteca Nazionale di Napoli aufbewahrt werden, bilden die einzige bekannte Textsammlung der Antike, die sich als Ganze erhalten hat – aber eben nur in völlig verkohlter und entsprechend fragiler Form. Entsprechend brachten alle Versuche, die verkohlten Papyri wieder auszurollen, nicht wirklich brauchbare Ergebnisse. Zudem gehen Forscher davon aus, dass die noch sichtbare Schrift durch den Kontakt mit der Luft vollends verschwinden könnte.

Doch seit ein paar Jahren gibt es neue Hoffnung. 2016 gelang Forschern um Brent Seales (University of Kentucky) nämlich ein wichtiger Durchbruch: Sie schafften es, eine 1.700 Jahre alte, ebenfalls verbrannte hebräische Schriftrolle mit hochenergetischen Röntgenstrahlen so zu durchleuchten, dass der verborgene Text tatsächlich lesbar wurde. Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Text aus dem biblischen Buch Levitikus.

Der „digitale Restaurator” Brent Seales erklärt, wie er die hebräische Schriftrolle lesbar machte.

Eine wahre Herkulesaufgabe.

Das neue Forschungsunterfangen, das der international führende „digitale Restaurator” alter Texte nun mit zwei Schriftrollen aus Herculaneum begonnen hat, ist freilich ungleich herausfordernder und, wenn das Wortspiel erlaubt ist: eine wahre Herkulesaufgabe.

Während die Tinte der hebräischen Schriftrolle feinste Metallpartikel enthielt und deshalb bei Röntgenbestrahlung relativ gut sichtbar wurde, hat man für die Schriftrollen aus Herculaneum Tinte auf Kohlenstoffbasis mit ganz wenig Blei verwendet – jedenfalls bei jenen Schriftrollen, die nun analysiert werden. Das mache es unmöglich, den Inhalt der Schriftrollen mit „normalen” Röntgenstrahlen sichtbar zu machen, so Seales.

Energiereiche Strahlen und KI

Er setzte deshalb auf besonders energiereiche Röntgenstrahlen der britischen Synchrotronstrahlungsquelle Diamond Light Force, wo in den letzten Wochen zahllose Scans der beiden antiken Schriftrollen gemacht wurden, die dem Collège de France gehören. Für die Analyse dieser Scans wird dann maschinelles Lernen eingesetzt.

Das ist eine Methode aus der KI-Forschung, bei der Software „trainiert” wird, um sich selbstlernend zu verbessern. Konkret soll der Algorithmus mittels vier Fragmenten, die ebenfalls durchleuchtet wurden, minimalste Unterschiede zwischen beschriebenen und unbeschriebenen Bereichen erkennen lernen.

Eines der vier Fragmente, das bei der Entzifferung helfen soll.

Griechisch oder Lateinisch?
Ob das auch tatsächlich gelingen wird, ist noch offen und wird sich wohl erst in den nächsten Monaten zeigen. Dann aber könnte die Methode für alle weiteren rund 1.000 Schriftrollen verwendet werden, die noch nicht völlig zerstört sind. Die wenigen identifizierten Schriftrollen waren übrigens auf Griechisch verfasst, was für die restlichen Papyri nicht gelten muss, wie der Papyrologe und Gräzist Dirk Obbink von der Uni Oxford erklärt, der beim Training der Algorithmen half.

Er ist besonders neugierig, was sich in den Rollen verbirgt und verweist unter anderem darauf, dass erst im Vorjahr ein neues historisches Werk von Seneca dem Älteren unter den Papyri aus Herculaneum entdeckt wurde. Obbink hofft, dass die noch unentzifferten Schriftrollen womöglich sogar verschollene Werke der Antike wie die Gedichte Sapphos oder die Abhandlung von Marcus Antonius über seine eigene Trunkenheit enthalten könnten. Letztere würde er besonders gerne lesen.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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