Barataria aus dem Jahre 1982

Mojej siostrze Katarzynie
Für meine Schwester Katarzyna

Achtung! Kein Video, sonder wunderbare Musik von Anton Garcia Avril und Fotos aus der englischen TV-Serie Great Performances, mit Sir Alec Guinness als Padre Quijote und Leo McKern in der Role des kommunistischen (Ex)Bürgermeisters  von Toboso, der vor seinem Priesterfreund Sancho genannt wird.

Es ist eine schöne Verfilmung eines schönen Buches und ich danke meiner Schwester, die es mir empfohlen hat. Und denke nur – seit zwei Jahren suche ich Don Quijote überall und erst vor ein paar Wochen sagte mir Katarzyna, dass es diesen Roman gibt und dass sie ihn so lieblich findet.

Graham Greene, Monsignor Quixote, Roman, erschien 1982 in New Yorck.
Von links nach recht – amerikanische Erstausgabe, DVD Cover, deutsche Übersetzung in Paperback und der Roman auf Polnisch.

Man schreibt das Jahr 1980, vielleicht 1981 oder 1979. Der Generalissimus ist schon vor ein paar Jahren gestorben, genauer gesagt 1975. Spanien ist demokratisch, aber die Guardia verfügt immer noch über eine Übermacht, besonders wenn man ein entflohener Priester oder überzeugter Kommunist ohne Amt ist. Oder beides. Spanische Guardia civil, gehasste Staatssicherheit-Polizei, gilt in dieser Neubeschreibung der Abenteuer von den Ritter der Traurigen Gestalt und seinem Knappen als schreckliche Riesen-Windmühlen.

Padre Don Quijote, auf Geheiss von einem geheimnissvollen Bishof von Motopo zur Würde eines Monsignores erhoben, hält sich zu einem Nachkommen des Cervantesschen Ritters, obwohl SEIN Bischof, der ihn nicht leiden mag, der andere Meinung vertrit und meint, der wahre Don Quijote wäre eine Romanfigrur, mehr noch – eine Metapher, oder eine Parabel… Lediglich.

Es ist auch Barataria da, die Insel, die es nicht gibt, die auch lediglich eine Metapher, oder eine Parabel ist.

” Vermutlich liegt es am Wein”, sagt Monsignorr Quijote ze Sancho, „aber mir ist sehr warm”.
„Ich spüre die Hitze nicht. Ich finde die Temperatur sehr angenehm. Aber ich trage natürlich auch nicht so einen lächerlichen Kragen”.
„Ein Stückchen Zelluloid, das macht überhaupt nicht heiß, überlegen Sie einmal, was diese Guardia alles trägt. Versuchen Sie selbst, dann werden Sie schon sehen.”
„Gut. Geben Sie her. Wenn ich mich recht erinnere, wurde Sancho Statthalter über eine Insel und ich werde eben, mit Ihrer Hilfe, Statthalter über Seelen”. Er legte das Kollar um seinen Hals. „nein. Sie haben recht”. So heiß ist das gar nicht. Es beengt ein bißchen, das ist alles. Und reib mich wund am Hals. Sonderbar, Padre, ohme Ihr Kollar würde ich Sie nie für einen Padre halten und erst recht nichzt für einen Monsignore.”
„Nachdem Don Quijotes Haushalterin ihm die Lanze abgenommen und ihn von seiner Rüstung befreit hatte, hätten Sie ihn nie für einen fahrenden Ritter gehalten”, sondern nur für einen närrischen alten Mann. Geben Sie mir mein Kollar wieder, Sancho.” (S. 85)

Als sie in einem Restaurant hinter der Plaza Mayor in einem kleinen Patio an der Bar saßen und ein Glas Weißwein tranken, spürte Padre Quijote, wie seine fröhliche Laune zurückkehrte. Vorher, den besuch im Haus des cervantes, der sie 50 Peseten pro Person hekostet hatte, hatte er genossen, nur hätte er gerne gewußt, ob man ihm wohl bei Nennung seines Namens an der Kasse freien Eintritt gewährt hätte. Einige der Möbel stammten tatsächlich aus dem besitz des Biographen, win an den König gerichteter Brief über die Besteuerung von Öl hing an der weißgekalkten Wand, die er sie sich leicht mit Blut bespritzt vorstelklen konnte, als man in jener schrecklichen nacht Don Gaspar de Ezpelatas blutigen Leichnam ins Haus getragen und Cervantes unter dem falschen Verdacht, an seiner Ermordung beteiligt zu sein, verhaftet hatte. „Natürlich hat man ihn gegen Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt”, erzählte Padre Quijote, „aber bedenken Sie, Sancho, was es bedeutet, an der Lebensbeschreibung meines Vorfahren weiterzuarbeiten, wenn man weiß, was einem Schreckliches droht. Ich frage mich manchmal, ob es diese nacht war, an die er dachte, als er niederschrieb, wie Ihr Ahnherr nach seiner Ernennung zum Stathalter über eine Insel einem Jüngling befahl, eine Nacht im Gefängnis zu schlafen, und der Jüngling erwiderte: ‚Eure Macht reicht nicht aus, den Schlaf im Gefängnis herbei zuzwingen’. Vielleicht waren es dieselben Worte, die der greise cervantes zu dem Beamten sprach. ‚Angenommen, Ihr werft mich ins Gefängnis, legt mich in Ketten, sperrt mich in eine Zelle, und doch, wenn ich nicht schlafen will, habt Ihr keine Gewalt über mich, meinen Schlaf zu erzwingen’.”
„Die Guardia Civil heutzutage”, sagte Sancho, „die wüßte schon, wie man so was macht. Die würden Sie schnell genug einschläfern, mit einem einzigen Schlag über den Schädel.” Düster fügte er hinzu. „Mir täte ein bißchen Schlaf gut.”
„Ah, aber Ihr Ahnherr, Sancho, der war ein freundlicher Herr, und er ließ den Jungen frei. Und der Beamte tat das gleiche mit Cervantes.” (S.112)

Aus welchem Grund auch immer, schweigt der Padre stur, was Sancho nervös macht.

„Denken Sie daran, Padre”, sagte Sancho, „was für einen guten Statthalter mein Ahnherr abgab. Trotz all seiner Ritterlichkeit und Tapferkeit hätte Don Quijote nie so gut regieren können. Was für ein heilloses Spektakel – ich meine heiliges Spektakel – er auf dieser Insel angerichtet hatte. meinem Ahnen fiel das Regieren genauso leicht wie Trotzki das Kommandieren einer Armee. Trotzki besaß keine Erfahrung, und doch schlug er die weißen Generale. Ach, ich weiß schon, wir sind Materialisten, wir sind bauern und Marxisten. Aber deswegen brauchen Sie uns nicht zu verachten.”
„Wann hätte ich Sie je verachtet, Sancho?”
„Ihrem Gott sei dank, Sie haben endlich wieder zu reden begonnen…” (S. 132/133)

Don Padre wird bald sterben, angeschossen von Guardia Civil.

Seine Stimme aber, die vom Bett herüber drang, klang jetzt fest und kräftig. „Was ich Ihnen anbiete, Sancho, ist nicht Statthalterschaft. Was ich Ihnen anbiete, ist ein Königreich.”
„Ein Königreich?”wiederholte Sancho.
„Geh mit mir, und du wirst das Königreich finden.” (S. 229)

Und jetzt suchen wir Barataria in den nächsten Don-Quijote-Film. Regie Rodney Bennett. Ein netter Film mit guter Musik, der hier zu sehen ist. Also bloss nicht bei Amazon kaufen, wo er zwischen 199,00 und 273,00 Euro kostet! By the way, ab der 14. Minute gefühlte 10 Minuten preist der Film die Vorzüge der polnischen Wodka Wyborowa. Sehr nettes Product Placement 🙂

Der ganze Film: HIER

Und am Ende noch ein Zitat von Shakespeare, dem Greene dem Roman als Motto vorgesetzt hatte:

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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3 odpowiedzi na „Barataria aus dem Jahre 1982

  1. Kasia Krenz pisze:


    Vivat Barataria! Don Qiuxote is yet another example that literature IS IMMORTAL and often more real than reality!

  2. ewamaria2013 pisze:

    Taki świetny marsz do tańca

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