Er fehlt

Zu Erinnerung an Witold Kamiński
27.11.1947 – 17.10.2019

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

wir alle hatten das große Glück Witold Kaminski kennenlernen zu dürfen.

Heute sind wir zusammengekommen, da wir Abschied nehmen müssen. Am 17. Oktober ist Witold unerwartet verstorben und die Trauer und der Schmerz sind erdrückend. Er fehlt.

Wir sind zusammengekommen um gemeinsam zu trauern, aber auch um uns an einen außergewöhnlichen Menschen zu erinnern.

Ohne ihn würden wir wohl nicht hier stehen. Dieses Haus gehört auch zu seinem Lebenswerk. Als Mitbegründer und langjähriges Vorstandmitglied des Polnischen Sozialrates und des Migrationsrates Berlin gehört er zu den Menschen, die die Ora34, das Nachbarschaftshaus für interkulturelle Begegnung, geprägt haben.

Witold Kaminski war eine der herausragenden Persönlichkeiten des polnischen Berlins. Seit den 80er Jahren hat er unzähligen Migrant*innen geholfen, unter erschwerten Umständen ein neues Leben in Deutschland aufzubauen. Er hat sich mit Kulturprojekten und politischen Initiativen für den deutsch-polnischen Austausch eingesetzt und geholfen, Vorurteile und Ressentiments abzubauen.

Doch sein Engagement war nie auf die polnische Community beschränkt – er hat Vielfalt immer als Stärke gesehen und stellte sich entschlossen gegen einen einseitigen, Einbahnstraße-artigen Integrationsbegriff. Vielmehr sprach er von Teilhabe und Partizipation aller Menschen in unserer Einwanderungsgesellschaft und lebte die Empowerment-Idee, bevor dies zum Modewort wurde. Dabei fand er Verbündete unter Migrantenvertretern der unterschiedlichen Communities und arbeitete unter anderem mit der türkischen, russischen und afrikanischen Gemeinde eng zusammen. Auch in der Politik fand er Freunde und Mitstreiterinnen, er etablierte sich als gefragter Experte und arbeitete aktiv mit in zahlreichen Ausschüssen, Arbeitsgruppen und Beiräten, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene.

Die junge Generation der „neuen Deutschen“, wir, die sich selbstbewusst in mehreren Kulturen zu Hause fühlen, profitieren heute von der Arbeit von Vordenkern und Aktivisten wie Witold, die den Diskurs um nationale Identitäten nachhaltig beeinflusst und Glasdecken für uns zerschmettert haben.

Für seine Verdienste wurde Witold Kaminski mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem polnischen Kavalierskreuz. Doch darüber sprach er eigentlich nie. Vielmehr als für Auszeichnungen interessiert er sich für Menschen.

Wie oft haben wir ihn sagen hören: „Es kommen keine Facharbeiter und Migranten, es kommen Menschen, mit ihren Potentialen und Problemen.“ Dabei hatte er ein erstaunliches Talent Potentiale zu erkennen und zu fördern. Das haben viele in diesem Raum selbst erfahren dürfen – vielleicht nicht immer ganz freiwillig. Ich erinnere mich an meinen ersten Monat im Polnischen Sozialrat, als er mir auf dem Weg zu einer Veranstaltung erzählte, er habe mich bereits als Moderatorin angemeldet. Er war ein fantastischer Mentor und durch sein Vertrauen sind Kolleginnen und Kollegen an seiner Seite gewachsen.

Witolds Erfahrungsschatz und sein politischer Instinkt machten ihn zu einer wichtigen kritischen Stimme, die die Migrations- und Integrationsdebatten der letzten drei Jahrzehnte mitgeprägt hat. Und wie wir wissen, konnte diese Stimme laut und deutlich werden – er nahm kein Blatt vor den Mund, folgte seiner Überzeugung und ließ sich nicht beirren.

Bei allem was er tat, war er mit dem Herzen dabei und schonte sich nie. Sein Engagement war stets persönlich und er hatte die Gabe andere mit seinem Enthusiasmus anzustecken und mitzunehmen. Man konnte nicht gleichgültig an ihm vorbeigehen. Seine offene und gleichzeitig direkte Berliner-Art machten ihn auch zu einer Kiezikone – es war fast unmöglich die Oranienstraße mit ihm runterzulaufen, ohne dass er angesprochen wurde.

Witold war seiner Zeit oft voraus, er war ein Visionär, Philosoph und vor allem immer auch Sozialarbeiter, der sich für diejenigen einsetze, die marginalisiert oder vergessen werden – zuletzt besonders in der Obdachlosen- und Geflüchtetenhilfe.

Doch Witek war auch Familienmensch, Ehemann und Vater. Erfolgreicher Trickfilmzeichner, leidenschaftlicher Hobbytaucher und stets rasender Fahrradfahrer.

Er war unser Freund. Er bleibt mein Vorbild. Wir werden ihn nie vergessen.

Dr. Marta Neüff
Vorsitzende des Polnischen Sozialrates e.V.
21.11.2019

Informacje o ewamaria2013

Polska pisarka w Berlinie
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